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Aufwind für Verleger ?

Wer die Leistungsschau des österreichischen Verlagswesens etwa bei der vergangenen Buchwoche in der Wiener Hofburg oder unlängst im Rathaus oder aber auch die Präsentation österreichischer Verlage bei der Frankfurter Buchmesse Revue passieren läßt, konnte feststellen, daß das heutige österreichische Verlagswesen nicht nur durch Qualität, sondern auch was Ideen, Inhalte, Art der Aufmachung und Ausstattung der Bücher sowie deren graphische Gestaltung betrifft, besticht und einen überzeugenden Beitrag zur kulturellen Leistung dieses Landes ausmacht.

Zum Buchkonsum haben laut Mikrozensus vom vergangenen Dezember nur noch 50 Prozent der Österreicher angegeben, kein einziges Buch im Jahr gekauft zu haben. Im Vergleichsjahr 1971 betrug dieser Prozentsatz immerhin noch 67. Auch die Zahl der Vielleser und der Vielkäufer hat statistisch zugenommen. Dies zusammengenommen gibt zumindest Hoffnung; gegenläufig dazu sind Konkurse angesehener Verlage, Verkürzung von Verlagsprogrammen, die Aussichtslosigkeit, auf ausländische Märkte zu kommen, die Tatsache, daß viele österreichische Autoren in der Bundesrepublik Deutschland verlegen und daß die Verlagsförderung der öffentlichen Hand immer lächerlicher wird.

Verleger zu sein in Österreich bedeutet heute immer noch, ein Risikogeschäft zu betreiben. Das besonders dann, wenn die verlegerische Tätigkeit nicht auf einem großen Fundus an verwertbaren Rechten aufbauen kann oder diese nicht entsprechend verwertet werden können, weil sie auf dem Gebiet der Wissenschaft durch den Fortschritt der Wissenschaft nur über kurze Zeit verwertbar sind.

Da wir ein kleines Land sind, geht es dem Verleger auch so wie in vielen anderen Bereichen, daß es ihm nämlich an Know-how, an Kapital und an internationalen Verbindungen fehlt, und daß er gegen eine starke ausländische Konkurrenz, die sich vielfach am breiten Publikumsgeschmack orientiert, ankämpfen muß.

Schmerzhaft ist noch in Erinnerung— und bis heute als Signal für die Situation der österreichischen Verlage wirksam —, wie der Molden-Verlag, ein typischer österreichischer Publikums-Verlag, zugrunde ging. Genauso beklagenswert ist es, daß ausländische Verlage immer stärker in den Austriaca-Markt Vordringen, andererseits aber überregional leichte Kost auch bei uns in gro ßem Ausmaß absetzen.

Als Beispiel möchte ich auf die Tatsache hinweisen, daß es einem renommierten deutschen Verlagskonzern gelungen ist, die erfolgsträchtigen Memoiren von Bruno Kreisky herauszubringen und auch in Österreich zu vertreiben. Demgegenüber ist aber auch für viele österreichische Autoren von Vorteil, ihre Bücher bei einem großen deutschen Verlag herauszubringen, weil die Verkaufszahlen höher sind, wenn der Verlag gleichzeitig neben Österreich auch dichter in der Bundesrepublik und in der Schweiz organisiert ist.

Was ist also zu tun, um das österreichische Verlagswesen weiter zu stärken und Anreize für eine selbständige Verlagstätigkeit in unserem Lande zu geben?

Als erstes brauchen wir wieder einen Ansporn durch Schaffung eines offenen Klimas, das dem privaten Verleger größere Freiräume bietet und in dem sich auch die großen Interessengruppierungen in unserem Land öffnen, die vielfach über eigene Verlags- unternehmen verfügen und daher das Risiko für die Kleinen in unserem kleinen Land zusätzlich erschweren. Die Tendenz zur Risikominimierung wird bei uns leider auch von großen Institutionen — wie letzte Beispiele zeigen—forciert und führt in manchen Bereichen bis zur Quasi-Monopolisierung.

Die Motoren unserer literarischen Kultur in der Vergangenheit, aber auch der Weltliteratur, waren immer risikobewußte, große Verlegergestalten. In einer Zeit, in der die Privatisierung des öffentlichen Sektors allgemein anerkannt wird, müssen daher auch Reprivatisierungsmaßnahmen im Verlagsbereich der öffentlichen Hand gefordert werden, etwa beim österreichischen Bundesverlag und beim Verlag Jugend und Volk. Daneben sollte größere Verteilungsgerechtigkeit in der Vergabe von Subventionen erzielt und ein gewisser Gewaltverzicht der ökonomisch Starken zugunsten von Anfängern und zugunsten eines wünschenswerten Pluralismus erreicht werden.

Steuerliche Anreize, wie sie eine Initiative von ÖVP-Abgeordne- ten vorsieht, sollen Private dazu animieren, sich an Produktionen junger österreichischer Autoren zu beteiligen und damit die Vielfalt verlegerischen Engagements zu unterstützen. Nicht einer Ausgrenzung oder Abgrenzung durch falsch verstandenen Patriotismus wird hier das Wort geredet, sondern einer möglichst breiten Vielfalt.

Die bestehenden Möglichkeiten der Präsentation von Verlagen im Ausland sollten durch eine verstärkte Exportförderung und durch verstärkte Serviceleistungen für Übersetzungen — und deren Förderung — weiter ausgebaut werden. Gezielte Ubersetzungsförderung besonders der Literatur aus unseren Nachbarländern könnte unsere eigene Stellung in der mitteleuropäischen Kultur weiter ausbauen und einen kulturellen Beitrag zur Versöhnung leisten.

Für Verleger, hinter denen keine Institution steht, die nur den potentiellen Leser auf ihrer Seite haben, sollten alle Möglichkeiten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für eine große Vielfalt im österreichischen Verlagswesen so rasch wie möglich konkretisiert werden. Steueranreize, gezielte Projektsubventionen, neue

Präsentationsformen der Verlage, Ubersetzungsförderungen, Starthilfen und Reprivatisierungsbemühungen sind dringende erste Maßnahmen. Zu denken wäre auch an gemeinsame Auslandspräsentationen oder einen Vertrieb für mehrere Verlage.

Vielleicht entwickeln sich dann wieder viele autonome österrei chische Verlegerpersönlichkeiten, denen es eine spannende Herausforderung ist, daß die österreichische Literatur nicht nur „spurlos“ vorhanden ist, sondern auch zum Leser findet. Der Erfolg dieser Bemühungen ist ein Gradmesser für den Zustand unseres Kulturlandes Österreich.

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