6734727-1966_15_19.jpg
Digital In Arbeit

Österreich Mittelpunkt Europas

Der österreichische Fremdenverkehr ist zu einem Großteil die Frucht der Geschichte Österreichs. Der Erfolg unseres Fremdenverkehrs, seine Anziehungskraft sind wesentlich bestimmt durch das „Gesicht“, das Österreich der Welt gegenüber besitzt. Das Wort „Österreich“ und der Begriff, den der Auslandsgast damit verbindet, also das Bild, das man sich im Zusammenhang damit jenseits unserer Grenzen über Österreich macht, bestimmt die touristische Anziehungskraft Österreichs.

Auch das Werbe-Image Österreichs ist stärkstens geformt durch seine Geschichte in Europa. Diese Geschichte Österreichs ist das Ergebnis seiner geographischen Lage, der historischen Funktion Österreichs in Europa; sie ist geformt durch den Vielvölkerstaat, aus dem das heutige Österreich hervorgegangen ist, also die etnographische Zusammensetzung des alten Donaureiches.

Maßgebend für die Fremdenverkehrsentwicklung ist das Verkehrswesen. Wir sprechen gerade im Tourismus sehr viel von der Verkehrslage Österreichs als einer seiner wesentlichen Komponenten.

Schon zur Zeit der Bernsteinstraße gab es einen Nord-Süd-Zug in Europa. Die große andere Verkehrslinie von Urzeit und von heute ist die Linie West—Ost, Ost—West, die Donaustraße. Mit den Straßen entsteht das Verkehrswesen, und es kam damit die Ortsveränderung der Menschen.

Die Völkerwanderung führte zum Einströmen einer Vielzahl von Völkern in unser heutiges Gebiet, zur Besiedlung unseres Territoriums durch Kelten, Magyaren und Slawen. Sie wurden später zusammengeschmolzen im Schmelztiegel der Donaumonarchie. Damit wurden aber sehr wesentliche Züge unseres Österreich und seiner Einwohner auch für das touristische Image geprägt. Mit dem Verkehr kommt Handel, mit dem Handel die Kultur, und so ergaben sich entlang dieser Verkehrslinien wesentliche europäische Kultureinflüsse, die in unserem Territorium auch heute noch sichtbar sind.

Wir danken vieles von dem, was gemeiniglich als touristische Werbeattraktion gilt, auch dem Vielvölkerstaat, dem großen, alten Reich, in dem die Sonne nicht unterging. Seiner engen Verbindung mit Spanien etwa entstammt eines unserer Fremdenverkehrsatouts, nämlich die Spanische Hofreitschule in Wien.

Denken wir an den Einfluß Europas auf die österreichische Musik, die doch wesentlich ist für unseren Fremdenverkehr und unsere Werbung. Die österreichischen Kaiser — sie musizierten noch italienisch. Inspirationen, die außerhalb unserer Grenzen lagen, haben schöpferische Werke unserer Großen, wie Schubert, Haydn, Mozart und viele unserer anderen Meister, entscheidend beeinflußt. Sie und die Wahlwiener, wie Beethoven, Brahms usw., haben Österreich zum Mekka der Musik gemacht, und hiervon leben wir fremdenverkehrsmäßig noch heute in entscheidendem Maße.

Denken wir aber weiter an die leichte Musik der Urwiener Lanner und Strauß, denen ein Lehar, ein Kaiman, ein Oskar Straus, um nur einige zu nennen, zur Seite stehen.

Die Repräsentanten der leichten Musik haben sehr wesentlich die sogenannte „österreichische Atmosphäre“ geschaffen.

In den europäischen Verbindungen sind aber auch die Wurzeln unserer Festspiele gelegen. Aus örtlichen Passionslaienspielen entstanden hier durch Anregungen von auswärts Spiele von internationaler Bedeutung auf dem idealen Nährboden, den die Heimat darstellt.

Der Skilauf, die österreichische Domäne des Wintertourjsmus, kam aus Skandinavien zu uns. Er wurde bei uns in seinen alpinen Disziplinen groß gemacht und dem internationalen Fremdenverkehr dienstbar gemacht.

Aber denken wir nicht zuletzt an die Gastronomie in Österreich. Ihre anziehende Vielfalt ist nur erklärbar aus den verschiedenen Wurzeln, denen sie entstammt und aus denen sie zur „österreichischen Küche“ mit mancherlei Abwandlungen der ursprünglichen Rezepte wurde. Das Gulasch aus Ungarn, die Knödel aus Böhmen, der Strudel aus Spanien, das Baiser aus Frankreich, das Kaffeehaus aus der Türkenbelagerung, sie haben das Typische der österreichischen Küche geprägt, mit der wir heute in Berlin, in London, in New York und in einem Jahr bei der Weltausstellung in Montreal für Österreich werben.

Aus allen Teilen Europas stammten die großen und kleinen Persönlichkeiten, die sich am Hof von Wien einst versammelten. Hier war es notwendig, eine internationale Aufgeschlossenheit dem „Fremden“ gegenüber zu zeigen. Damit war etwas sehr typisch Österreichisches entstanden, nämlich die Kunst, aus „Fremdem" „österreichisches“ zu machen, zu amalgamieren. Es ist eine Kunst, die uns berechtigt, all das, was aus der Feme zu uns gekommen, heute als echten österreichischen Wertbestand anzusehen. Die „hospitalitas“ österreichischer Prägung ist mehr als bloße Gastlichkeit, weil zu ihr Verständnis dem Fremden gegenüber gehört, Freude am Leben — somit Gastlichkeit, die geprägt ist durch die österreichische Atmosphäre, gewürzt durch die Kultur, getragen von der Liebe zur Musik, verkörpert vom österreichischen Menschen, der den Mittelpunkt der Gastlichkeit bildet — und darin besteht eben das Geheimnis der Anziehungskraft unserer Gastlichkeit im Fremdenverkehr.

Entscheidende Wesenszüge unseres Fremdenverkehrs haben wir somit der Tatsache zu verdanken, daß unser heutiges Staatsgebiet einst den Mittelpunkt eines großen Reiches bildete, dessen Ausstrahlung über ganz Europa ging.

Eines aber scheint trotzdem notwendig, festzustellen: Dieses Werbe-Image Österreichs, es übt nicht mehr immer die volle Wirkung auf alle Schichten unserer Auslandsgäste aus. Wir haben jugendliche Besucher zwischen 20 und 30, für die dieser historische Begriff Österreichs kaum noch seine Anziehungskraft besitzt. Manche jungen Auslandsgäste ziehen bei Stadtführungen das Espresso dem Besuch der Kapuzinergruft vor. Das ist ein Aviso! Wir müssen bestrebt sein, auch für diese Besuchergruppen einen neuen Begriff zu prägen, der Leuchtkraft besitzt. Wir werden ihn finden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Der Fremdenverkehr ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Es ist noch eindeutig eine auf steigende Entwicklung gegeben; es ist erfreulich, festzustellen, daß in diesem Jahr 1965 die Auslandsfrequenz im Durchschnitt wieder eine Zunahme von sechs Prozent gebracht hat. Wir können 14,5 Milliarden Schilling an Bruttodeviseneingängen verzeichnen, das sind ungefähr um zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings entnehmen wir einem Bericht der Nationalbank, daß das Handelsbilanzdefizit von 10,83 Milliarden Schilling im Jahr auf 13,01 Milliarden Schilling gestiegen ist. Diesem Passivum sind nach Abzug der Devisenausgaben der österreichischen Auslandsreisenden die dann netto verbleibenden 10,9 Milliarden Schilling gegenübergestellt. Sie können trotz ihrer Steigerung gegenüberdem Vorjahr zusammen mit den sonstigen Einnahmen aus Dienstleistungen das um 20 Prozent gestiegene Handelsbilanzdefizit nicht mehr voll ausgleichen, so daß zum ersten Male seit 1954 wieder die Zahlungsbilanz mit einem Defizit in der Höhe von 1,82 Milliarden Schilling geschlossen hat.

Die devisenbringende Funktion des Fremdenverkehrs hat also wahrlich nicht an Bedeutung für Österreich verloren.

Immer stärker schiebt sich daneben die zusätzliche Kaufkraft in den Vordergrund, diemit diesem zusätzlichen Eingang von 14,5 Milliarden Schilling für Österreich durch die Umsatzbelebung der Wirtschaft gegeben ist. Sie bedeutet infolge des mehrmaligen Geldumsatzes auf das ganze Jahr gerechnet eine zusätzliche Kaufkraft von nicht weniger als 55 Milliarden Schilling.

Weltkonkurrenz

Wenngleich der Rückblick als positiv bezeichnet werden kann, ist der Ausblick in die Zukunft nur mit Vorbehalt optimistisch zu halten. Nicht nur der österreichische Auslandsfremdenverkehr hat zugenommen. Die Zunahme liegt wohl etwas höher als der europäische Durchschnitt, der mit etwa sechs Prozent zu beziffern ist. Im gleichen Maße nimmt aber auch im Inland die Unterkunftskapazität zu. Wir haben in den drei Jahren — von 1960 bis 1964 — eine durchschnittliche Erhöhung der Unterkunftskapazität um 31 Prozent zu verzeichnen. Die ausländische Fremdenverkehrsfrequenz hat um 37 Prozent zugenommen. Zu einer Verdichtung des Auslandstourismus ist es — von der Unterkunftsseite betrachtet — daher kaum gekommen.

Betrachten wir nun die Lage in Europa. Bedenken wir, daß auch andere Länder in Europa den guten Einfall hatten, den Auslandstourismus verstärkt zu betreiben und oft selbst mit viel mehr Förderungseinsatz, als es in Österreich geschieht. Laufend werden neue Fremdenverkehrsregionen, -orte und -betriebe geschaffen.

Frankreich wird innerhalb von vier Jahren 80.000 zusätzliche Winterbetten in den Westalpen in schneesicherer Lage besitzen. Tausende neue Fremdenverkehrsunterkünfte sind an der Rhönemündung im Entstehen.

In Spanien wurde zwar das „Soll“ im Bau von 37.000 Betten im letzten Jahr nicht erfüllt, es wurden „nur“ 27.000 geschaffen.

Italien hat einen Zuwachs von 1077 Betrieben mit 52.000 Betten zu verzeichnen.

Die Liberalisierung des Fremdenverkehrs in Europa — zwar noch sehr einseitig — hat ganz gewaltig die Reisemöglichkeit nach Osteuropa ausgeweitet. Die Werbewelle für die Schwarzmeerküste geht durch Europa. An

Bulgariens Gestaden sollen weitere 50.000 neue Betten entstehen. Ähnlich ist es in Rumänien und Jugoslawien. Die böhmischen Heilbäder bilden wieder eine vollwertige Konkurrenz auf dem Fremdenverkehrsmarkt.

Der Drang nach dem Süden — wie einst im Mittelalter, aber nun ein Zeichen des internationalen Tourismus mit Charterflügen — bedeutet für Österreich eine harte Konkurrenz. Eine Armada von schönen Schiffen, die zu Mittelmeerkreuzfahrten einladen, drückt ganz gewaltig auf unser Winterangebot. DieInsertion eines Nachbarstaates aus dem Südosten in Holland: für jeden Tag, an dem es regnet, die Rückvergütung der Aufenthaltskosten, zeigt, daß mancher Preis nicht immer kalkuliert sein muß.

Der Aufenthalt in Mallorca wird in Holland samt Reise zu niedrigeren Preisen als ein gleichlanger Aufenthalt in Österreich angeboten.

Bestandserhaltung

Der Fremdenverkehr in Österreich wird in Zukunft einen sehr harten Konkurrenzkampf zu führen haben. Hierzu gehören außer Geld einige weitere Voraussetzungen, die als „Erhaltung des Bestandes“ bezeichnet werden können. Österreich muß seine Werbung primär auf die für unser Land typischen Attraktionen, die es zu bieten hat, ausrichten. Das ist in erster Linie das Erholungsangebot.

Österreich kann, wenn es will, das Erholungszentrum Europas werden, wie Auslandsstimmen feststellten.

Die Regenerationsmöglichkeit basiert auf der Naturschönheit, auf der Vielfalt der Landschaft, auf der Lieblichkeit und Unberührtheit der Natur; sie wird aber auch entscheidend bestimmt durch den österreichischen Menschen und die österreichische Kultur. Wir leben sehr stark vom Erbe unserer Väter, das durch Kultur, Brauchtum, Muse beistimmt ist, in der österreichische Erholungsatmosphäre fortlebt. Wenn wir solche Erholung zu bieten haben, noch bewahrt von der Hektik unserer Tage, ist es auch richtig, besorgt zu sein — um die Erhaltung dieses Wertbestandes.

Nivellierung, Uniformisierung, Industrialisierung des Fremdenverkehrs, auch in Österreich, zu denen sich als häßlichster dieser terminologischen Begriffe die fremdenverkehrs- mäßige „Versiedelung“ anschließt, bilden die Bedrohung.

Erhaltung des Ortsbildes, der Gemeinden und Städte, Einhalt der „Vergewaltigung“ der Naturschönheiten und Erhaltung der österreichischen Note in der zeitgenössischen Architektur sind nur einige dieser Anliegen. Unsere eigenständige Gebirgsbevölkerung ist ein Fremdenverkehrsfaktor für sich allein. Aber auch hier ist eine Industrialisierung im Gange — aus Brauchtum wird Theater; der Skilehrer ist nicht mehr der bodenständige Lehrer, wie es einstmals unser Hannes Schneider war; auch er verliert manchmal schon sein österreichisches Gesicht. Das sind Teilkapitel, aus denen sich die fremdenverkehrsmäßige Sorge für die Zukunft ahnen läßt.

Bestandserneuerung

Als wesentlich betrachten wir hier für den österreichischen Fremdenverkehr die Erneuerung von Unterkünften und die Schaffung von neuen im Bereich der Gemeinden. Unsere Konkurrenzfähigkeit ist nur dann gegeben, wenn wir Schritt halten mit der Entwicklung des Auslandes. Hier ist es notwendig, durch Rationalisierung in stärkstem Maße vorzusorgen, um unabwendbare Kostensteigerungen technisch abzufangen. Es ist notwendig, mit der Modernisierung Schritt zu halten, mit der Entwicklung des neuen modernen Lebensstils auch im Fremdenverkehr. Die Gemeinde äst ein wesentlicher Bestandteil des Anbotes im Fremdenverkehr. Hier geht es um Trinkwasserleitungen, um Kanalisationen, um Parkplätze, um eine unwahrscheinlich große Anzahl von Imponderabilien, die wir missen würden, wenn sie nicht wären, deren Fehlen vor allem der Auslandsgast als Mangel empfindet!

Hinsichtlich der Investitionsfinanzierung hat Landesfremdenverkehrsdirektor Hofrat Dok-

tor Manzano von Salzburg vor kurzem den Investitionsbedarf im Unterkunftssektor des Fremdenverkehrs mit 1,5 Milliarden Schilling jährlich, in den nächsten Jahren, davon zwei Drittel Kreditbedarf, beziffert. Auf Seite der Gemeinden wird der fremdenverkehrsmäßige Investitionsbedarf mit 3,2 Milliarden Schilling (Schwimmbäder, Seilbahnen, Kanalisationen, Trinkwasserleitungen usw.), hiervon sind zwei Milliarden Schilling Kreditbedarf, festgestellt. Hofrat Manzano hat die Schaffung eines Zu- echußfonds aus öffentlichen Mitteln vorgeschlagen, der in einer Relation zu den Deviseneinkünften des Fremdenverkehrs stehen soll. Österreich gewährt ERP-Hilfe mit einem Zinsfuß von fünf Prozent, Frankreich hat dagegen Investitionskredite zur Entwicklung des Fremdenverkehrs zu drei Prozent bereitgestellt, die aber in sehr vielen Fällen um weitere zwei Prozent gesenkt werden, in der Schweiz ist schon der Bankzinsfuß viel niedriger als in Österreich. Ähnlich liegt es in Italien und Spanien.

Die Fremdenverkehrswerbung gehört leider sehr stark zum finanziellen Sektor des Fremdenverkehrs. Die Fremdenverkehrswerbung ist eine Lebenswichtigkeit. Um mit Erfolg zu werben, sind nach dem Ausspruch mancher vor allem drei Dinge nötig: die Werbeideen, die richtige Werbetechnik und das Geld! Der österreichische Fremdenverkehr verfügt über ein Budget von 27 Millionen Schilling, zu dem im Jahre 1965 noch außerordentliche Mittel des Bundesministeriums für Handel und Wie deraufbau in der Höhe von elf Millionen Schilling, 1966 erst 5,5 Millionen Schilling, dazukamen. Demgegenüber verfügte die Schweizer Fremdenverkehrszentrale im Jahre 1965 über ein Budget von 69 Millionen Schilling, 1966 sind es 73 Millionen Schilling, im Jahre 1967 soll es auf 100 Millionen erhöht werden. Dies sind ungleich höhere Werbemittel! Es vergrößert sich aber der Abstand durch andere zusätzliche Werbemittel. Denn auch eine Swissair verfügt über ungleich höhere Werbemittel als die AUA, beide aber werben naturgemäß in sehr starkem Maße für ihren heimischen Fremdenverkehr.

Angesichts dieser Situation ist es notwendig, mit den vorhandenen Mitteln den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. Unter den Herkunftsländern unserer Gäste hält Deutschland mit 77 Prozent die Spitze, die Niederlande und alle anderen Länder bewegen sich zwischen zwei und vier Prozent.

Die Schweiz bezieht nur 25 Prozent der Gäste aus Deutschland, aber aus Frankreich kommen 18 Prozent. Das ergibt eine ganz andere Schichtung als in Österreich. Die Werbekosten sind höchst unterschiedlich. Es wurde errechnet, daß in Deutschland die Werbung pro Auslandstourist S 0.13, in Großbritannien bereits S 1.47 und in den USA S 3.90 beträgt. Umgekehrt ergaben sich bei den Tagesausgaben der Gäste in Österreich wesentliche Unterschiede. Die Ausgaben betrugen vor drei Jahren: Bundesrepublik Deutschland S 181.—, Frankreich S 272.—, USA ungefähr S 600.—. Wo soll also der Schwerpunkt der Werbung liegen?

Stärkere Spezialisierung ist nötig, weil eine ganz andere werbliche Ansprache beim deut-

sehen Gast, beim skandinavischen und beim US-Touristen gegeben ist.

Das Generalthema „Österreich — alpiner Erholungsgarten im Zentrum Europas“, nicht Slogan, läßt thematische Werbeelemente erkennen. Der Österreichbegriff ist werbemäßig durch seine kulturelle, technische, wirtschaftliche und europapolitische Bedeutung gekennzeichnet, für das im Vorjahr die Jubiläen der Universität, der Technischen Hochschule und des Wiener Kongresses symptomatisch waren: Dieser übergeordnete Österreichbegriff wird vor allem in Übersee herauszustellen sein! Ein anderer Österreichbegriff ist in dem Wort „alpiner Erholungsgarten“ vorherrschend. Wir haben den alpinen Charakter gegenüber den Flachländern, aber das Wort „Erholungsgarten“ zeigt an, daß hier die Lieblichkeit dominiert, nicht der rauhe Gebirgscharakter der Hochalpen. Die Lieblichkeit unserer Alpenlandschaft ist das hervorstechendste Werbemerkmal in der bereits skizzierten, Kultur und Mensch umfassenden Form.

Wir sind „wieder“ Zentrum Europas zwischen Ost und West, seit es wieder freie Reisen in die Ostblockstaaten gibt! Wir sind aus der exzentrischen Lage wieder in den Mittelpunkt Europas gerückt!

Im Sinne einer kostensparenden Koordination ist die werbemäßig engste Verbindung mit dem Verkehrssektor, den ÖBB, der Post, den Seilbahnen und der Fluggesellschaft, gegeben. Werbebündnisse sollen es aber ermöglichen, Werbeinteressen des Fremdenverkehrs mit der Exportwirtschaft und dem Verkehr zu verbinden.

So dürfen in dieser Zeit dem österreichischen Fremdenverkehr wohl berechtigte Chancen für eine positive Weiterentwicklung im internationalen Feld zugebilligt werden, allerdings unter der Voraussetzung, daß dieser Fremdenverkehr sein österreichisches Gesicht zu wahren versteht, es versteht, seinen aus der Vergangenheit ererbten Bestand an Kulturgütern und Landschaftsschönheiten als sein wesentliches Fremdenverkehrskapital zu pflegen und zu erhalten und daß — last, not least — die positiven Zukunftsaussichten nicht durch das Gebrechen einer unzureichenden Finanzierung vereitelt werden.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau