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Wiederholt sich die Geschichte?

FOKUS
Eiserne Kuppel - Eiserner Dom, „Iron Dome“ nennt Israel sein international beachtetes Luftabwehrsystem. Das Foto zeigt den Abschuss einer Abwehrrakete im August dieses Jahres, als die Situation im Gazastreifen (wieder einmal) eskalierte und palästinensische Raketen auf israelische Gebiete abgefeuert wurden.<br />
  - © APA / AFP / Jack Guez

Raketenabwehr: (K)ein Schutz gegen den Hammerschlag

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Mit dem russischen Raketensturm auf die Ukraine gewinnt der Ausbau der Luftabwehr europaweit an Bedeutung. Was leisten diese Systeme? Und wie sehr schützen sie vor einem Armageddon?

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Mit dem russischen Raketensturm auf die Ukraine gewinnt der Ausbau der Luftabwehr europaweit an Bedeutung. Was leisten diese Systeme? Und wie sehr schützen sie vor einem Armageddon?

Die Ukraine als Amboss, auf den die russische Rakete wie ein Hammer schlägt – mit diesem Bild beschreibt der in Charkiw ausharrende ukrainische Schriftsteller Sergei Gerasimow die russischen Raketenangriffe auf sein Land, auf seine Stadt: „Ich glaube, ‚hämmern‘ ist das passende Wort“, schreibt er in seinem Kriegstagebuch für die NZZ, „denn wenn eine Rakete in ein Gebäude einschlägt, das nicht sehr weit entfernt ist, vor allem nachts, klingt es, als ob ein riesiger Hammer auf die Stadt niederfällt und die schlafenden Straßen zum Erbeben bringt.“

84 Raketen und Marschflugkörper sowie zwei Dutzend Kampfdrohnen drangen allein am Montag dieser Woche in den ukrainischen Luftraum ein. 41 dieser Riesenhämmer schlugen auf das Land und seine Menschen ein, meldete das Verteidigungsministerium in Kiew, 43 Raketen konnten vor der Erreichung ihrer Ziele abgeschossen werden.

Russlands Raketenarsenal leert sich

Angesichts dieser Verlustquote von mehr als 50 Prozent für den Kriegsherrn, könnte sich die von Putin demonstrierte Stärke, mit Raketenangriffen Ziele in der gesamten Ukraine in Schutt und Asche zu „hämmern“, schneller in Schwäche umwandeln, als ihm lieb ist. Denn selbst Russlands Raketenarsenal ist nicht unerschöpflich. Laut ukrainischer Zählung ließ der Kreml seit Kriegsbeginn über 3800 Raketen und Marschflugkörper auf die Ukraine abfeuern. Bei einer geschätzten jährlichen Produktionskapazität von bis zu 300 Stück könnte Russland bereits mehr als die Hälfte seines Lagers verschossen haben; bei den Modellen mit der höchsten Treffergenauigkeit sollen es sogar 80 Prozent sein.

Der Mangel an Hochtechnologiebauteilen aufgrund der Wirtschaftssanktionen und die Stückkosten zwischen 6,5 und 13 Millionen Dollar verhindern zudem, dass Russland sein Raketenarsenal innert kurzer Zeit neu bestückt. Der Verlust jeder abgefangenen Rakete wiegt für den Angreifer damit doppelt schwer. Insofern wundert es nicht, dass US-Präsident Joe Biden und sein französisches Vis-à-vis Emmanuel Macron bei ihren Solidaritätsadressen nach dem Raketensturm mehr Unterstützung durch Luftabwehrsysteme ankündigten; auch bei den regelmäßigen Aufrufen des ukrainischen Präsidenten zu mehr Waffenlieferungen hat mittlerweile die Flugabwehr höchste Priorität.

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