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Immer wieder: Die Waffen nieder!

FOKUS
Martha Hennessy und ihre Großmutter selig - Selige Großmutter – Martha Hennessy ist die Enkelin der christlichen Sozialistin, Pazifistin, Frauenrechtlerin und Journalistin Dorothy Day. Seit 2000 läuft deren Seligsprechungsverfahren. - © Cristina Yurena Zerr

Martha Hennessy: Mit der Bergpredigt gegen den Atomkrieg

1945 1960 1980 2000 2020

Aus christlicher Überzeugung brach die US-Friedensaktivistin Martha Hennessy in die größte U-Boot-Basis der Welt ein – und wurde wegen dieses Protests gegen Atomwaffen zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

1945 1960 1980 2000 2020

Aus christlicher Überzeugung brach die US-Friedensaktivistin Martha Hennessy in die größte U-Boot-Basis der Welt ein – und wurde wegen dieses Protests gegen Atomwaffen zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.

Ihre Verteidigungsrede ist ein religiöses Bekenntnis: „Ich habe lange und intensiv darüber nachgedacht und gebetet, wie ich Ihnen die Bedeutung meines gewaltlosen, sakramentalen Vorgehens gegen Atomwaffen auf dem Marinestützpunkt Kings Bay vermitteln kann“, sagt Martha Hennessy: „Ich stehe hier als Ergebnis meiner religiösen Überzeugung, die mich zum Protest gegen Atomwaffen aufruft.“ Die 65-jährige Friedensaktivistin sitzt neben dem Mitangeklagten Carmen Trotta (58), ihrem Anwalt und zwei Zeugen vor einem abgenutzten Schreibtisch, schaut auf den Bildschirm des Laptops vor ihr, hält einen Moment inne und fährt dann mit ihrer Verteidigungsrede fort: „Ich habe keine kriminelle Absicht; ich möchte dazu beitragen, eine weitere atomare Massenvernichtung zu verhindern. Die Weltuntergangsuhr des Bulletin of the Atomic Scientists steht auf 100 Sekunden vor Mitternacht. Ich sehe die Gesichter meiner Enkelkinder in dieser Uhr. […] Unser Manifest ist die Bergpredigt, was bedeutet, dass wir versuchen werden, Friedensstifter zu sein.“ Nach ein paar Sekunden Stille tönt die Stimme der Richterin aus dem Laptop. Sie bedankt sich für die Rede und verkündet das Urteil für Martha: zehn Monate Gefängnis, drei Jahre Bewährung unter Aufsicht und eine Geldstrafe von 33.000 US-Dollar.

Martha war mit weiteren sechs Katholikinnen und Katholiken am 4. April 2018, zum Gedenken an den 50. Todestag von Martin Luther King, in die größte U-Boot-Basis der Welt, die Kings Bay Naval Submarine Base im US-Bundesstaat Georgia, eingebrochen. Ihre Gruppe nannten sie „Kings Bay Plowshares 7“, da Martha und ihre Mitstreiter(innen) der christlich inspirierten Pflugschar- und Friedensbewegung angehören. Diese „Pflugscharbewegung“ bezieht Namen und Inspiration aus dem biblischen Buch des Propheten Jesaja (2,4): „Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.“ Auf diese Friedensbewegung gehen über hundert Aktionen zivilen Ungehorsams zurück, bei denen symbolisch oder tatsächlich Kriegsmaterial zerstört wurde.

3600 Mal Hiroshima

Diese Tradition fortsetzend, drang die „Kings Bay Plowshares 7“-Gruppe nächtens bis zu den Bunkern des Atomwaffenarsenals vor. Sie hängten Protestbanner auf und bespritzten den Eingang mit eigenem Blut als Zeichen des Protests gegen die dort gelagerten Atombomben, die zusammen die 3600-fache Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe besitzen. Nach dem Einbruch wurden sie in der Militärbasis verhaftet und im Oktober 2019 in allen Anklagepunkten – Verschwörung, Verwüstung von Staatseigentum und Hausfriedensbruch – schuldig gesprochen.

Eigentlich hätte die Urteilsverkündung im Frühjahr 2020 stattfinden sollen, doch aufgrund der Covid-19-Pandemie verzögerte sich die Verhandlung. Da Georgia besonders stark von der Pandemie betroffen ist, entschlossen sich die Angeklagten, auf ihr Recht zu verzichten, persönlich vor Gericht zu erscheinen und beendeten den Prozess per Videobotschaft. Zehn Monate Haft für Martha liegen weit unter der erwarteten Strafe, wobei sie die geringste Strafe der sieben Angeklagten erhielt. Der Priester Steve Kelly, der seit der Aktion in Haft sitzt, wurde mit 33 Monaten Gefängnis bestraft, da er jegliche Kooperation mit dem Gericht ablehnte.

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