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Drei kleine Affen - in Elfenbein...

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Vier Jahre nach seiner Verhaftung, drei Jahre nach seiner Verurteilung zur Zwangseinweisung in eine psychiatrische Sonderanstalt, wurde der Mathematiker Loenid Pljuschtsch in die Freiheit entlassen: Er durfte aus der Sowjetunion mit Frau und Kindern nach dem Westen ausreisen. Das „Dossier“ seines Falles und des Kampfes um seine Freilassung ist jedoch keineswegs eine Darstellung von nur historischem Wert; es ist keineswegs ein „Rückblick“. Denn in der UdSSR gibt es immer noch Menschen, die interniert werden, weil sie es wagen, eine eigene Meinung zu haben. Die gegen Pljuschtsch angewandten Methoden werden auch weiter eingesetzt. Zu ihren Opfern zählen Bokowski, Glus-man, Igrunow, Kowalew, sowie etwa die 60 anderen politischen Gefangenen allein des Sonderkrankenhauses von Dnjepropet-rowsk, die es aus den Händen ihrer Kerkermeister zu befreien gilt. Im Verlag Molden erschien soeben eine Darstellung samt den wichtigsten Dokumenten zum Fall Pljuschtsch, der vor einem halben Jahr über Wien in den Westen ausreisen durfte — eine Dokumentation des Grauens, aus der wir hier Auszüge wiedergeben.

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Vier Jahre nach seiner Verhaftung, drei Jahre nach seiner Verurteilung zur Zwangseinweisung in eine psychiatrische Sonderanstalt, wurde der Mathematiker Loenid Pljuschtsch in die Freiheit entlassen: Er durfte aus der Sowjetunion mit Frau und Kindern nach dem Westen ausreisen. Das „Dossier“ seines Falles und des Kampfes um seine Freilassung ist jedoch keineswegs eine Darstellung von nur historischem Wert; es ist keineswegs ein „Rückblick“. Denn in der UdSSR gibt es immer noch Menschen, die interniert werden, weil sie es wagen, eine eigene Meinung zu haben. Die gegen Pljuschtsch angewandten Methoden werden auch weiter eingesetzt. Zu ihren Opfern zählen Bokowski, Glus-man, Igrunow, Kowalew, sowie etwa die 60 anderen politischen Gefangenen allein des Sonderkrankenhauses von Dnjepropet-rowsk, die es aus den Händen ihrer Kerkermeister zu befreien gilt. Im Verlag Molden erschien soeben eine Darstellung samt den wichtigsten Dokumenten zum Fall Pljuschtsch, der vor einem halben Jahr über Wien in den Westen ausreisen durfte — eine Dokumentation des Grauens, aus der wir hier Auszüge wiedergeben.

Am 26. November 1973 fand in Moskau der Prozeß gegen den Mathematiker Juri Schikanowitsch statt, des Mitübersetzers der Mengenlehre von Nicolas Bourbaki1. Schikanowitsch wurde „in absentia“ für unzurechnungsfähig erklärt und zur unbefristeten Internierung in einer psychiatrischen Anstalt verurteilt. Er wurde verfolgt, weil er, wie es die sowjetische Botschaft in Paris ausdrückte, „antisowjetische Literatur verbreitet hatte“.

Im Verlauf des Dezember 1973 setzten 500 Mathematiker ihre Unterschriften unter einen Aufruf, der die Freilassung von Schikanowitsch forderte. Der amerikanische Mathematiker Lipman Bers schlug damals die Bildung eines „Internationalen Mathematiker-Komitees für die Verteidigung von Schikanowitsch und Pljuschtsch“ vor; dieses Komitee konstituierte sich sehr schnell im Verlauf des Januar 19742. Aufrufe, die die Freilassung der beiden Mathematiker forderten, wurden an Universitäten in der ganzen Welt von Gelehrten und Studenten unterzeichnet, Delegationen hervorragender Mathematiker intervenierten bei den sowjetischen Botschaften. Am 26. März 1974 trat eine Kommission von Psychiatern zu einer Sondersitzung zusammen und erklärte eine weitere Internierung von Schikanowitsch in einem psychiatrischen Krankenhaus für unnötig. Die Aktion ging weiter. Obwohl das Gericht, das sich auf die Diagnose von „Sachverständigen“ stützte, ihn als „unzurechnungsfähig und ausgesprochenen Psychopathen der schizoiden Kategorie“ bezeichnet hatte, wurde Schikanowitsch am 5. Juli — offenbar „geheilt“ — freigelassen, und zwar nach sieben Monaten Internierung, in denen er niemals irgend-

einer Behandlung unterzogen worden war.

Aber Leonid Pljuschtsch, der seit Juli 1973 „behandelt“ wurde, blieb eingesperrt im psychiatrischen Sonderkrankenhaus in Dnepropetrowsk: Die Affäre Pljuschtsch mußte erst nachdrücklich vor die Weltöffentlichkeit gebracht, werden.

Leonid Pljuschtsch wurde 1939 geboren. In seiner Jugend erkrankte er an Knochentuberkulose: die Heilung brauchte fünf Jahre, doch blieb er Teilinvalide. Während seines Mathematikstudiums in Odessa interessierte er sich schon leidenschaftlich für philosophische Fragen. Alle, die ihn kennenlernten, waren von der Schärfe seines Verstandes, seiner Bildung und der breiten Fächerung seiner Interessen beeindruckt; in seiner Bibliothek standen die Werke Lenins neben denen Tolstojs, Marx neben Freud, Ibsen und Dostojewski. Seine Freunde wußten, daß er nicht nur geistig völlig gesund war, sondern sogar eine ausgeglichene Mentalität besaß. Pljuschtsch — und das ist nicht unwichtig für das Verständnis seines Schicksals — hat sich immer als Marxist verstanden; seine Schriften bestätigen das, sowie alle Erklärungen, die aus der Sowjetunion über ihn zu uns kommen. Und als marxistischer Intellektueller, der „den Unterschied zwischen der Theorie des Sozialismus und dem sowjetischen Staat wie eine persönliche Ungerechtigkeit empfunden hat“, kämpfte Pljuschtsch für die Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR. Sein „Brief an die Konsomolskaja Prawda“ ist seine erste öffentliche Erklärung. Was für ein Dokument! Es ist ein Beweis für die Ideen, den Mut und die Entschlossenheit des Mannes.

Wegen dieses Briefes verlor

Pljuschtsch im Jahre 1968 seinen Posten als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Kybernetik an der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, den er seit 1962 innehatte. Er war zu diesem Zeitpunkt 29 Jahre alt und hatte drei Arbeiten in seinem Fach, mathematische Modelle der biologischen Systeme, veröffentlicht: „Mathematisches Modell der Regulierung des

Zuckerspiegels mit Hilfe von Analogrechnern“ (Seminar für Mathematik und Biologie, Kiew 1965); „Uber die Organisation neuronischer Strukturen“ (Wissenschaftliches und technisches Symposium des Tages des Rundfunks 1966); „Die Funktion der Nähe und die Kriterien der Selbstorganisation“ (Biologische Konferenz — Modelle von Biosystemen, Kiew 1967).

Am 20. Mai 1969 erschien der „Appell an die Menschenrechtskommission in der UNO“, die Grundsatzerklärung des „Initiativausschusses für die Verteidigung der Menschenrechte“ zu dessen Gründungsmitgliedern Pljuschtsch zählte. Diese Gruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, öffentlich und in voller Legalität zu arbeiten, war seit langem die erste ihrer Art in der Sowjetunion. Im entfernten Kiew ihr einziges Mitglied zu sein, erforderte eine große Portion Mut.

Pljuschtsch wurde wieder .entlassen und fand von da an keine Arbeit mehr; dafür häuften sich die Verhöre und Untersuchungen. Er unterschrieb aber auch weiter Appelle zur Verteidigung der demokratischen Freiheiten. Am 21. August 1969, dem ersten Jahrestag der Invasion der Tschechoslowakei, ließen 16 sowjetische Bürger den Auslandskorres-

pondenten in Moskau eine Erklärung zukommen. Darin hieß es:

„Die ganze Welt hat voller Hoffnung die politische Entwicklung in der Tschechoslowakei nach dem. Januar verfolgt. Es hatte den Anschein, daß die Idee des Sozialismus, die in der Stalin-Epoche entehrt worden war, rehabilitiert werden würde. Die Panzer des Warschauer Paktes haben diese Hoffnung zer-

stört. Aus Anlaß dieses traurigen Jahrestages erklären wir, daß wir mit einer Entscheidung, die die Zukunft des Sozialismus gefährdet, nicht einverstanden sind.“

Zu den Unterzeichnern gehörte auch Leonid Pljuschtsch. Am 15. Januar 1972 wurde er unter der Beschuldigung, „antisowjetische Propaganda und Agitation“ betrieben zu haben, verhaftet. Pljuschtsch verbrachte ein Jahr in Einzelhaft, ohne jede Verbindung mit der Außenwelt; seinem Verteidiger wurde bis zum Prozeßbeginn im Januar 1973 nur ein einziges Mal erlaubt, ihn zu sehen. Pljuschtsch wurde „in absentia“ verurteilt; das Gericht tagte nicht nur, ohne den Angeklagten anzuhören oder auch nur anwesend sein zu lassen, es gestattete nicht einmal die Zuziehung des Verteidigers, geschweige denn, daß es eine „öffentliche Verhandlung“ — Basis jeder demokratischen Rechtsführung — gegeben hätte. Auf Grund von während der Untersuchung eingeholten Sachverständigengutachten erklärte das Gericht von Kiew Pljuschtsch als für seine Taten nicht verantwortlich: nach Ansicht der Richter und der Experten war Pljuschtsch schizophren, zeigte „Symptome paranoischer Störungen, reformatorischer Idealvorstellungen

eines primitiven Messianismus von Ideen, die in das Gebiet der Psychologie gehören“.

Im Juli 1973 wurde Leonid Pljuschtsch in das psychiatrische Gefängnis-Krankenhaus von Dnejpr-opetrowsk gebracht. Dieses von Oberstleutnant Pruss geleitete Spital unterstand, wie alle „Sonderkrankenanstalten“, dem Gesundheitsdienst des Innenministeriums (MVD). Pljuschtsch wurde einer intensiven „Pharmakotherapie“ — einer Behandlung mit Haloperidol, Insulin, Triftazin — unterworfen, die ihn brechen sollte und sein Leben gefährdete. Eine der Folgen dieser Behandlung war Wassersucht, die ihn aufgedunsen machte. Bei manchen ihrer Besuche fand ihn seine Frau total erschöpft vor: er erkannte sie kaum, auf Fragen antwortete er nicht. Nur mit Mühe konnte er sich fortbewegen.

Auch Pljuschtsch' Frau, Tatjana, blieb nicht von Verfolgungen verschont. Pressionen und Drohungen, die alle zum Ziel hatten, sie davon abzubringen, sich für ihren Mann einzusetzen, wurden ihr tägliches Los. Im Krankenhaus drohte man ihr, ihren Mann mit noch massiveren Methoden zu behandeln, wenn sie nicht aufhöre, mit Leuten im Ausland zu korrespondieren; man verfolgte und verhörte sie auf den Straßen.

Einmal versuchte man, einen Mann in ihr Hotelzimmer zu schmuggeln; der Wagen, in dem sie fuhr, wurde angehalten und man brachte sie mit Gewalt zurück nach Kiew... Ständig drohte man ihr, ihr das Sorgerecht für ihre beiden Söhne zu entziehen: der entsprechende Gesetzesartikel läßt elastische Interpretationen zu: es genügt zum Beispiel die Behauptung, die Kinder würden in „antisowjetischer Weise“ erzogen. Und so ging es weiter, ohne Atempause.

Der Zynismus der Behörden Frau Pljuschtsch' gegenüber war grenzenlos. Sie fragte nach dem Namen eines der behandelnden Ärzte: man antwortete ihr, das gehe sie nichts an.

Sie lief von Pontius zu Pilatus, um ein Ausreisevisum für sich, die Kinder und hren Mann zu erhalten: man antwortete ihr, dazu sei es nötig, daß letzterer als Geheilter das Krankenhaus verlassen und in der Lage sein müsse, die notwendigen Papiere zu unterzeichnen.

Sie verlangte Erklärungen für die Erhöhung der Dosierung der Medikamente, man antwortete: „Sie sagen ja selbst, daß es ihm schlechter geht. Also muß er behandelt werden.“

Eines Tages gelang es ihr, in Begleitung ihres Freundes Juri Orlow, von dem berühmten Psychiater A. W. Snejnewsky empfangen zu werden; im Verlauf des Gespräches stellte ihr dieser die erstaunliche Frage: „Wäre es für Pljuschtsch vielleicht besser, zu sieben Jahren strenger Haft verurteilt worden zu sein?“ Es muß hier auf den großen Mut von Tanja Pljuschtsch und ihrer Freunde hingewiesen werden.

Zur gleichen Zeit setzte man Pljuschtsch unter Druck, indem man ihm bedeutete, er könne die Sicherheit und Ruhe seiner Familie damit gewährleisten, daß er widerrufe und sich von seinen früheren Aktivitäten distanziere. Schon immer war es Ziel aller Foltermeister, ihre Opfer moralisch und physisch zu brechen. Tausendfach wurde Pljuschtsch, seiner Frau und seinen Freunden das Angebot gemacht: wenn er nachgäbe, wenn er eingestehe, unzurechnungsfähig gewesen zu sein, als er seine Texte schrieb oder die Gespräche führte, die ihm vorgehalten wurden, könne er sein Los verbessern. „Man muß der Standhaftigkeit Pljuschtschs, der ganz bewußt jeden taktischen Kompromiß ablehnt, höchste Anerkennung zollen“, schreiben Bukowski und Glusman.

Im März 1975 ging es Pljuschtsch außerordentlich schlecht; in höchster Besorgnis schlug ihm Tanja vorsichtig vor, vielleicht doch einige Zeilen zu schreiben, wonach seine Artikel „eine Abweichung von der Norm“ gewesen seien. Mit großer Mühe

löste ' sich Pljuschtsch aus seiner Apathie und sagte stockend: „Ich will für sie nichts schreiben.“

Vom Frühjahr 1974 an gewann die internationale Kampagne für Pljuschtsch an Bedeutung. Im August 1974 fand in Vancouver der Internationale Mathematiker-Kongreß statt, auf dem die Appelle des Komitees beachtliches Echo hervorriefen. An der Universität von British-Columbia wurde vor mehr als 200 Mathematikern und in Anwesenheit der Presse ein Appell Sacharows an den Kongreß verlesen, Pljuschtsch zu retten.

Mehr als eintausend Teilnehmer des Kongresses unterschrieben einen Aufruf, in dem der sowjetische Ministerpräsident Kossygin aufgefordert wurde, den Fall Pljuschtsch wohlwollend zu prüfen. Ein diesbezügliches Telegramm an Kossygin blifb ohne Antwort.

In den Jahren 1974/1975 bemühte sich das Komitee, erfolgreich, den Fall Pljuschtsch auch außerhalb der Mathematikerkreise bekanntzumachen: durch Artikel in den Zeitungen, Vorsprachen bei Juristen und Psychiatern... Dann konzentrierte es sich auf die Vorbereitung des „Internationalen Tages Leonid Pljuschtsch'“, festgesetzt auf den

23. April 1975. Es war die erste gezielte Aktion unseres Komitees, die den Rahmen der Mathematikergemeinschaft überschritt: der „Internationale Tag“ wurde gemeinsam mit Amnesty International organisiert. Am 23. April veranstalteten wir im Institut Henri Poincare in Paris zu-

sammen mit Vertretern von Amnesty International und Jean-Jacques de Feiice eine Pressekonferenz; Psychologen, Wissenschaftler, Literaten stellten sich auf unsere Seite. Bereits an diesem 23. April trafen zahllose Telegramme von Amnesty-Gruppen, Mathematikerorganisatio-

nen und auch von Sektionen der Lehrergewerkschaften bei den Sowjetbotschaftern in mehreren Ländern ein. Die Affäre Pljuschtsch nahm ihren Lauf. Auf Grund dieses „Internationalen Tages“ sprach sich Lucio Lombardo Radice, Mathematiker und Mitglied des ZK der Italienischen KP, in der Zeitung „Paese Sera“ öffentlich für die Freilassung von Pljuschtsch aus. Im Juni forderte der Kongreß des SNESup einhellig seine unverzügliche Enthaftung.

Nun wurden die Psychiater, vor allem in Frankreich und in Großbritannien, aktiv. Sir Martin Roth, Präsident des Royal College of Psychiatrists, schickte folgendes Telegramm an Professor Snejnewski: „Im Auftrag des Royal College of Psychiatrists protestiere ich auf das schärfste gegen den Freiheitsentzug Glusmann, Bukowski und Pljuschtsch, der eine Perversion psychiatrischer Praxis und eine Verhöhnung der Justiz ist. Ihre Weigerung, etwas zu unternehmen oder zu antworten, ist ein Schandfleck für unseren Beruf.“

Das Akademiemitglied Snjenewski antwortete dem Royal College of Psychiatrists nicht. Nach den Mathematikern also die Psychiater... Konnten es sich die sowjetischen Behörden tatsächlich leisten, sich Schritt für Schritt von den Wissenschaftlern der ganzen Welt zu isolieren?

Pljuschtsch ist Mathematiker und Marxist. Ist sein Fall nun dramatischer als jener der vielen Bauern, die von A. Amalrik in seiner Unfreiwilligen Reise nach Sibirien beschrieben werden, als jener der nationalen Minderheiten, der Eingekerkerten oder internierten Arbeiter und Studenten? Wichtig ist, daß Pljuschtsch in diesem Kampf all die verfolgten Gruppen repräsentiert. Daß er auf diese Weise zum Symbol werden konnte, ist wahrscheinlich zu einem guten Teil darauf zurückzuführen, daß er „Mathematiker und Marxist“ ist. Weil die Mathematik eine universelle Sprache ist und weil die Mathematiker ihn verteidigt haben; weil es sehr schwierig ist, ihn als einen späten Schüler der Reaktion aus der Zarenzeit zu bezeichnen, und weil viele der jungen Aktivisten der Linken ihre Hoffnungen in seiner Überzeugung und in seinem Kampf wiedererkennen. Schließlich, weil seine besondere Lage doch die Hoffnung zuließ, daß der Kampf erfolgreich sein werde.

Der Fall Pljuschtsch hat bereits dazu geführt, eine ganze Reihe von Tabus in sich zusammenfallen zu lassen: viele, die früher zögerten, haben sich nun öffentlich und entschieden im Kampf für die Freiheit in der UdSSR engagiert. Darauf können Pljuschtsch und seine Freunde stolz sein. Andere Tabus müssen noch fallen. Um Pljuschtsch freizubekommen, konnte die volle Einheit aller, die die demokratischen Freiheiten vertreten und sich für ihre Verwirklichung einsetzen, noch nicht ganz verwirklicht werden. Die ersten Schritte in dieser Richtung haben jedoch bereits dazu geführt, ihn zu retten. Wer kann noch zweifeln, daß die Verwirklichung dieser Einheit Dutzende anderer Internierter retten würde?

Was die Sowjetunion betrifft, so wird sie eines Tages das akzeptieren müssen, was sogar einige faschistische Länder gezwungen waren, zu akzeptieren, nämlich, daß unparteiische Beobachter und Untersuchungskommissionen sich an Ort und Stelle begeben, an Prozessen teilnehmen und die Haftbedingungen , der Gefangenen kontrollieren können. Man soll uns nicht mehr das Argument der „Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates“ entgegenhalten. Wir akzeptieren es nicht mehr, niemand darf es in Zukunft noch akzeptieren. Es gibt nur eine Freiheit, Sie ist unteilbar und muß universell sein.

1 Bourbaki: Pseudonym einer Gruppe fortschrittlicher Mathematiker in Belgien und Frankreich (seit 1968).

2 Das Komitee ist heute in 15 Ländern vertreten: Australien, Brasilien, BRD, Frankreich, Großbritannien, Indien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Österreich, Schweden, Schweiz, USA.

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