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Feuilleton

Lametta vom Olymp

1945 1960 1980 2000 2020

Botho Strauß wettert gegen Gentechnik und Informationsgesellschaft, rät zur Umkehr und empfiehlt als Heilmittel den Mythos.

1945 1960 1980 2000 2020

Botho Strauß wettert gegen Gentechnik und Informationsgesellschaft, rät zur Umkehr und empfiehlt als Heilmittel den Mythos.

Wenn Botho Strauß den Mund aufmacht, erbebt das deutsche Feuilleton. Zum Jahresende war es wieder einmal so weit. Es blitzte wieder herunter vom Olymp. Kein Bocksgesang ertönte diesmal, sondern die Frage: "Wollt ihr das totale Engineering?" In einem Essay "über den Terror der technisch-ökonomischen Intelligenz, über den Verlust von Kultur und Gedächtnis, über unsere Entfernung von Gott", der drei der großformatigen Seiten der Hamburger "Zeit" einnahm, schleuderte Zeus Blitz und Donner wider den Zeitgeist.

Ach, hätten die Blitze doch getroffen. Er hätte es verdient, der Zeitgeist, und wir hätten uns über einen publizistischen Blattschuss gefreut. Aber die Blitze erweisen sich bei näherem Zusehen wie so oft bei diesem Autor wieder einmal als Lametta und die Donnerworte von Botho Strauß lesen sich ein weiteres Mal wie Äußerungen eines dumpfen Ressentiments gegen Wissenschaft, Rationalität und Aufklärung, wie ein Rundumschlag gegen die Moderne.

Hätte er doch wenigstens scharf ins Visier genommen, worauf er zu zielen scheint. Die Hybris der Gentechnik, den Wahn eines von aller Ethik emanzipierten Machertums, die Öde totaler Kommunikation ohne Inhalte, offenbar das ganze technische Zeitalter, so viel wird deutlich. Botho Strauß zürnt, doch wogegen, erfahren wir immer nur ungefähr, denn seine Methode ist nicht das Sagen, sondern das geheimnisvolle Raunen.

Das Ganze kehrt?

Immerhin gibt es auch deutliche Sätze: "Das Technische scheint seine Endlichkeit selbst zu ermessen, sonst würde es nicht derart überstürzt das Reservoir des Möglichen plündern und erschöpfen. Die kopernikanische Wende, als die man die endgültige Entschlüsselung des Humangenoms begrüßt, stößt auf kein Weltbild mehr, das sie umstürzen könnte."

Ist es wirklich das Technische, das sich, seine eigene Endlichkeit ermessend, mit der Plünderung beeilt - oder doch eher das sich um keine Endlichkeit scherende Ökonomische? Solche Fragen, präzise Fragen überhaupt, sind bei Botho Strauß unangebracht. Er setzt auf ein neues Zeitalter: "Unvorstellbar vielleicht. Doch es zeugt von unverantwortlichem Kleinmut, nicht davon überzeugt zu sein."

Welche Alternative bietet er uns an? Es ist dieselbe, auf die Menschen in Zeiten der Umwälzungen, Zeiten der unverständlichen Vorgänge zu allen Zeiten verfielen. Da es in einer Wissensgesellschaft "den Antityp, der auf die schädlichen Folgen des Fortschritts verweist", nicht geben kann, weil es ihn bei Botho Strauß nicht geben darf, hilft nur noch das Ganze kehrt zurück zu den Ursprüngen, hilft "einzig die Novalis-Schlegelsche Divination, das große freie und poetische Abirren im Wissentlichen selbst." Bloß: An welchem Wesen soll die Welt genesen? Die Genesung am deutschen Wesen ist ja gründlich misslungen. Vielleicht ist es gut, vor allem für Botho Strauß selbst, dass vieles dunkel bleibt, dass wir nicht erfahren, wie es, unvollständig ans Licht gelangt, in ihm dachte, als er zum Beispiel schrieb: "Offenbar trennen wir uns von nichts, weil das neue Deutschland nichts Altes verlor. Zerstört wurde es nicht in unserem eigenen Krieg, sondern in dem der Amerikaner in Vietnam. Danach gab es nichts Altes mehr.

Kunstvolle Dumpfheit Wären die rechtsradikalen Jugendbanden wirklich rechts (und nicht nur ein Spätprodukt unserer sonst so hoch geschätzten ,Anti'-Phasen-Kultur), so könnte man immerhin vermuten, dass sie von einem Grauen, einem Schwindel vor der Tiefe der ausgemerzten Vergangenheit ergriffen und zu ihren üblen Hasstaten enthemmt würden." Die Tiefe der ausgemerzten Vergangenheit. Tiefe, du altes deutsches Schlüsselwort. Botho Strauß raunt, aber er raunt nicht wie ein Mystiker, sondern wie einer, der von heldischen Zeiten träumt. Dabei lässt er unseren Assoziationen freien Lauf. Aber er deklariert sich nicht, wird niemals konkret, lässt sich nicht erwischen, er heißt ja nicht Martin Walser. Was meint er wohl, wenn er schreibt: "Ruhmgestalten von heute sind Hervorbringungen der Friedensliebe und der damit einhergehenden Unterhaltungsbedürfnisse. Mit einem härteren Schicksal, wie Mythen es vorsehen, stehen sie nicht in Verbindung, da auch weniger ihre ,Taten' ihren Ruhm begründen als vielmehr ihre Begabung, als Auserwählte der Gewöhnlichkeit zu erscheinen."

Mythen und ein härteres Schicksal bringt er in eine positive, Friedensliebe und Unterhaltungsbedürfnisse in eine abfällig getönte Begriffsverbindung. Das lässt tief blicken. Wohl tiefer, als er uns mit Absicht blicken lässt.

Botho Strauß setzt gegen das Wissen auf das Dunkle, das Unaussprechliche, den Mythos, dessen hypertropher Einsatz schon seinen späteren Stücken (nach den ungemein scharf beobachteten frühen) nicht gut bekam. Er ist ein Meister der kunstvollen Dumpfheit. Wobei sich immer wieder vernünftige Kritik am Machbarkeitswahn in die irrationale Fortschrittsfeindlichkeit mischt: "Nun interessiert unsereinen das Erschließbare am Menschen grundsätzlich weniger als das Unerschließbare. Es ist, davon bin ich überzeugt, in unverminderter Fülle vorhanden auf dieser Welt und wird auch durch die raffiniertesten Entschlüsselungstechniken nicht aus ihr vertrieben werden." Welches Glück, allen Ernstes.

Doch als Strauß'sches Weltkonzept klingt das dann so: "Man muss das Gewesene so groß wie etwas Niedagewesenes anschauen." Oder so: "Einst stand der Mensch Gott näher und war daher größer, wenn auch elender dran." Der Mensch, der Gott einst näher stand, muss stets herhalten, wenn sich der Blick angstvoll rückwärts wendet und seine Ziele in der Vergangenheit sucht.

Manchmal gelingen Botho Strauß schöne Sätze: "Im herdlosen Raum wächst nun das Fernweh nach vertrauten Verhältnissen. Wenn aber der Globus ein Dorf, dann bitte auch die Kirche darin lassen." Damit ist viel gesagt. Der Herd ist uns freilich schon lang nicht mehr vertraut, es sei denn, wir schmökerten täglich in den alten Griechen. Ein Lexikon der antiken Mythologie und ein Fremdwörterbuch sollte man sowieso dabei haben, wenn man ihn liest.

Die luzidesten Sätze des ganzen Essays lauten: "Die grenzüberschreitenden Experimente der Gentechnologie wurden nur so lange für verwerflich gehalten, bis ihnen der entscheidende Vorstoß ins Machbare gelang. Ist die Chimäre einmal an den Tag gebracht, fürchtet man sie nicht mehr." Er sind übrigens auch die konkretesten Sätze. Wie er ja überhaupt am ehesten die Einzelerscheinung trifft. Die Gentechnologie. Die Informationskultur. Bei der Einzelerscheinung einhakend und noch einigermaßen scharf fokussierend, wird er auf dem Weg ins Allgemeine immer verwaschener und raunender, nebelt sich ein.

Flair des Exklusiven Die Sprache, die er sich zugelegt hat, dient dem perfekt. Bei aller Verwandtschaft mit Peter Handke, dem anderen großen Rauner - ein Wort des frühen Peter Handke trifft auf Botho Strauß wie maßgeschneidert zu: Die Luft dröhnt von Metaphern. Botho Strauß dröhnt mit Metaphern. Wie er mit luxuriösen Begriffen um sich wirft und mit Wörtern klingelt, wie er seine Bildung und seine hohe Geistigkeit vorführt, das kann schon imponieren, fragt sich bloß wem: "Der Wissenswille hebt sich mit Urfluchdrall über den Menschen hinweg und wird als reine noetische Ekstase ohne ihn durchs Weltall irren." Das heißt zwar nichts, aber es klingt. Eine solche Sprache verhüllt nicht nur ein Denken, sie ist auch Statussymbol. Sie verleiht jedem Text von Botho Strauß, diesem Luxusprodukt des deutschen Feuilletons, das Flair des Exklusiven.

Die eigentliche Essenz aber, die Botschaft des Publicity ebenso verachtenden wie ihrer Techniken kundigen Autors, wohl getimet an der Schwelle des neuen Jahrtausends, das zu erwähnen er sich freilich vornehm hütet, ist eine radikale Absage an jede Analyse, jede Ratio, jeden Versuch, die Weltprobleme denkend zu erkennen und zu lösen. Man muss es erfühlen. Nur der Mythos kann uns retten. Welcher bloß. Die Andeutungen, die er uns zuteil werden lässt, führen uns zu den deutschen (und österreichischen) Wurzeln dieses Denkens. Im Grunde bedient Botho Strauß auf hochgestochene Weise den Wunsch, einer unbequemen, lästigen Wirklichkeit mit ihren bohrenden Fragen in höhere geistige Gefilde zu entfliehen. Also den menschlichen, allzumenschlichen Wunsch nach geistiger Bequemlichkeit.

Wenn Botho Strauß den Mund aufmacht, erbebt das deutsche Feuilleton. Zum Jahresende war es wieder einmal so weit. Es blitzte wieder herunter vom Olymp. Kein Bocksgesang ertönte diesmal, sondern die Frage: "Wollt ihr das totale Engineering?" In einem Essay "über den Terror der technisch-ökonomischen Intelligenz, über den Verlust von Kultur und Gedächtnis, über unsere Entfernung von Gott", der drei der großformatigen Seiten der Hamburger "Zeit" einnahm, schleuderte Zeus Blitz und Donner wider den Zeitgeist.

Ach, hätten die Blitze doch getroffen. Er hätte es verdient, der Zeitgeist, und wir hätten uns über einen publizistischen Blattschuss gefreut. Aber die Blitze erweisen sich bei näherem Zusehen wie so oft bei diesem Autor wieder einmal als Lametta und die Donnerworte von Botho Strauß lesen sich ein weiteres Mal wie Äußerungen eines dumpfen Ressentiments gegen Wissenschaft, Rationalität und Aufklärung, wie ein Rundumschlag gegen die Moderne.

Hätte er doch wenigstens scharf ins Visier genommen, worauf er zu zielen scheint. Die Hybris der Gentechnik, den Wahn eines von aller Ethik emanzipierten Machertums, die Öde totaler Kommunikation ohne Inhalte, offenbar das ganze technische Zeitalter, so viel wird deutlich. Botho Strauß zürnt, doch wogegen, erfahren wir immer nur ungefähr, denn seine Methode ist nicht das Sagen, sondern das geheimnisvolle Raunen.

Das Ganze kehrt?

Immerhin gibt es auch deutliche Sätze: "Das Technische scheint seine Endlichkeit selbst zu ermessen, sonst würde es nicht derart überstürzt das Reservoir des Möglichen plündern und erschöpfen. Die kopernikanische Wende, als die man die endgültige Entschlüsselung des Humangenoms begrüßt, stößt auf kein Weltbild mehr, das sie umstürzen könnte."

Ist es wirklich das Technische, das sich, seine eigene Endlichkeit ermessend, mit der Plünderung beeilt - oder doch eher das sich um keine Endlichkeit scherende Ökonomische? Solche Fragen, präzise Fragen überhaupt, sind bei Botho Strauß unangebracht. Er setzt auf ein neues Zeitalter: "Unvorstellbar vielleicht. Doch es zeugt von unverantwortlichem Kleinmut, nicht davon überzeugt zu sein."

Welche Alternative bietet er uns an? Es ist dieselbe, auf die Menschen in Zeiten der Umwälzungen, Zeiten der unverständlichen Vorgänge zu allen Zeiten verfielen. Da es in einer Wissensgesellschaft "den Antityp, der auf die schädlichen Folgen des Fortschritts verweist", nicht geben kann, weil es ihn bei Botho Strauß nicht geben darf, hilft nur noch das Ganze kehrt zurück zu den Ursprüngen, hilft "einzig die Novalis-Schlegelsche Divination, das große freie und poetische Abirren im Wissentlichen selbst." Bloß: An welchem Wesen soll die Welt genesen? Die Genesung am deutschen Wesen ist ja gründlich misslungen. Vielleicht ist es gut, vor allem für Botho Strauß selbst, dass vieles dunkel bleibt, dass wir nicht erfahren, wie es, unvollständig ans Licht gelangt, in ihm dachte, als er zum Beispiel schrieb: "Offenbar trennen wir uns von nichts, weil das neue Deutschland nichts Altes verlor. Zerstört wurde es nicht in unserem eigenen Krieg, sondern in dem der Amerikaner in Vietnam. Danach gab es nichts Altes mehr.

Kunstvolle Dumpfheit Wären die rechtsradikalen Jugendbanden wirklich rechts (und nicht nur ein Spätprodukt unserer sonst so hoch geschätzten ,Anti'-Phasen-Kultur), so könnte man immerhin vermuten, dass sie von einem Grauen, einem Schwindel vor der Tiefe der ausgemerzten Vergangenheit ergriffen und zu ihren üblen Hasstaten enthemmt würden." Die Tiefe der ausgemerzten Vergangenheit. Tiefe, du altes deutsches Schlüsselwort. Botho Strauß raunt, aber er raunt nicht wie ein Mystiker, sondern wie einer, der von heldischen Zeiten träumt. Dabei lässt er unseren Assoziationen freien Lauf. Aber er deklariert sich nicht, wird niemals konkret, lässt sich nicht erwischen, er heißt ja nicht Martin Walser. Was meint er wohl, wenn er schreibt: "Ruhmgestalten von heute sind Hervorbringungen der Friedensliebe und der damit einhergehenden Unterhaltungsbedürfnisse. Mit einem härteren Schicksal, wie Mythen es vorsehen, stehen sie nicht in Verbindung, da auch weniger ihre ,Taten' ihren Ruhm begründen als vielmehr ihre Begabung, als Auserwählte der Gewöhnlichkeit zu erscheinen."

Mythen und ein härteres Schicksal bringt er in eine positive, Friedensliebe und Unterhaltungsbedürfnisse in eine abfällig getönte Begriffsverbindung. Das lässt tief blicken. Wohl tiefer, als er uns mit Absicht blicken lässt.

Botho Strauß setzt gegen das Wissen auf das Dunkle, das Unaussprechliche, den Mythos, dessen hypertropher Einsatz schon seinen späteren Stücken (nach den ungemein scharf beobachteten frühen) nicht gut bekam. Er ist ein Meister der kunstvollen Dumpfheit. Wobei sich immer wieder vernünftige Kritik am Machbarkeitswahn in die irrationale Fortschrittsfeindlichkeit mischt: "Nun interessiert unsereinen das Erschließbare am Menschen grundsätzlich weniger als das Unerschließbare. Es ist, davon bin ich überzeugt, in unverminderter Fülle vorhanden auf dieser Welt und wird auch durch die raffiniertesten Entschlüsselungstechniken nicht aus ihr vertrieben werden." Welches Glück, allen Ernstes.

Doch als Strauß'sches Weltkonzept klingt das dann so: "Man muss das Gewesene so groß wie etwas Niedagewesenes anschauen." Oder so: "Einst stand der Mensch Gott näher und war daher größer, wenn auch elender dran." Der Mensch, der Gott einst näher stand, muss stets herhalten, wenn sich der Blick angstvoll rückwärts wendet und seine Ziele in der Vergangenheit sucht.

Manchmal gelingen Botho Strauß schöne Sätze: "Im herdlosen Raum wächst nun das Fernweh nach vertrauten Verhältnissen. Wenn aber der Globus ein Dorf, dann bitte auch die Kirche darin lassen." Damit ist viel gesagt. Der Herd ist uns freilich schon lang nicht mehr vertraut, es sei denn, wir schmökerten täglich in den alten Griechen. Ein Lexikon der antiken Mythologie und ein Fremdwörterbuch sollte man sowieso dabei haben, wenn man ihn liest.

Die luzidesten Sätze des ganzen Essays lauten: "Die grenzüberschreitenden Experimente der Gentechnologie wurden nur so lange für verwerflich gehalten, bis ihnen der entscheidende Vorstoß ins Machbare gelang. Ist die Chimäre einmal an den Tag gebracht, fürchtet man sie nicht mehr." Er sind übrigens auch die konkretesten Sätze. Wie er ja überhaupt am ehesten die Einzelerscheinung trifft. Die Gentechnologie. Die Informationskultur. Bei der Einzelerscheinung einhakend und noch einigermaßen scharf fokussierend, wird er auf dem Weg ins Allgemeine immer verwaschener und raunender, nebelt sich ein.

Flair des Exklusiven Die Sprache, die er sich zugelegt hat, dient dem perfekt. Bei aller Verwandtschaft mit Peter Handke, dem anderen großen Rauner - ein Wort des frühen Peter Handke trifft auf Botho Strauß wie maßgeschneidert zu: Die Luft dröhnt von Metaphern. Botho Strauß dröhnt mit Metaphern. Wie er mit luxuriösen Begriffen um sich wirft und mit Wörtern klingelt, wie er seine Bildung und seine hohe Geistigkeit vorführt, das kann schon imponieren, fragt sich bloß wem: "Der Wissenswille hebt sich mit Urfluchdrall über den Menschen hinweg und wird als reine noetische Ekstase ohne ihn durchs Weltall irren." Das heißt zwar nichts, aber es klingt. Eine solche Sprache verhüllt nicht nur ein Denken, sie ist auch Statussymbol. Sie verleiht jedem Text von Botho Strauß, diesem Luxusprodukt des deutschen Feuilletons, das Flair des Exklusiven.

Die eigentliche Essenz aber, die Botschaft des Publicity ebenso verachtenden wie ihrer Techniken kundigen Autors, wohl getimet an der Schwelle des neuen Jahrtausends, das zu erwähnen er sich freilich vornehm hütet, ist eine radikale Absage an jede Analyse, jede Ratio, jeden Versuch, die Weltprobleme denkend zu erkennen und zu lösen. Man muss es erfühlen. Nur der Mythos kann uns retten. Welcher bloß. Die Andeutungen, die er uns zuteil werden lässt, führen uns zu den deutschen (und österreichischen) Wurzeln dieses Denkens. Im Grunde bedient Botho Strauß auf hochgestochene Weise den Wunsch, einer unbequemen, lästigen Wirklichkeit mit ihren bohrenden Fragen in höhere geistige Gefilde zu entfliehen. Also den menschlichen, allzumenschlichen Wunsch nach geistiger Bequemlichkeit.