Frauen um 1929 - © Foto: Getty Images / Science & Society Picture Library / SSPL

Was die Männer beunruhigte

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Literaten philosophierten 1929 in einem Essayband über das veränderte Frauenbild. Teile dieses Diskurses wurden nun neu aufgelegt.

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Literaten philosophierten 1929 in einem Essayband über das veränderte Frauenbild. Teile dieses Diskurses wurden nun neu aufgelegt.

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„Die Frau von morgen wie wir sie wünschen“: Dieser Band erschien 1929 im Leipziger Verlag E. A. Seemann. Darin setzten sich die Männer von gestern mit dem veränderten Frauenbild auseinander. „Der Dichter“ unterstütze die Frau bei ihrem Bestreben, „daß ihre Stellung im Staate sich ins Recht rückt“, so der Herausgeber Friedrich Markus Huebner, denn es verhalte sich ja doch nach wie vor so, „daß im Dasein der Frau die Liebe die Mittel­achse bildet“. An dieser Überzeugung hielten auch die Beiträger des Bandes weitgehend fest, ihre Unterstützung für die Anliegen der „neuen Frau“ hatte jedoch ihre Grenzen.

In der Literatur jener Zeit war das nicht viel anders. Sie porträtiert die selbstbewusste Frau gerne als gefühlskalte, oft lesbische Dämonin, die aus Langeweile, Überspanntheit, Männerhass oder einfach Schlechtigkeit Übles wirkt, zumindest für das Zusammenleben der Geschlechter. Beim Rückgriff auf diesen Topos scheint die ideologische Position des Autors wenig Unterschied zu machen. In diesem Sinn denunziatorische Porträts starker Frauenfiguren findet man in Romanen von Hugo Bettauer, Felix Dörmann und Oskar Maurus Fontana genauso wie bei Joseph Roth oder Ernst Weiß.

Und zumindest zwiespältig waren auch die 1929 eingesammelten Essays. Es ist schwer nachvollziehbar, was die Edition Ebersbach veranlasst haben mag, Teile davon neunzig Jahre später mit dem Zeitlosigkeit suggerierenden Titel „Wie Männer sich die Frau von morgen wünschen“ wieder aufzulegen. „Nach dem Krieg war es dann mit den alten, scheinbar unerschütterlichen Herrschaftsstrukturen sehr weitgehend vorbei“, schreibt Barbara Sichtermann in ihrem Vorwort. Das trifft für juridische Neuerungen wie Wahl- und Studienrecht zu, aber gerade nicht für die zeitgenössischen Diskussionen und literarischen Verarbeitungen.

Absolut relatives Verhältnis zum Manne

„Man darf davon ausgehen, dass die gesammelten Beiträge von 1929 […] auch heute noch mit Gewinn lesbar sind“, heißt es im Vorwort etwas vage. Doch dazu bedürfte es einer stärkeren historischen Rahmung der Neuauflage – die im Übrigen nur 12 der 16 Essays von 1929 versammelt, ohne diese Auswahl zu begründen. Wer die Erstausgabe nicht zur Hand hat, erfährt nicht, dass die Beiträge von Arnolt Bronnen, Axel Eggebrecht, Heinrich Eduard Jacob und Hans Henny Jahnn weggefallen sind. Ungerecht ist hingegen der Vorwurf, es sei „vielsagend, wie wenig sich die Männer seinerzeit in die Lage der Frauen versetzen konnten“. Das war einfach nicht Thema der Fragestellung, die freilich schon für sich ein wenig entlarvend ist.

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