Gesellschaft

Lehrkraft – digital vermisst

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Zum Thema „Home-Schooling“ oder „Distance-Teaching“ gab es so manche Studien: Die eine (von Barbara Schober, Marko Lüftenegger und Christiane Spiel) förderte zutage, dass immerhin 16 Prozent der Schülerinnen und Schüler während des Lockdowns keinen eigenen Computer zur Verfügung hatten und 21 Prozent in der Familie keine Unterstützung bekamen, wenn sie diese brauchten. Eine andere (von einem Team um Susanne Schwab) zeigte, dass mehr als 60 Prozent der Lehrkräfte die Umstellung auf Heimunterricht als starke Belastung empfanden, aber ein Großteil sich zugleich mehr für die privaten Lebenslagen der Schüler zu interessieren begann. Unerforscht bleibt indes, wie die Schüler(innen) und ihre Eltern das digitale Engagement der Lehrkräfte während des Lockdowns erlebten. Man kann freilich mutmaßen, dass auch hier das typische Corona-Phänomen zum Tragen kam: Sowohl die Vorzüge als auch die Schwächen von Menschen zeigen sich in der Krise noch schärfer.

Lernplattform? Ohne mich!

Ein Beispiel für die zweite Kategorie sind jene Lehrkräfte, die mit dem Lockdown verschwanden und digital nicht oder nur marginal wiederkehrten. „Die allermeisten Kollegen haben sich unglaublich engagiert“, erklärt ein Personalvertreter an einem Wiener Gymnasium. „Aber natürlich gibt es auch einzelne, die das nicht getan haben. Und über die ärgern wir uns auch.“ Ein Kollege an seiner Schule habe sich etwa bis zuletzt geweigert, der digitalen Lernplattform der Schule beizutreten. Ein anderer, Sportlehrer, sei zwar registriert gewesen, habe aber keinerlei Kontakt zu den Schülern aufgenommen. Die Folge: eine (schul)sportlose Zeit von neun Wochen, die nun – wie für alle Schüler – bis Anfang September weitergeht. „Anfangs gab es Probleme aufgrund verschiedener Kommunikationskanäle“, meint dazu AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiss, „aber in Summe waren die Eltern mit dem Einsatz der Lehrkräfte sehr zufrieden, teils wurde sogar über zu viele Auträge geklagt.“ Zudem seien Lehrer nach wie vor auf ihre private Hardware angewiesen. Dass es hier – wie in der digitalen Weiterbildung – Initiativen braucht, hat der Lockdown gezeigt. Und noch etwas, wie der Wiener Personalvertreter meint: „Dass das persönliche Zusammensein im Unterricht durch nichts zu ersetzen ist.“