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Kreditkarten statt Parteibücher

Der Tod des großen alten. Mannes der chinesischen Politik, Deng Xiaoping, wurde bestätigt, als ganz China schlief. Dengs Biographie war längst geschrieben. Die Fernseh-Serie über sein Leben abgedreht. Deng war praktisch vor seinem Tod schon begraben.

Das macht den Übergang leichter. Die jetzige Führungsschicht sitzt schon seit 1989 im Sattel. Sie ist keine Übergangslösung. An der Macht sind erfahrene Praktiker. Sie werden China ins nächste Jahrtausend führen. In China gehen die Uhren anders als in Bußland. Die Chinesen gehen pragmatisch mit den Beformen um. Die Beformen haben längst auch eine politische Natur: Das Parlament hat Hunderte von Gesetzen erarbeitet, ein Bechts-rahmen wird zumindest aufgebaut.

Das unveränderte Machtmonopol der KP macht politische und personelle Entscheidungen leichter. Chinas Beform-KP hat Entscheidungen oft revidiert, einige Generalsekretäre wurden dabei verbraucht. Auch bei den Wirtschaftsreformen ist man behutsam Schritt für Schritt vorgegangen. Die Begie-rung hat sich ständig selber korrigiert. Was sich nicht in der Praxis bewährte, wurde fallengelassen.

Die Reformen sind auf Kurs. Die Wirtschaft verzeichnet hohe Wachstumsraten. Die Inflation ist niedrig. In den Städten wird gut verdient, die Bauern können ihre Felder in eigener Begie bestellen.

Auch deswegen herrscht weitgehend Gleichgültigkeit über das Ableben von Deng. Politiker sind auch in China keine Götter mehr. Eine Generation von Technokraten hat die Revolutionäre von einst abgelöst. Die führenden Figuren sind nicht aufregend oder richtungsweisend. Sie gehen aber ganz pragmatisch und undramatisch ihrer Arbeit nach. Sie sorgen damit nach Jahren der Turbulenzen für Ruhe. Auch China will nichts mehr von „Führern” hören.

Aus der Kommunistischen Partei ist ohnehin die Farbe raus. Die Ideologie ist niefit mehr dominierend. Kreditkarten, nicht Parteibücher zählen. Die Liberalisierung geht längst über die Wirtschaft hinaus. Die Massen, einst im Korsett kollektiver maoistischer Politik, erleben bisher in China nicht gekannte Freiheiten. All dies ist eine Folge der Dengschen Off-nungspolitik. Sehnsüchte nach der „guten alten Zeit” hat niemand mehr. Eher ist zu beobachten, daß die hochpolitische Bevölkerung apolitisch wird.

Die Verflechtung von Business und Handel bindet China überdies in die Weltgemeinschaft ein. Anders als beim Tod von Mao Tsetung vor 20 Jahren, als die Viererbande und die extreme Linke den Reformern auflauerte, muß einem heute nicht um die politische Stabilität in China bange sein.

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