Nußbaumers Welt

Wie umgehen mit Russland und China?

1945 1960 1980 2000 2020

Hugo Portisch und Christoph Leitl haben sich in neuen Büchern mit brisanten Zukunftsthemen auseinandergesetzt - jenseits von Trump und Corona.

1945 1960 1980 2000 2020

Hugo Portisch und Christoph Leitl haben sich in neuen Büchern mit brisanten Zukunftsthemen auseinandergesetzt - jenseits von Trump und Corona.

Verstört vom Psychogramm Donald Trumps und der Fragilität der amerikanischen Demokratie hätte ich zuletzt fast auf den Rest der Welt vergessen. Wären da nicht jüngst zwei weltkundige Herren in Wien beisammengesessen, um auch andere brisante Zukunftsthemen in den Blick zu nehmen. Beide hatten eben erst neue Bücher veröffentlicht. Und ohne voneinander zu wissen, hatten sich ihre Gedanken auf spannende Weise ergänzt.

Der eine, Hugo Portisch, hatte sich, 93-jährig, noch einmal ins Zeug gelegt, um unsere Blicke nach Osten zu lenken – betroffen vom Desinteresse, das wir Österreicher den globalen Ambitionen von Putins Russland widmen; diesem flächengrößten Vielvölkerstaat der Erde.

Der andere, Christoph Leitl, Unternehmer und Präsident der Europäischen Wirtschaftskammer, hatte zeitgleich einen leidenschaftlichen Appell an das satte und visionslose Europa verfasst, doch endlich auf den chinesischen „Drachen“ zu schauen. Immer noch hoffend, dieses Europa möge seinen künftigen Spitzenplatz in der Weltwirtschaft nicht ganz verschlafen.

Große Perspektiven

Beide Bücher sind ein wahres Geschenk für die klein gewordene Schar engagierter Landsleute, die sich jenseits rotweißroter Selbstzufriedenheit noch für jene großen Perspektiven interessieren, die bald Gegenwart sein werden. Denn unbestritten gilt:

– China mit seinen 1,4 Milliarden Menschen wird spätestens in drei Jahrzehnten das politisch, wirtschaftlich und militärisch stärkste Land der Erde sein – schon heute mit beispiellosen Wachstumsraten, einem explodierenden Welthandel, jetzt auch Zentrum einer riesigen asiatischen Freihandelszone – und mit einer recht einmaligen Bildungsoffensive, vor allem in den Zukunftsfächern Mathematik, Informatik und Technik.

– Und Russland mit seinen mehr als 9000 Kilometern von den Balkanstaaten bis zum Pazifik wird – so oder so und hoffentlich auch demokratischer als heute – zum alles entscheidenden Nachbarn und festen Bestandteil Europas werden. Ein Partner der EU auch im Kräftemessen mit Chinas „Reich der Mitte“. Und zudem „einer, der daran interessiert sein wird, Europas Westen nicht ganz der Willkür amerikanischer Interessen auszuliefern“ (Portisch).