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Ihr seid Kapital und Visitenkarte Christi

1945 1960 1980 2000 2020

Ermutigung für die Laien, Bestärkung der Pfarrgemeinden, Aufruf an die Jugend: Auszüge aus der Papstpredigt am 19. Juni.

1945 1960 1980 2000 2020

Ermutigung für die Laien, Bestärkung der Pfarrgemeinden, Aufruf an die Jugend: Auszüge aus der Papstpredigt am 19. Juni.

Salzburg, du Stadt auf dem Berg gebaut, du trägst in deinem Namen das Salz: Deine Bewohner mögen auch in Zukunft das Salz des Evangeliums gläubig annehmen und durch ihr Zeugnis bestätigen. Denk an das Erbe, das dir die Vergangenheit vermacht hat: das Salz der Heilsbotschaft in das umliegende Gebiet hinauszutragen ...

Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil (Ps 23, 4). Wir wissen um die Gefahren, die sich in steilen Tälern bei Dunkelheit stellen. Das geographische Bild ist ein trefflicher Spiegel der Seele. Auch unser Inneres ist tückischen Abgründen ausgesetzt. Wir kennen die Dunkelheiten von Enttäuschungen, Schicksalsschlägen und Glaubenszweifeln. Die jedoch auf Gott vertrauen, finden Schutz und Sicherheit in der Obhut des Guten Hirten: Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht (Ps 23, 4).

Auf-, nicht austreten!

Spielen diese Worte aus der Heiligen Schrift nicht auf die Aufgabe des Lehramtes an, das Christus den Hirten der Kirche anvertraut hat? Dieses Amt ist nicht menschliche Erfindung, um in der Seelsorge Herrschaft auszuüben. Christus selbst hat uns zu diesem Dienst bestellt, damit Sein göttliches Wort aus menschlichem Mund weitergetragen werde und den Menschen Stock und Stab, Halt und Orientierung sei.

Liebe Schwestern und Brüder! Im Bewußtsein meiner Sendung, die mit meinem Amt als Nachfolger des heiligen Petrus verbunden ist, bin ich zu euch nach Österreich gekommen, um euch ein Wort des Zuspruchs und der Ermutigung zu bringen. Ich danke euch für euer Kommen, in dem ich ein Zeugnis dafür sehe, daß ihr zu Christus gehören wollt. Wie im Evangelium der Hirte das Schaf auf seinen Schultern trägt, so habe ich auch euch in den vergangenen Monaten in meinem Herzen getragen. Das Herz des Hirten aus Rom schlägt für euch alle! Verlaßt die Herde des Guten Hirten nicht! Tretet nicht aus, sondern tretet auf - für die frohe Botschaft, die auch die Dunkelheiten unseres Lebens erleuchten kann: Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen. (Ps 23,1) Es ist mir ein großes Anliegen, meine Wertschätzung allen gegenüber auszudrücken, die sich unermüdlich dafür einsetzen, daß die Pfarrgemeinden lebendig sind. Die Pfarren sind ja die Kirche, die inmitten der Häuser ihrer Söhne und Töchter lebt. Es ist erfreulich, daß sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Vielzahl von Diensten entwickelt hat, denen sich unzählige Laien in hochherziger Weise widmen. Mit hohem Einsatz an Zeit nehmen sie die Mitverantwortung wahr, die ihnen aufgrund der durch Taufe und Firmung übertragenen Würde zukommt.

In der Verschiedenheit der Aufgaben das rechte Mit- und Zueinander zu finden, bereitet mitunter Schwierigkeiten. Gleichheit in der Würde bedeutet in der Herde des Guten Hirten nicht Gleichheit in den Ämtern und Tätigkeiten. So können die besonderen Aufgaben des bischöflichen und priesterlichen Hirtenamtes nicht einfach auf Laien übergehen. Andererseits haben die Hirten die spezifischen Aufgaben der Laien zu achten. Deshalb soll es auch nicht geschehen, daß Laien ihre Dienste an Priester, Diakone oder hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen. Nur wenn jeder den Platz einnimmt, der ihm gebührt, wird der gemeinsame Weg von Hirte und Herde gelingen.

Dialog in den Gremien Mir liegt sehr daran, euch, liebe Schwestern und Brüder im Laienstand, meine tiefempfundene Anerkennung auszusprechen. Euer Einsatz ist mit Geld nicht zu bezahlen. Ohne euch wären unsere Pfarrgemeinden nicht nur ärmer. Ihnen würde etwas Wesentliches fehlen. Ich bitte euch alle, euer Apostolat auch in Zukunft ernst zu nehmen, sei es als Lektoren oder Kommunionhelfer, als Mitglieder von Kirchenchören und Gebetsgruppen oder bei der Hinführung der Kinder und Jugendlichen zur Erstkommunion und Firmung. Ausdrücklich ermutige ich die Laien dazu, aufs engste mit ihren Priestern zusammenzuarbeiten.

Dabei erinnere ich an die Bedeutung der Pfarrgemeinderäte, in denen die pastoralen Probleme in gemeinsamer Beratung zu prüfen und zu lösen sind. Wagt den Dialog in euren Gremien! ...

Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde (Ps 23, 5). Auch wenn die Christen nicht gewaltsam verfolgt werden, ist es für sie nicht leicht, Zeugnis zu geben. Vielfach begegnet ihnen die Masse mit Gleichgültigkeit, einer Haltung, die nicht weniger schwer wiegt als offene Feindseligkeit. Die Priester und ihre Mitarbeiter decken den Tisch des Wortes und der Eucharistie. Dabei müssen sie die enttäuschende Erfahrung machen, daß die Zahl der Gäste, die der Einladung folgen, stetig abnimmt ...

Nur eine neue Evangelisierung wird die Vertiefung eines reinen und festen Glaubens gewährleisten, der die überkommenen Traditionen in eine befreiende Kraft verwandeln kann ...

Das alte Europa, das zu einer neuen Völkerfamilie zusammenwachsen will, scheint verkrustet. Der Kontinent schickt sich an, die Botschaft, die ihn seit den ersten Jahrhunderten der neuen Zeitrechnung erreicht hat, langsam zu vergessen. In vielen mittel- und osteuropäischen Ländern durfte mehr als fünfzig Jahre lang das Evangelium nicht mehr verkündet werden. Unter diktatorischen Machthabern ohne Gott ist das Licht in den Tabernakeln erloschen. Die Gotteshäuser sind zu Denkmälern vergangener Zeiten erstorben.

Papst zählt auf Jugend Heute dürfen wir jedoch feststellen: Diese Herrschaftssysteme sind untergegangen. Doch die alten Quellen fließen weiter in Fülle und Frische: die Heilige Schrift als Ader der Wahrheit; die Sakramente der Kirche, aus denen die Kraft der Gegenwart Christi fließt; das Gebet, bei dem die Seele Atem holen darf aus dem frischen Sauerstoff der Gnade Gottes.

Diese Quellen stehen offen für alle. Gerade ihr, liebe Jugendliche, dürft daraus schöpfen. Ihr sollt wissen: Der Papst zählt auf euch! Auch wenn ihr euch manchmal als kleine Herde fühlt, verliert den Mut nicht: Ihr seid das Kapital des Guten Hirten. - Zwölf Männer sind am Anfang in die ganze Welt hinausgezogen. Deshalb traut der Papst eurer Jugend zu, dem alten Europa wieder ein christliches Gesicht zu geben. Setzt dabei auf euer persönliches Zeugnis. Ihr seid ein Brief Christi (2 Kor 3,3), Seine Visitenkarte! Wer euch begegnet, soll wissen, daß er eine gute Adresse hat.

Der Papst in Österreich Priester, Laien, Jugend Drei Themenkreise wurden von Johannes Paul II. bei seiner Visite angesprochen: klar äußerte er sich zu Europa, verschlüsselt nur seine Aussagen zu Österreichs Kirchenkrise (vgl. die letztwöchige Furche). Bei den Gottesdiensten setzte er sich mit pastoralen Fragen - Mission (Salzburg), Berufung (St. Pölten), Nachfolge (Wien) - auseinander: mit durchaus unterschiedlich gesetzten Akzenten, wie die hier dokumentierten Auszüge aus den Predigten in Salzburg und St. Pölten zeigen. ofri

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