Digital In Arbeit

Innovation als Antwort

Neue Herausforderungen für die Wirtschaft. Die technologiepolitischen Maßnahmen des BMWA.

Der europäische Rahmen

Die Europäische Union hat sich bei der Ratstagung in Lissabon im März 2000 als strategisches Ziel für das kommende Jahrzehnt gesetzt, "die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen; zu einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen". Eine zusätzliche Herausforderung, aber auch Chance ist in diesem Zusammenhang die Entstehung der digitalen Wirtschaft und die Entwicklung zur Informationsgesellschaft.

Österreich als Teil der Europäischen Union profitiert von dieser Zielsetzung und den Maßnahmen, die auf europäischer Ebene als Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung gesetzt werden. So hat beispielsweise die Initiative "e-Europe" zur Dynamisierung des IKT-Bereiches (Informations- und Kommunikationstechnologien; Anm.) wesentlich beigetragen. Aber Europa ist nicht nur Kooperation, das gemeinsame Gestalten des Binnenmarktes und des europäischen Forschungsraumes, sondern auch Konkurrenz. Und in dieser Konkurrenz der europäischen Regionen untereinander gilt es Österreich zu positionieren, die Attraktivität des Standortes Österreich zu sichern und auszubauen und strategische Partnerschaften und Netzwerke aufzubauen.

Eine der zentralen Aufgaben zur Sicherung der mittel- und langfristigen Standortqualität ist zweifellos die Verbesserung des nationalen Innovationssystems. Auf volkswirtschaftlicher Ebene bedeutet dies die Schaffung eines grundsätzlich fortschrittsfreundlichen und innovativen Klimas, die Sicherung der notwendigen Mobilität und Flexibilität sowie die Bereitstellung der erforderlichen Forschungsinfrastruktur.

Forschung, Technologie und Innovation (FTI) ist daher auch eines der prioritären politischen Projekte der österreichischen Bundesregierung. Im Jahr 2001 wurden zwei Reformdialoge der Bundesregierung zu diesem Thema abgehalten und Weichenstellungen in der grundsätzlichen Ausrichtung der FTI-Politik vorgenommen. Der zur Beratung der Bundesregierung und Abstimmung der nationalen Forschungspolitiken eingesetzte Rat für Forschung und Technologieentwicklung (FTE) hat sich ausgezeichnet bewährt, die Reform der Universitäten wurde eingeleitet. Zur Steigerung der F&E-Quote wurden zusätzliche 500 Millionen Euro für FTE-Maßnahmen zur Verfügung gestellt, weitere 500 Millionen Euro für die Jahre 2004 bis 2007 sollen folgen.

Die Maßnahmen des BMWA

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) hat die zusätzlichen Mittel für Programme eingesetzt, die die unternehmerische Forschung und Entwicklung verstärken. Damit soll eine strukturelle Schwäche im österreichischen Innovationssystem, nämlich der im internationalen Vergleich relativ niedrige Anteil der unternehmensfinanzierten F&E, ausgeglichen werden. Als Instrumente dienen dabei insbesondere steuerliche Maßnahmen, die Ausrichtung der Förderungsprogramme auf die Bedürfnisse der Wirtschaft und die Verbesserung der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Mit dem Konjunkturbelebungsgesetz 2002 wurden die steuerlichen Begünstigungen für Forschung und Entwicklung stark ausgeweitet: Ergänzend zum Forschungsfreibetrag für volkswirtschaftlich wertvolle Erfindungen in Höhe von 25 Prozent bzw. 35 Prozent wurde ein weiterer Freibetrag für Forschungsaufwendungen gemäß OECD-Definition ("Frascati-Manual") in Höhe von zehn Prozent eingeführt. Wahlweise kann auch eine Forschungsprämie in Höhe von drei Prozent in Anspruch genommen werden, um auch F&E-Anreize für junge Unternehmen und solche ohne hohe Steuerleistungen zu bieten.

Technologietransfer

In der heutigen Informations- bzw. Wissensgesellschaft ist das Management von Wissen zu einer Schlüsselqualifikation geworden, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Wem es gelingt, die wirtschaftlich relevanten Unterschiede im Informations- und Wissensstand zu nutzen, der hat einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern. Das gilt für Wissen generell, egal ob es innerhalb oder außerhalb des Unternehmens vorhanden ist.

Um die Unternehmen beim Zugang zu externen Ressourcen und beim Aufbau von Kooperationen zu unterstützen, hat das BMWA die Wissens- und Technologietransferförderung ausgebaut. Das neue Programm zur Förderung des Technologietransfers, "protec 2002+", startet im Herbst und hat die Steigerung des innovativen Outputs und der Forschungs- und Entwicklungsleistungen kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) zum Ziel. "protec 2002+" läuft von 2002 bis 2006 und umfasst drei Programmlinien:

* "protec-TRANS" unterstützt Technologietransfer- und Va-lidierungsprojekte einzelner KMU, die zu neuen Produkten, Produktlinien oder Marktneuheiten führen und ist für Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, vor allem KMU, mit Betriebsstandort in Österreich gedacht.

* "protec-INNO" fördert Projekte von Einrichtungen des Technologietransfers und Arbeitsgemeinschaften von Unternehmen im Bereich der Entwicklung, Diffusion und Implementierung von Innovationsmanagementinstrumenten und neuer Beratungsansätze (Good Practice-Modelle).

* "protec-NETplus" forciert die Errichtung von Kooperationen und Netzwerken zur Hebung des Innovationsniveaus. Das Fördervolumen für die erste Phase (2002/03) von "protec 2002+" beträgt rund 4,7 Millionen Euro.

Schwerpunktprogramme in avancierten Technologiefeldern: IKT und Biotechnologie

Die Informations- und Kommunikationstechnologien als technologische Basis der wissensbasierten Ökonomie sind ebenso wie die Biotechnologie ein zentraler Bestandteil der Schwerpunktprogramme des BMWA in avancierten Technologiefeldern.

Im IKT-Bereich waren 2001 etwa 130.000 Personen beschäftigt, die einen Umsatz von rund 28,5 Milliarden Euro erzielten. Insgesamt nahm die Beschäftigung in diesem Sektor zwischen 1999 und 2001 stark zu, nämlich um 11.600.

Um diese Dynamik und den Wandel zur Informationsgesellschaft zu unterstützen, hat das BMWA das Programm "Innovation durch e-Business" verabschiedet, das mit einem ganzen Mix an Maßnahmen das Innovationspotential, das in der digitalen Ökonomie liegt, für den Standort Österreich besser erschließen soll.

Innovation durch e-Business: ein Aktionsprogramm des BMWA

In sechs Aktionslinien werden Maßnahmen umgesetzt. Dabei wird auf bewährte bestehende Förderungsinstrumente aufgesetzt, die für IKT-Projekte von Unternehmen und Transfereinrichtungen konzentriert und verstärkt werden.

Die Biotechnologie hat sich zu einer eigenständigen, stark anwendungsorientierten Branche entwickelt. Führende Experten aus der Biotechnologie und ihren Anwendungsbranchen rechnen mit einer weiterhin dynamischen Entwicklung der Biotechnologie. So wird beispielsweise eine Steigerung der Wertschöpfung aus der wirtschaftlichen Anwendung der Biotechnologie von 136 Milliarden US-Dollar im Jahr 1999 auf über 400 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 prognostiziert.

Vom BMWA wurde bereits im Jahr 1999 das "Impulsprogramm Biotechnologie" ins Leben gerufen. Es hat zum Ziel, die Rahmenbedingungen für diese Zukunftstechnologie in Österreich nachhaltig positiv zu verändern. Neben der Hilfestellung beim Weg in die Selbständigkeit soll durch die Schaffung eines investitions- und innovationsfreudigen Klimas dazu beigetragen werden, bestehende Niederlassungen internationaler Konzerne in Österreich zu erhalten und auszubauen sowie noch mehr Neugründungen von Biotechnologieunternehmen zu initiieren. Der Ansiedlungserfolg in der Biotechnologiebranche 2001/02 war hoch.

Verstärkung der Kooperation Wirtschaft - Wissenschaft: Kompetenzzentren, CD-Labors, Kooperative Forschungseinrichtungen

"Networks of Excellence" und Clusterbildungen, die auch KMU mit ihren spezifischen Stärken und Erfordernissen einbinden, sind notwendige Voraussetzungen für strukturelle Verbesserungen des österreichischen Innovationssystems. Da vor allem die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zusätzliche positive Effekte erwarten lässt, hat das BMWA in diesem Bereich verschiedene Programme initiiert. Die Zielsetzungen all dieser Programme sind:

* Erhöhung der Effizienz der Wissensproduktion und -distribution, Schaffung von Clustern nationaler Kompetenz und kritischer Massen mittels Durchführung längerfristiger Forschungsprogramme mit hohen Additionalitätseffekten sowohl im Wissenschaftsbereich als auch im Unternehmenssektor.

* Veränderung der Forschungskultur (mehr Kooperationsbereitschaft, Technologietransfer).

* Erhöhung der Standortattraktivität und Verbesserung der österreichischen Teilnahmechancen an internationalen Forschungsprogrammen.

* Entwicklung von Humanressourcen an der Schnittstelle von akademischer und industrieller Forschung.

Industrielle Kompetenzzentren und Kompetenznetzwerke sind Forschungs- und Transfereinrichtungen unter Führung der Wirtschaft. Sie sind darauf gerichtet, auf hohem Niveau langfristige, international konkurrenzfähige, zielgerichtete und vorwettbewerbliche F&E auf Gebieten zu betreiben, die sowohl akademisch als auch wirtschaftlich von hoher Relevanz sind. Derzeit sind 15 Projekte des BMWA im Laufen, fünf weitere in Evaluierung bzw. unmittelbar vor Vertragsabschluss.

Die für eine Dauer von jeweils sieben Jahren eingerichteten und in grundlagennahen Themenbereichen arbeitenden Christian Doppler-Labors (CD-Labors) sind strategisch zwischen universitärer Forschung und industrieller Entwicklung als Brücke für den Wissenstransfer angesiedelt. 2001 wurden 22 CD-Labors gefördert.

Die Kooperativen Forschungseinrichtungen sind unentbehrliche Partner vor allem für die kleinen und mittleren Unternehmen. Als "Labor der KMU" übernehmen sie die Funktion einer ausgelagerten F&E-Abteilung, wenn unternehmensübergreifende Fragestellungen zu behandeln sind. Gleichzeitig leisten sie als Prüfeinrichtungen wertvolle Dienste. Das BMWA unterstützt diese Kooperativen Einrichtungen seit Jahren mit spezifischen Förderungsprogrammen, um qualitativ hochwertige Dienstleistungen für die österreichischen KMU zu ermöglichen.

Die Programme der Innovationsagentur

Ein wichtiger Partner für innovative Unternehmen und Forscher ist die Innovationsagentur des BMWA, die im Zuge der Technologieoffensive eine Reihe von Programmen weiterführen kann:

* TecMa - die Patentverwertungs- und Vermarktungsagentur.

* TecNet - stellt innovativen Unternehmen sowie Kredit- und Kapitalgebern Markt- und Technologieinformationen als Basis für Innovationsentscheidungen zur Verfügung.

I2 (Ideen x Investment) ist ein Business-Angels-Netzwerk.

Internationale Aktivitäten: Gateway to East

Um die Chancen der Erweiterung der Europäischen Union optimal zu nutzen, hat das BMWA im BIT (Büro für Internationale Forschungs- und Technologiekooperation) ein eigenes spezialisiertes Sekretariat für Mittel- und Osteuropa eingerichtet, das ganz speziell die Achsenbildung und die Integration einer bilateralen Achse in gesamteuropäische Projekte forcieren soll. Zusätzlich hat das BMWA angesichts der besonderen Bedeutung dieser Thematik ein Programm mit dem Titel "Bildung von strategischen F&T-Partnerschaften mit den MOEL" (Akronym: STRAPAMO) entwickelt, bei dem erste Projekte Ende 2002 im Rahmen einer kompetitiven Ausschreibung vergeben werden. Bei dieser Pilotaktion sollen die Grundlagen für weitere, intensivierte und späterhin auch multilateral dotierte Aktivitäten systematisch erarbeitet werden, um längerfristige "Win-Win-Potenziale" zwischen Österreich und den Beitrittsländern zu realisieren.

Der Autor ist Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit der Republik Österreich.

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