Einfamlilienhäuser - © Foto: Karl Thomas / allOver / picturedesk.com

Covid-19-Pandemie: Corona weckt Landlust

1945 1960 1980 2000 2020

Die Coronakrise hat den Wunsch nach Freiraum und einem Haus im Grünen verstärkt. Der Platz, um diesen Traum zu verwirklichen, wird allerdings zur Mangelware.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Coronakrise hat den Wunsch nach Freiraum und einem Haus im Grünen verstärkt. Der Platz, um diesen Traum zu verwirklichen, wird allerdings zur Mangelware.

Das Coronavirus hat den Blick auf die eigenen vier Wände deutlich verändert: Die Stadt als Wohnraum hat nach Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen und Quarantäne-Regelungen an Attraktivität verloren, die Gegend abseits der Ballungsräume dagegen gewonnen. Das ergeben Umfragen in ganz Europa. In Österreich spiegelt sich dieser Trend unter anderem auch in den sozialen Netzwerken ab: Eine unüberschaubare Zahl an Gruppen dient als Immobilienportal. Von Bregenz bis Wien suchen Menschen leistbare Wohnräume mit Freibereichen in ruhiger Lage und mit guter Infrastruktur. Isabel Bernhardt (36) und Michael Weiß (38) gehören zu diesen Menschen. Sie haben den ersten Lockdown samt Hund in ihrer Wohnung mitten in Wiener Neustadt verbracht. Ein Haus mit Garten war schon vor der Krise ihr Wunsch, seit Ausbruch der Pandemie haben sie die Suche aber intensiviert. Gesucht wurde großräumig. Ein Garten, gute Anbindung und ein leistbarer Preis waren die Mindestanforderungen.Eine hohe Nachfrage habe bei einigen interessanten Objekten aber den Preis extrem in die Höhe schnellen lassen.

Erweiterter Speckgürtel

Genau darin liegt die Schwierigkeit: Die Nachfrage ist in weiten Teilen Österreichs höher als das Angebot. Das steigert nicht nur den Preis, sondern macht Bauland weiter zur Mangelware und fördert das Interesse großer Wohnbauträger. Das Wiener Umland ist dafür ein anschauliches Beispiel: Ein starker Infrastruktur-Ausbau in den vergangenen Jahren führte zum Bevölkerungswachstum. Das macht sich auch in Krisenzeiten bemerkbar, wie etwa die 4000-Einwohner-Gemeinde Lanzenkirchen im burgenländisch-niederösterreichischen Grenzgebiet, etwa 50 Kilometer südlich der Bundeshauptstadt, zeigt. In den letzten Jahren sind die Einwohnerzahlen hier rasant gestiegen. Der Ort zählt längst zum erweiterten Speckgürtel und ist eindeutig ein Zuzugsort. Wer hier schon einen Grund besitzt, darf sich glücklich schätzen, freies Bauland ist nämlich so gut wie aus. Der Quadratmeterpreis wird auf rund 190 Euro geschätzt – ein Preis, der vielen Ortsansässigen hoch erscheint, verglichen mit bis zu 900 Euro in Baden aber noch vergleichsweise günstig ist. Dementsprechend hoch ist das Interesse an Wohnraum und Bauland, aber, so Bürgermeister Bernhard Karnthaler (ÖVP), „es ist eben kaum noch was frei“.

Trotzdem schießen im Ort derzeit Bauten von Wohnbauträgern aus dem Boden. Die Jungen sollen in der Region gehalten oder wieder zurückgeholt werden. Die Nachfrage ist laut Karnthaler vor allem im geförderten Bereich sehr hoch. Nur 20 Kilometer südlicher, in der Gemeinde Schwarzenbach, findet man dagegen eine völlig andere Ausgangslage vor. Der Ort galt bisher als Abwanderungs- gemeinde, verkaufte nach Angaben von Bürgermeister Bernd Rehberger (SPÖ) innerhalb von zehn Jahren gerade einmal ein Grundstück.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau