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Wie geht Aufklärung?

Biene_Aufklärung - © Aaron Burden/Unsplash
Gesellschaft

"Mein Sohn fragt mich ja nie..."

1945 1960 1980 2000 2020

"Wie sage ich es meinem Kind?" Mit dieser Frage sind sowohl Eltern als auch Lehrer konfrontiert, manchmal überfordert. Eine Möglichkeit, diese Sprachlosigkeit zu überwinden, bietet das Model "LoveTalk".

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"Wie sage ich es meinem Kind?" Mit dieser Frage sind sowohl Eltern als auch Lehrer konfrontiert, manchmal überfordert. Eine Möglichkeit, diese Sprachlosigkeit zu überwinden, bietet das Model "LoveTalk".

Die sexuelle Befreiung hat - bekanntlich - im Zuge der 68iger Revolution stattgefunden. Es wurde die Enttabuisierung der Sexualität gefordert und in der Massenkommunikation durchgesetzt. War in den fünfziger Jahren der filmische Zungenkuß bereits Anlaß zur Erregung, sind nackte Menschen auf Titelblättern heute eine Selbstverständlichkeit. An jedem Zeitungsstand finden sich Informationen zum Thema Sexualität. In der anonymen öffentlichen Diskussion ist die sexuelle Revolution offensichtlich gelungen. Doch die Einführung des Sexkoffers an Österreichs Schulen erhitzte die Gemüter. Lehrer und Eltern protestierten laut. Immer wieder erzählen Lehrer, daß sie vor der Frage stehen, wie sie die Sexualität in den Unterricht einbauen sollen, ohne daß ihnen die Eltern in der Sprechstunde die Tür einrennen. Auch Eltern klagen über die Schwierigkeiten, die geeignete Form und Sprache zu finden. "Mein Sohn fragt mich ja nie über Sexualität. Wie soll ich also wissen, was er schon weiß?" Im konkreten Lebensalltag ist das Reden über Sexualität also nach wie vor eine große Herausforderung. Die Art und Weise der öffentlichen Diskussion liefert offensichtlich keine nützliche Hilfestellung zur Überwindung der persönlichen Sprachlosigkeit.

Vor allem in der Auseinandersetzung mit Kindern stoßen Erwachsene oft an ihre Grenzen. Schon sehr früh beginnen Kinder Fragen über Sexualität und Liebe zu stellen. Aber: "Wie sage ich es meinem Kind?" Mit dieser Frage sind sowohl Eltern als auch Lehrer konfrontiert, oft alleingelassen und manchmal überfordert. Eine Möglichkeit diese Sprachlosigkeit zu überwinden bietet das Model "LoveTalk" des Österreichischen Institutes für Familienforschung.

Das sexualpädagogische Modell "LoveTalk" schafft in der Schule die Möglichkeit auf dem sensiblen Gebiet der Sexualerziehung für Eltern, Schüler und Lehrer ins Gespräch zu kommen. Das Miteinander aller Beteiligten bietet die Chance, das gegenseitige Verstehen der unterschiedlichen Gruppe zu fördern. Ausgangspunkt aller Diskussionen und Veranstaltungen sind die aktuellen Bedürfnisse der Teilnehmer. Jeder kann Themen, Fragen und Anliegen einbringen, die ihn oder sie bewegen. Es werden nicht nur die Wünsche der beteiligten Gruppen, sondern auch die spezifische Situation der jeweiligen Schule berücksichtigt und die Intimsphäre jedes einzelnen gewahrt. Diese geschützte Atmosphäre entstehen zu lassen, ist die Aufgabe eines geschulten, externen Moderators. Er sorgt dafür, daß ein offenes und freies Gespräch stattfinden kann.

"Ich bin nicht alleine"

Wie entsteht aber eigentlich diese Sprachlosigkeit bei Eltern, Schülern und Lehrern im Bereich Sexualität? Oft sind Eltern verunsichert und betroffen darüber, daß ihre Kinder bis zum Beginn der Pubertät über alles mit ihnen gesprochen haben und jetzt nicht mehr zu ihnen kommen. Dies bedrückt Eltern oft sehr. So meint eine Mutter am Ende des ersten Arbeitskreistreffens im Zuge von LoveTalk, daß sie zufrieden nach Hause gehe, weil sie wisse, daß sie "nicht alleine dasteht".

Der Gruppendruck für Schüler in den Klassen und im Freundeskreis ist hoch. Meistens herrscht nur eine Pseudo-Offenheit. Viele Schüler plagen sich mit dem Gefühl, scheinbar die einzigen zu sein, die noch keine bestimmten sexuellen Erfahrungen haben. Von Erwachsenen fühlen sie sich mit ihren Fragen oft nicht ernstgenommen. So bleiben meistens nur der Freundeskreis und Jugendzeitschriften als einzige Informationsquelle. Eine Schülerin meinte dazu im Arbeitskreis: "Es ist gut, mit den Eltern und Lehrern im Arbeitskreis auf einer Ebene zu sprechen. So konnte sich eine Beziehung untereinander entwickeln."

Lehrer werden immer wieder als Experten auf allen Gebieten angesehen. Daher werden der Schule immer mehr Erziehungsaufgaben übertragen. Mit dieser hohen Anforderung fühlen sich die Lehrer jedoch oft alleingelassen, da gerade im Bereich der Sexualpädagogik ihrer Meinung nach die Ausbildung nicht ausreichend ist. Dies mag auch der Grund dafür sein, daß es kaum zu einem Austausch über Sexualerziehung unter den Lehrern kommt. Bei einem Arbeitskreistreffen meinte danach eine Lehrerin: "Durch die Arbeitskreistreffen hat sich ein Miteinander entwickelt und wir Kollegen haben schon Stunden zusätzlich miteinander diskutiert - es wirkt auch im privaten Kreis nach"

Für Schulen kostenlos

Dieses präventive Modell wurde vom Österreichischen Institut für Familienforschung entwickelt und erprobt. Es wird österreichweit allen Schultypen kostenlos angeboten. Die Entwicklung des Modells LoveTalk, die Ausbildung der Moderatoren und die Durchführung der Arbeitskreistreffen an den Schulen werden durch das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie sowie das Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten gefördert.

Nähere Informationen für ganz Österreich können bei Frau Brigitte Cizek (Österreichisches Institut für Familienforschung) unter der Telefonnummer (01) 535 14 54-20 erfragt werden.

Die Autorin ist Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit im Österreichischen Institut für Familienforschung und absolviert derzeit den Ausbildungslehrgang zur Moderatorin des Modells "LoveTalk".

Die sexuelle Befreiung hat - bekanntlich - im Zuge der 68iger Revolution stattgefunden. Es wurde die Enttabuisierung der Sexualität gefordert und in der Massenkommunikation durchgesetzt. War in den fünfziger Jahren der filmische Zungenkuß bereits Anlaß zur Erregung, sind nackte Menschen auf Titelblättern heute eine Selbstverständlichkeit. An jedem Zeitungsstand finden sich Informationen zum Thema Sexualität. In der anonymen öffentlichen Diskussion ist die sexuelle Revolution offensichtlich gelungen. Doch die Einführung des Sexkoffers an Österreichs Schulen erhitzte die Gemüter. Lehrer und Eltern protestierten laut. Immer wieder erzählen Lehrer, daß sie vor der Frage stehen, wie sie die Sexualität in den Unterricht einbauen sollen, ohne daß ihnen die Eltern in der Sprechstunde die Tür einrennen. Auch Eltern klagen über die Schwierigkeiten, die geeignete Form und Sprache zu finden. "Mein Sohn fragt mich ja nie über Sexualität. Wie soll ich also wissen, was er schon weiß?" Im konkreten Lebensalltag ist das Reden über Sexualität also nach wie vor eine große Herausforderung. Die Art und Weise der öffentlichen Diskussion liefert offensichtlich keine nützliche Hilfestellung zur Überwindung der persönlichen Sprachlosigkeit.

Vor allem in der Auseinandersetzung mit Kindern stoßen Erwachsene oft an ihre Grenzen. Schon sehr früh beginnen Kinder Fragen über Sexualität und Liebe zu stellen. Aber: "Wie sage ich es meinem Kind?" Mit dieser Frage sind sowohl Eltern als auch Lehrer konfrontiert, oft alleingelassen und manchmal überfordert. Eine Möglichkeit diese Sprachlosigkeit zu überwinden bietet das Model "LoveTalk" des Österreichischen Institutes für Familienforschung.

Das sexualpädagogische Modell "LoveTalk" schafft in der Schule die Möglichkeit auf dem sensiblen Gebiet der Sexualerziehung für Eltern, Schüler und Lehrer ins Gespräch zu kommen. Das Miteinander aller Beteiligten bietet die Chance, das gegenseitige Verstehen der unterschiedlichen Gruppe zu fördern. Ausgangspunkt aller Diskussionen und Veranstaltungen sind die aktuellen Bedürfnisse der Teilnehmer. Jeder kann Themen, Fragen und Anliegen einbringen, die ihn oder sie bewegen. Es werden nicht nur die Wünsche der beteiligten Gruppen, sondern auch die spezifische Situation der jeweiligen Schule berücksichtigt und die Intimsphäre jedes einzelnen gewahrt. Diese geschützte Atmosphäre entstehen zu lassen, ist die Aufgabe eines geschulten, externen Moderators. Er sorgt dafür, daß ein offenes und freies Gespräch stattfinden kann.

"Ich bin nicht alleine"

Wie entsteht aber eigentlich diese Sprachlosigkeit bei Eltern, Schülern und Lehrern im Bereich Sexualität? Oft sind Eltern verunsichert und betroffen darüber, daß ihre Kinder bis zum Beginn der Pubertät über alles mit ihnen gesprochen haben und jetzt nicht mehr zu ihnen kommen. Dies bedrückt Eltern oft sehr. So meint eine Mutter am Ende des ersten Arbeitskreistreffens im Zuge von LoveTalk, daß sie zufrieden nach Hause gehe, weil sie wisse, daß sie "nicht alleine dasteht".

Der Gruppendruck für Schüler in den Klassen und im Freundeskreis ist hoch. Meistens herrscht nur eine Pseudo-Offenheit. Viele Schüler plagen sich mit dem Gefühl, scheinbar die einzigen zu sein, die noch keine bestimmten sexuellen Erfahrungen haben. Von Erwachsenen fühlen sie sich mit ihren Fragen oft nicht ernstgenommen. So bleiben meistens nur der Freundeskreis und Jugendzeitschriften als einzige Informationsquelle. Eine Schülerin meinte dazu im Arbeitskreis: "Es ist gut, mit den Eltern und Lehrern im Arbeitskreis auf einer Ebene zu sprechen. So konnte sich eine Beziehung untereinander entwickeln."

Lehrer werden immer wieder als Experten auf allen Gebieten angesehen. Daher werden der Schule immer mehr Erziehungsaufgaben übertragen. Mit dieser hohen Anforderung fühlen sich die Lehrer jedoch oft alleingelassen, da gerade im Bereich der Sexualpädagogik ihrer Meinung nach die Ausbildung nicht ausreichend ist. Dies mag auch der Grund dafür sein, daß es kaum zu einem Austausch über Sexualerziehung unter den Lehrern kommt. Bei einem Arbeitskreistreffen meinte danach eine Lehrerin: "Durch die Arbeitskreistreffen hat sich ein Miteinander entwickelt und wir Kollegen haben schon Stunden zusätzlich miteinander diskutiert - es wirkt auch im privaten Kreis nach"

Für Schulen kostenlos

Dieses präventive Modell wurde vom Österreichischen Institut für Familienforschung entwickelt und erprobt. Es wird österreichweit allen Schultypen kostenlos angeboten. Die Entwicklung des Modells LoveTalk, die Ausbildung der Moderatoren und die Durchführung der Arbeitskreistreffen an den Schulen werden durch das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie sowie das Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten gefördert.

Nähere Informationen für ganz Österreich können bei Frau Brigitte Cizek (Österreichisches Institut für Familienforschung) unter der Telefonnummer (01) 535 14 54-20 erfragt werden.

Die Autorin ist Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit im Österreichischen Institut für Familienforschung und absolviert derzeit den Ausbildungslehrgang zur Moderatorin des Modells "LoveTalk".