Weihnachten – und der Weg der Kirchen

1945 1960 1980 2000 2020

Wohin hat sich das eigene Christentum entwickelt, fragt Herausgeber Heinz Nußbaumer.

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Wohin hat sich das eigene Christentum entwickelt, fragt Herausgeber Heinz Nußbaumer.

Wie wir heuer – inmitten von so viel Ratlosigkeit – das Weihnachtsfest feiern werden, ist noch offen. Sicher aber ist: Der Advent war doch anders als sonst. Für mich nicht deshalb, weil ich das Klingklang der Einkaufsstraßen und den Geruch der Punschstände vermisst hätte. Wohl aber, weil ich in vergangenen Jahren oft zu Adventlesungen ausgerückt bin. Und weil ich dabei nicht selten gespürt habe, dass die Stimmung solcher Stunden auch mich selbst „erwischt“ hat. Dass Musik und Texte zur Weihnachtszeit meine eigene Sehnsucht nach dem Eintauchen in das „Geheimnis“ neu belebt haben. Vermutlich war es auch diese Suche nach der verlorenen Mystik, die mich so oft in die Klosterwelt am Berg Athos verlockt hat. In eine spirituelle Gegenwelt, in der mit „Sophia“ (Weisheit) weit mehr das Mysterium des Glaubens gemeint ist als Wissen, Klugheit oder Intellekt.

Moderne als „Irrweg“?

Trotz dieser so prägenden Erfahrungen hat mich jetzt ein Beitrag der deutschen Wochenzeitung Die Zeit enorm herausgefordert. Anklagend stand da zu Adventbeginn: „Früher feierten unsere Kirchen das Geheimnis. Heute predigen sie das Profane und singen im Chor der Rechtschaffenen. So machen sie sich immer mehr verzichtbar.“ Für mich ein Anlass zur kritischen Selbstreflexion: Wohin hat sich mein Christentum entwickelt? Auch hin zum kritisierten „Frieden mit der Moderne und zum Rationalismus unserer Zeit“ – was der Autor des Beitrags als „Irrweg“ bezeichnet? Bin nicht auch ich mit dabei, wenn wir uns auf Kirchenboden leidenschaftlich für Klimaschutz, gegen Asylanten-Vertreibung und andere Verirrungen einsetzen? Sind unsere Kirchen tatsächlich, so der Vorwurf, zu „humanitären Agenturen, die dem Sozialstaat zu Seite stehen“, geworden – und damit „religiös austauschbar“? Oder doch zu unersetzlichen „Kleinkraftwerken liebevoller Mitmenschlichkeit“?

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