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Wer will?

Debatte Politik_4_1.jpg - <strong>Kritische Junge</strong><br />
Muamer Bećirović und Eva Maltschnig nehmen sich bei Kritik an den Parteien, in denen sie sozialisiert wurden (ÖVP bzw. SPÖ) kein Blatt vor den Mund – und schätzen ein, wie die nächs­te Koalition aussehen könnte. - © Tosca Santangelo
Politik

„Die politische Kultur ist Schrott“

1945 1960 1980 2000 2020

Eine junge Linke und ein junger Konservativer debattieren über Österreich nach der Wahl und vor den Koalitionsverhandlungen. Eva Maltschnig und Muamer Bećirović zur nächsten Bundes­regierung, der omnipräsenten Frage nach Türkis-Grün und zur Erlaubnis „von Kaisers Gnaden“.

1945 1960 1980 2000 2020

Eine junge Linke und ein junger Konservativer debattieren über Österreich nach der Wahl und vor den Koalitionsverhandlungen. Eva Maltschnig und Muamer Bećirović zur nächsten Bundes­regierung, der omnipräsenten Frage nach Türkis-Grün und zur Erlaubnis „von Kaisers Gnaden“.

Eva Maltschnig (32) ist Vorsitzende der rebellischen „Sektion 8“ der SPÖ. Die rote Teilorganisation hat sich die Veränderung der Parteistrukturen zum Ziel gesetzt – und ist bekannt dafür, sich mit Kritik an der Parteispitze wenig zurückzuhalten. Muamer Bećirović (23) war bis vor Kurzem Vorsitzender der JVP im Wiener Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus – und galt als aufstrebende Nachwuchshoffnung für Türkis. Kürzlich legte er seine Funktion allerdings zurück. Die FURCHE lud die beiden zur Nachwahl-Debatte ins Wiener Café Europa.

DIE FURCHE: Was waren Ihre ersten Gedanken, als am Wahlabend die Balken in die Höhe geschossen sind?
Eva Maltschnig: Ich war gerade im Auto und habe mir eigentlich nur gedacht: Na, dann wissen wir das jetzt auch. Es hat mich in diesem Moment nicht besonders emotionalisiert. Denn gerade für die SPÖ war es ohnehin das Ergebnis, das die Umfragen prognostiziert haben. Dass das Resultat an sich aber ein Schock für die Partei ist, ist inzwischen mehr gesickert als noch am Wahltag – gerade nach Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus den Sektionen. So wie die SPÖ derzeit aufgestellt ist, hat sie ein Relevanzproblem
Muamer Bećirović: Ich habe während der ersten Hochrechnung gelesen.

DIE FURCHE: Und zwar nicht die Wahlergebnisse?
Bećirović: Nein. Sondern Mark Gilberts Buch über die Geschichte der europäischen Integration. Die Wahlberichterstattung hatte ich nebenbei am Laptop laufen. Eines hat mich am Ergebnis überrascht: dass die FPÖ doch um zehn Prozentpunkte abgesackt ist. Ich habe eigentlich gedacht: Es ist völlig wurscht, was die anstellen, sie haben auf jeden Fall ihre 20 Prozent.

DIE FURCHE: Der FPÖ-Absturz hat sich in den Umfragen, die noch vor Bekanntwerden des Spesen-Skandals geführt wurden, nicht in dieser Stärke abgebildet.
Maltschnig: Genau. Und es war offensichtlich vor allem die Spesen-Geschichte, die den Ausschlag gab. Ibiza war eher egal, wie man auch bei der EU-Wahl gesehen hat. Der Mietzuschuss für Heinz-Christian Strache dürfte unter FPÖ-Wählern aber extrem demobilisiert haben.