
Warum utopisches Denken die Energiewende bremst
Um die Berichte des Weltklimarates IPCC schien es zuletzt stiller geworden zu sein. Auch in der EU, die mit dem „Green Deal“ politische Ziele formuliert hatte, um bis 2050 als erster Kontinent klimaneutral zu wirtschaften und bis 2040 immerhin 90 Prozent der Treibhausgasemissionen von 1990 zu reduzieren, scheinen einige Akteure den Mut zu verlieren.
Kurz vor Beginn der 30. UN-Weltklimakonferenz (vom 10. bis 21. November im brasilianischen Belém) schwächten die 27-EU-Umweltministerinnen und -minister das Ziel für 2040 ab: Fünf Prozentpunkte des 90-Prozent-Ziels dürfen nun mittels Emissionshandel erkauft werden.
Parallel kam die Hiobsbotschaft von einer absehbaren Erderhitzung von 2,8 Grad Celsius. Die Dringlichkeit hat also keineswegs abgenommen, ganz im Gegenteil. Es fehlt auch nicht an Wissen darüber, was zu tun ist, um die wichtigsten Hebel umzustellen: Es geht darum, ein dominierendes fossiles Energiesystem mit seinen Emissionen durch eines auf Basis erneuerbarer Energie zu ersetzen. Und es gibt dafür ermutigende Entwicklungen.
Wind- und Sonnenkraft billiger
Elektrische Energie aus Photovoltaik und Wind ist inzwischen kostengünstiger als jene aus Kohle und Gas.
In Ungarn überholte 2024 die Stromproduktion aus Sonne jene aus Gaskraftwerken. Im republikanisch regierten Texas konnten heuer bis August beinahe 38 Prozent der elektrischen Energie aus Wind- und Solarenergie erzeugt werden, vor zehn Jahren lag der Erneuerbarenanteil dort noch bei 15 Prozent. Solche Erfolgsgeschichten gibt es aus zahlreichen afrikanischen Ländern, aus Europa – und natürlich aus China.
Überall bestimmen die „neuen“ Erneuerbaren Sonne und Wind, die sich ebenso dramatisch verbilligt haben wie mittlerweile Batterietechnologien, die Dynamik. Die ökonomische Logik spricht inzwischen immer deutlicher für die Energiewende und gegen fossile Energie.
Der US-amerikanische Präsident Trump sieht sich schon gezwungen, Windparks vor der Ostküste die Genehmigung zu entziehen, um den Slogan „drill baby drill“ zumindest regulatorisch zu erzwingen.
Trügerische Technikutopien
Im Energiediskurs beobachtet man mitunter aber auch Geschichten, die ganz andere Lösungen versprechen. Bevor Elch Emil das publizistische Sommerloch zu durchschreiten begann, fanden einige österreichische Tageszeitungen wieder einmal das große Solarkraftwerk im Weltall berichtenswert: 80 Prozent der 2050 benötigten Energie der Menschheit könnten durch Solarkraftwerke hoch über uns produziert und irgendwie auf die Erde übertragen werden, wurde eine britische Studie zitiert.
Oder die bekannten E-Fuels, die Elektromobilität, Wärmepumpen oder Pelletheizungen unnötig machen würden. Vielmehr solle das auf Erdöl basierende System aus Verbrennungsmotoren und Ölheizungen weiter bestehen bleiben, man müsse nur abwarten, bis eines Tages die flüssige Energierettung auf Basis von erneuerbarer elektrischer Energie einlangen werde.
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