#22 Überforderung

1945 1960 1980 2000 2020

NEVER grab `em by the pussy

1945 1960 1980 2000 2020

NEVER grab `em by the pussy

Da schätzt man sich selbst als starke Frau ein, als Person, die laut sagt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Und dann passiert es plötzlich, und das einzige, was man spürt, ist Überforderung. Schnell weg. Nicht einmal zurechtweisen. Keine Entschuldigung einfordern und mit einer Anzeige drohen, so wie man sich’s ausgemalt hat, falls es wieder passiert. Nur weg.

Heute habe ich etwas Ernsthaftes loszuwerden. Weil sexuelle Belästigung mittlerweile zwar sehr oft angesprochen wird, das Problembewusstsein bei den Verursachern aber kaum zu steigen scheint. Weil das Geschehene Tage später noch in den Gedanken herumspukt, während der Täter im selben Moment schon vergessen hat, was er gerade getan hat (falls es ihm überhaupt bewusst war). Weil es das Erste ist, woran man nach dem Aufwachen denkt, auch wenn es nur wenige Sekunden eines Tages voller ansonsten wundervoller Erlebnisse waren.

Also wiederhole ich gerne, was viele andere vor mir schon x-Mal festgehalten haben: Eine nicht ausgesprochene Zustimmung ist keine Zustimmung. Provokation ist keine Einladung. Nackte Haut hebelt nicht das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper aus. Ausgelassene Partystimmung ist kein Freibrief. Alkoholeinfluss legitimiert nichts. Nein heißt Nein.

Und da sich nun einige bestimmt fragen, was denn konkret passiert ist: „Darf ich ein Foto mit dir machen?“ bedeutet nicht „Bitte halt mich fest und reib den Genital an meinem Po.“ Auch nicht, wenn ich an einem normalen Samstagabend mit Schleier und Schärpe eindeutig beschwipst durch die Stadt ziehe. Man nennt so etwas Polterabend. Nicht „Grab 'em by the pussy-Day“.

Da schätzt man sich selbst als starke Frau ein, als Person, die laut sagt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Und dann passiert es plötzlich, und das einzige, was man spürt, ist Überforderung. Schnell weg. Nicht einmal zurechtweisen. Keine Entschuldigung einfordern und mit einer Anzeige drohen, so wie man sich’s ausgemalt hat, falls es wieder passiert. Nur weg.

Heute habe ich etwas Ernsthaftes loszuwerden. Weil sexuelle Belästigung mittlerweile zwar sehr oft angesprochen wird, das Problembewusstsein bei den Verursachern aber kaum zu steigen scheint. Weil das Geschehene Tage später noch in den Gedanken herumspukt, während der Täter im selben Moment schon vergessen hat, was er gerade getan hat (falls es ihm überhaupt bewusst war). Weil es das Erste ist, woran man nach dem Aufwachen denkt, auch wenn es nur wenige Sekunden eines Tages voller ansonsten wundervoller Erlebnisse waren.

Also wiederhole ich gerne, was viele andere vor mir schon x-Mal festgehalten haben: Eine nicht ausgesprochene Zustimmung ist keine Zustimmung. Provokation ist keine Einladung. Nackte Haut hebelt nicht das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper aus. Ausgelassene Partystimmung ist kein Freibrief. Alkoholeinfluss legitimiert nichts. Nein heißt Nein.

Und da sich nun einige bestimmt fragen, was denn konkret passiert ist: „Darf ich ein Foto mit dir machen?“ bedeutet nicht „Bitte halt mich fest und reib den Genital an meinem Po.“ Auch nicht, wenn ich an einem normalen Samstagabend mit Schleier und Schärpe eindeutig beschwipst durch die Stadt ziehe. Man nennt so etwas Polterabend. Nicht „Grab 'em by the pussy-Day“.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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