#14 Neidisch auf den Stich

1945 1960 1980 2000 2020

Zu jung, zu gesund, zu ungeduldig

1945 1960 1980 2000 2020

Zu jung, zu gesund, zu ungeduldig

Die Impfung nimmt endlich Fahrt auf. Immer mehr Menschen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis bekommen den lang ersehnten Stich. Während die einen mit bitterem Beigeschmack feststellen, dass sie bereits das aktuell gültige Mindestalter erfüllen, präsentieren andere stolz die ärztliche Bestätigung, die sie als Risikopatient(in) deklariert. Manche, weil sie tatsächlich ernsthafte Vorerkrankungen haben. Andere, weil das Lockdown-Bäuchlein am Ende sogar von Nutzen ist (ein erhöhter BMI ist quasi der Zugangscode zum Impfparadies).

Ich gehöre keiner dieser Gruppen an. Ich bin zu jung und zu gesund. Deshalb muss ich noch warten. Ja, das ist Zynismus. Nein, den braucht jetzt wirklich keiner. Trotzdem ist er da in meinem Bauch und springt ungeduldig auf und ab. Ich will auch! Ich will auch meine Belohnung dafür, ein Jahr lang jedes persönliche Treffen auf dessen Notwendigkeit abgewogen zu haben. Ich will auch ein bisschen weniger Sorge haben, wenn der Typ in der Straßenbahn die Maske schon wieder unter der Nase hängen hat. Und ich will endlich all jene Dinge angehen, die mein Gehirn bereits vor Monaten als nach der Impfung datiert hat.

Der „Wenn-dann-Gedanke“ ist in unserer von Konsum und Erfolgszwang gezeichneten Gesellschaft omnipräsent. Wenn ich das habe, dann wird mein Leben endlich einfacher. Wenn ich jenes erreicht habe, dann kann ich endlich entspannen. Kurz gesagt: ohne Fleiß, kein Preis. Ich finde, ich war fleißig genug! Fleißiger als manche, denen der Preis schon längst angeboten wurde, die ihn aber ablehnten. Das finde ich persönlich zynischer als meine Ungeduld. Die hat immerhin nur Auswirkungen auf mich selbst – und womöglich meinen Partner, der sie ertragen muss. Er ist übrigens schon geimpft. Sie dürfen raten warum (kleiner Tipp: Vorerkrankung gibt’s keine…).

Die Impfung nimmt endlich Fahrt auf. Immer mehr Menschen aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis bekommen den lang ersehnten Stich. Während die einen mit bitterem Beigeschmack feststellen, dass sie bereits das aktuell gültige Mindestalter erfüllen, präsentieren andere stolz die ärztliche Bestätigung, die sie als Risikopatient(in) deklariert. Manche, weil sie tatsächlich ernsthafte Vorerkrankungen haben. Andere, weil das Lockdown-Bäuchlein am Ende sogar von Nutzen ist (ein erhöhter BMI ist quasi der Zugangscode zum Impfparadies).

Ich gehöre keiner dieser Gruppen an. Ich bin zu jung und zu gesund. Deshalb muss ich noch warten. Ja, das ist Zynismus. Nein, den braucht jetzt wirklich keiner. Trotzdem ist er da in meinem Bauch und springt ungeduldig auf und ab. Ich will auch! Ich will auch meine Belohnung dafür, ein Jahr lang jedes persönliche Treffen auf dessen Notwendigkeit abgewogen zu haben. Ich will auch ein bisschen weniger Sorge haben, wenn der Typ in der Straßenbahn die Maske schon wieder unter der Nase hängen hat. Und ich will endlich all jene Dinge angehen, die mein Gehirn bereits vor Monaten als nach der Impfung datiert hat.

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Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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