#7 Weiße Unschuld

1945 1960 1980 2000 2020

Unterwegs zum Traualtar: Die Frage nach dem Kleid

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Unterwegs zum Traualtar: Die Frage nach dem Kleid

Da Sie es spätestens in ein paar Monaten an der Änderung meines Nachnamens merken werden und mich die ganze Sache in den kommenden Wochen stetig beschäftigen wird (ich sie also in der einen oder anderen Kolumne verarbeiten muss), verrate ich es Ihnen schon jetzt: Es wird geheiratet. Ob es eine gute Idee ist, eine Hochzeit mitten in einer Pandemie zu organisieren, sei dahingestellt. Fakt ist: Die Planung besagten Ereignisses hat begonnen. Und Fakt ist außerdem: Die meisten Menschen haben festgefahrene Meinungen dazu, wie dieses auszusehen hat. Das Bestreben der Hochzeitsindustrie, das glückliche Paar in den finanziellen Ruin zu stürzen, kommt ganz nebenbei noch dazu.

Sich den herrschenden Vorstellungen zu entziehen, ohne Beteiligte vor den Kopf zu stoßen, ist die größte Herausforderung der ganzen Angelegenheit. Da für mich das Argument „das hat man schon immer so gemacht“ keine Existenzberechtigung hat, sind Konflikte vorprogrammiert. Vor allem mit mir selbst. Denn ich hinterfrage alles. Was will ich? Was will ich auf keinen Fall? Was glaube ich nur zu wollen, weil es mir das schicke Instagram-Profil von @weddingplanner0815 einredet? Was will ich eigentlich nicht, weil es außer Tradition keinen sinnvollen Grund dafür gibt – finde es dann aber doch irgendwie gut?

Das weiße Kleid zum Beispiel. Will ich eigentlich nicht. Kostet viel zu viel und wird nur einmal angezogen. Über Nachhaltigkeit braucht man hier gar nicht nachdenken. Und vom Konzept der „weißen Unschuld“, die wie ein poliertes Schmuckstück von den Eltern an den Bräutigam übergeben wird, wird mir sowieso schwindlig. Traditionell kommt das weiße Kleid ja erst seit etwa hundert Jahren zum Einsatz. Davor konnte man sich solchen Firlefanz gar nicht leisten und heiratete stattdessen in Schwarz oder der Sonntagskleidung. Auf mein pandemisches Dasein übersetzt wäre das der Jogginganzug. Dann doch lieber etwas schicker. Eventuell ein Zweiteiler? Vielleicht sogar ein bunter Rock? Könnte man auch zu anderen Anlässen tragen. Hätte ich beinahe schon bestellt. Bin dann – nur zum Vergleich – doch noch ins weiße Kleid geschlüpft. Sehe darin aus wie eine Braut. Werde es danach vermutlich nie wieder anziehen. Hab’s gekauft.

Da Sie es spätestens in ein paar Monaten an der Änderung meines Nachnamens merken werden und mich die ganze Sache in den kommenden Wochen stetig beschäftigen wird (ich sie also in der einen oder anderen Kolumne verarbeiten muss), verrate ich es Ihnen schon jetzt: Es wird geheiratet. Ob es eine gute Idee ist, eine Hochzeit mitten in einer Pandemie zu organisieren, sei dahingestellt. Fakt ist: Die Planung besagten Ereignisses hat begonnen. Und Fakt ist außerdem: Die meisten Menschen haben festgefahrene Meinungen dazu, wie dieses auszusehen hat. Das Bestreben der Hochzeitsindustrie, das glückliche Paar in den finanziellen Ruin zu stürzen, kommt ganz nebenbei noch dazu.

Sich den herrschenden Vorstellungen zu entziehen, ohne Beteiligte vor den Kopf zu stoßen, ist die größte Herausforderung der ganzen Angelegenheit. Da für mich das Argument „das hat man schon immer so gemacht“ keine Existenzberechtigung hat, sind Konflikte vorprogrammiert. Vor allem mit mir selbst. Denn ich hinterfrage alles. Was will ich? Was will ich auf keinen Fall? Was glaube ich nur zu wollen, weil es mir das schicke Instagram-Profil von @weddingplanner0815 einredet? Was will ich eigentlich nicht, weil es außer Tradition keinen sinnvollen Grund dafür gibt – finde es dann aber doch irgendwie gut?

Das weiße Kleid zum Beispiel. Will ich eigentlich nicht. Kostet viel zu viel und wird nur einmal angezogen. Über Nachhaltigkeit braucht man hier gar nicht nachdenken. Und vom Konzept der „weißen Unschuld“, die wie ein poliertes Schmuckstück von den Eltern an den Bräutigam übergeben wird, wird mir sowieso schwindlig. Traditionell kommt das weiße Kleid ja erst seit etwa hundert Jahren zum Einsatz. Davor konnte man sich solchen Firlefanz gar nicht leisten und heiratete stattdessen in Schwarz oder der Sonntagskleidung. Auf mein pandemisches Dasein übersetzt wäre das der Jogginganzug. Dann doch lieber etwas schicker. Eventuell ein Zweiteiler? Vielleicht sogar ein bunter Rock? Könnte man auch zu anderen Anlässen tragen. Hätte ich beinahe schon bestellt. Bin dann – nur zum Vergleich – doch noch ins weiße Kleid geschlüpft. Sehe darin aus wie eine Braut. Werde es danach vermutlich nie wieder anziehen. Hab’s gekauft.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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