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Gesellschaft

Die Sorgenkinder auf dem Arbeitsmarkt

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Das Arbeitsmarktservice wendet sich besonders den Langzeitarbeitslosen und der Jugend zu. Das Potenzial an Arbeitskräften steigt, daher erhöht sich auch in Österreich die Arbeitslosigkeit.

Die Zahlen wirkten alarmierend, doch noch ist alles einigermaßen in Balance: "Die Lage am Arbeitsmarkt verdüstert sich”, meldete die Austria Presse Agentur zum Monatsbeginn: Die Anzahl der Personen ohne Job sei um 6,3 Prozent angestiegen. Wie das, wo doch Österreich als Musterschüler Europas gilt, wenn es um Beschäftigung und Kampf gegen die Arbeitslosigkeit geht? "Wir sind in einer etwas besonderen Situation”, sagt dazu der Vorstand im Arbeitsmarktservice, Johannes Kopf: "Wir werden international anerkannt für unsere hervorragende Situation”, doch "für österreichische Verhältnisse haben wir eine hohe Arbeitslosigkeit”.

Die Ursachen dafür liegen einerseits im steigenden Potenzial an Arbeitskräften, andererseits in den geänderten, vor allem gestiegenen Anforderungen an Arbeitskräfte.

Österreich verzeichnet zwar ein deutliches Plus bei der Beschäftigung von 30.000 Personen, doch das Arbeitskräftepotenzial ist im Jahresvergleich um 52.000 Personen angestiegen. Die Differenz von 22.000 Personen verteilt sich zu 7.000 Personen auf Schulungen, zu 15.000 Personen eben auf höhere Arbeitslosigkeit, so Kopf.

Bildung und Ausbildung - das sind die Schlüsselfaktoren, geht es um Arbeit. "Die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ist höhere Bildung”, meint Johannes Kopf und verweist im FURCHE-Gespräch nochmals auf Zahlen: Unter Akademikern betrage die Arbeitslosenquote nur 2,5 Prozent, unter Personen mit Lehrabschluss bereits 6 Prozent und unter jene Personen, die lediglich die Pflichtschule oder überhaupt keine Schule abgeschlossen hätten 18 Prozent. Das familiäre Milieu beziehungsweise der Bildungsabschluss der Eltern scheinen eine beachtliche Rolle zu spielen, geht es um Bildung: Kinder von Eltern, die lediglich auf einen Pflichtschulabschluss verweisen können, schaffen zu 30 Prozent ebenfalls nur einen Pflichtschulabschluss; bei Eltern, die Akademiker sind, bleiben nur 7 Prozent der Kinder auf dem Niveau der Pflichtschule. Dazu kommen noch die Probleme der zu früh die Schule verlassenden Jugendlichen. Kopf dazu: "Wir können es uns nicht leisten, dass 8 Prozent der Jugendlichen sogenannte Early School Leavers sind.” Das Bildungssystem, so Kopf, stehe hier vor einer "Riesenherausforderung”.

Die niedrigsten Jobs verschwinden einfach

Die Ursache für die Bedeutung von Ausbildung liegt auch in der Wirtschaft selbst: Die Personen mit lediglich Pflichtschulabschluss "finden keine Jobs mehr”. Zunehmend sei "höhere Qualifikation erforderlich”, so Kopf. Selbst ein Lagerarbeiter, der früher vieles hätte mit Kraft erledigen können, müsse heute mit Logistik vertraut sein, mit anderen Abteilungen kommunizieren können, vielleicht sogar mit ausländischen Kollegen. Kopf: "Die niedrigsten Jobs verschwinden.”

Der zweite Grund für die rasant steigende Bedeutung der Ausbildung liegt darin, dass ein einmal in Österreich angewandtes Instrumentarium wohl kein zweites Mal funktioniert. In der Krise von 2009 - das Bruttoinlandsprodukt war um vier Prozent zurückgegangen - haben Regierung und Sozialpartner ein Bündel von Maßnahmen beschlossen: Kurzarbeit, Abbau von Überstunden, von Zeitguthaben und von Urlaub. Die Betriebe hielten die Mitarbeiter jedenfalls, und hatten sie dann auch zur Verfügung, als sich die Wirtschaft wiederum leicht erholte. Genau für diese Vorgangsweise wird Österreich derzeit beachtet: Obwohl die Wirtschaftsleistung um 3,9 Prozent zurückging, sank damals die Beschäftigung, wie Kopf erläutert, nur um 0,5 Prozent. In Spanien hingegen, wo das BIP um 3,7 Prozent zurückging, wurde die Beschäftigung um 5 Prozent vermindert: "Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten, mit so einer Krise umzugehen.” Österreichs Umgang wurde jedenfalls von OECD anerkannt, wird von Kopf in diesen Tagen in Deutschland präsentiert und von den Sozialpartner Christian Leitl, Wirtschaft, und Erich Foglar, Arbeiterkammer, auf Einladung des Arbeitsministers Frankreichs diese Woche in Paris.

Derartige Maßnahmen wirkten jedoch nur in einer V-Krise, sagt Kopf, wenn es also nur einen kurzen Knick nach unten gebe. Daher hätte Österreichs, anders als manche EU-Staaten, seine Mittel für Ausbildung nicht gekürzt sondern setze diese verstärkt ein, mit einem wichtigen Ziel: Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit.

Noch habe Österreich einen "dynamischen Arbeitsmarkt”, und das sei eine "gute Sache”. Bei rund 3,5 Millionen Beschäftigten würden rund eine Million einmal pro Jahr ihre Arbeit wechseln, was seine Ursachen nicht nur in saisonsbedingten Schwankungen habe. Kurze Arbeitslosigkeit "ist per se keine Katastrophe”, eine "gewisse Suchzeit macht auch Sinn”. So würden Betriebe passendes Personal, Beschäftige entsprechende Arbeit finden. Ein "wirkliches Problem” sei Langzeitarbeitslosigkeit. Die Qualifikationen würden rasch veraltern, das Selbstvertrauen der Betroffenen schwinde, Armutsgefährdung entstehe und Betriebe würden schon rückfragen, wenn jemand ein Jahr oder länger arbeitslosg sei. Daher, so Kopf, achte man darauf, dass alle in Bewegung bleiben.

Das Arbeitsmarktservice wendet sich besonders den Langzeitarbeitslosen und der Jugend zu. Das Potenzial an Arbeitskräften steigt, daher erhöht sich auch in Österreich die Arbeitslosigkeit.

Die Zahlen wirkten alarmierend, doch noch ist alles einigermaßen in Balance: "Die Lage am Arbeitsmarkt verdüstert sich”, meldete die Austria Presse Agentur zum Monatsbeginn: Die Anzahl der Personen ohne Job sei um 6,3 Prozent angestiegen. Wie das, wo doch Österreich als Musterschüler Europas gilt, wenn es um Beschäftigung und Kampf gegen die Arbeitslosigkeit geht? "Wir sind in einer etwas besonderen Situation”, sagt dazu der Vorstand im Arbeitsmarktservice, Johannes Kopf: "Wir werden international anerkannt für unsere hervorragende Situation”, doch "für österreichische Verhältnisse haben wir eine hohe Arbeitslosigkeit”.

Die Ursachen dafür liegen einerseits im steigenden Potenzial an Arbeitskräften, andererseits in den geänderten, vor allem gestiegenen Anforderungen an Arbeitskräfte.

Österreich verzeichnet zwar ein deutliches Plus bei der Beschäftigung von 30.000 Personen, doch das Arbeitskräftepotenzial ist im Jahresvergleich um 52.000 Personen angestiegen. Die Differenz von 22.000 Personen verteilt sich zu 7.000 Personen auf Schulungen, zu 15.000 Personen eben auf höhere Arbeitslosigkeit, so Kopf.

Bildung und Ausbildung - das sind die Schlüsselfaktoren, geht es um Arbeit. "Die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ist höhere Bildung”, meint Johannes Kopf und verweist im FURCHE-Gespräch nochmals auf Zahlen: Unter Akademikern betrage die Arbeitslosenquote nur 2,5 Prozent, unter Personen mit Lehrabschluss bereits 6 Prozent und unter jene Personen, die lediglich die Pflichtschule oder überhaupt keine Schule abgeschlossen hätten 18 Prozent. Das familiäre Milieu beziehungsweise der Bildungsabschluss der Eltern scheinen eine beachtliche Rolle zu spielen, geht es um Bildung: Kinder von Eltern, die lediglich auf einen Pflichtschulabschluss verweisen können, schaffen zu 30 Prozent ebenfalls nur einen Pflichtschulabschluss; bei Eltern, die Akademiker sind, bleiben nur 7 Prozent der Kinder auf dem Niveau der Pflichtschule. Dazu kommen noch die Probleme der zu früh die Schule verlassenden Jugendlichen. Kopf dazu: "Wir können es uns nicht leisten, dass 8 Prozent der Jugendlichen sogenannte Early School Leavers sind.” Das Bildungssystem, so Kopf, stehe hier vor einer "Riesenherausforderung”.

Die niedrigsten Jobs verschwinden einfach

Die Ursache für die Bedeutung von Ausbildung liegt auch in der Wirtschaft selbst: Die Personen mit lediglich Pflichtschulabschluss "finden keine Jobs mehr”. Zunehmend sei "höhere Qualifikation erforderlich”, so Kopf. Selbst ein Lagerarbeiter, der früher vieles hätte mit Kraft erledigen können, müsse heute mit Logistik vertraut sein, mit anderen Abteilungen kommunizieren können, vielleicht sogar mit ausländischen Kollegen. Kopf: "Die niedrigsten Jobs verschwinden.”

Der zweite Grund für die rasant steigende Bedeutung der Ausbildung liegt darin, dass ein einmal in Österreich angewandtes Instrumentarium wohl kein zweites Mal funktioniert. In der Krise von 2009 - das Bruttoinlandsprodukt war um vier Prozent zurückgegangen - haben Regierung und Sozialpartner ein Bündel von Maßnahmen beschlossen: Kurzarbeit, Abbau von Überstunden, von Zeitguthaben und von Urlaub. Die Betriebe hielten die Mitarbeiter jedenfalls, und hatten sie dann auch zur Verfügung, als sich die Wirtschaft wiederum leicht erholte. Genau für diese Vorgangsweise wird Österreich derzeit beachtet: Obwohl die Wirtschaftsleistung um 3,9 Prozent zurückging, sank damals die Beschäftigung, wie Kopf erläutert, nur um 0,5 Prozent. In Spanien hingegen, wo das BIP um 3,7 Prozent zurückging, wurde die Beschäftigung um 5 Prozent vermindert: "Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten, mit so einer Krise umzugehen.” Österreichs Umgang wurde jedenfalls von OECD anerkannt, wird von Kopf in diesen Tagen in Deutschland präsentiert und von den Sozialpartner Christian Leitl, Wirtschaft, und Erich Foglar, Arbeiterkammer, auf Einladung des Arbeitsministers Frankreichs diese Woche in Paris.

Derartige Maßnahmen wirkten jedoch nur in einer V-Krise, sagt Kopf, wenn es also nur einen kurzen Knick nach unten gebe. Daher hätte Österreichs, anders als manche EU-Staaten, seine Mittel für Ausbildung nicht gekürzt sondern setze diese verstärkt ein, mit einem wichtigen Ziel: Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit.

Noch habe Österreich einen "dynamischen Arbeitsmarkt”, und das sei eine "gute Sache”. Bei rund 3,5 Millionen Beschäftigten würden rund eine Million einmal pro Jahr ihre Arbeit wechseln, was seine Ursachen nicht nur in saisonsbedingten Schwankungen habe. Kurze Arbeitslosigkeit "ist per se keine Katastrophe”, eine "gewisse Suchzeit macht auch Sinn”. So würden Betriebe passendes Personal, Beschäftige entsprechende Arbeit finden. Ein "wirkliches Problem” sei Langzeitarbeitslosigkeit. Die Qualifikationen würden rasch veraltern, das Selbstvertrauen der Betroffenen schwinde, Armutsgefährdung entstehe und Betriebe würden schon rückfragen, wenn jemand ein Jahr oder länger arbeitslosg sei. Daher, so Kopf, achte man darauf, dass alle in Bewegung bleiben.