Die Chance, mit 45 oder 55 Jahren aus der Arbeitslosigkeit heraus einen neuen Job zu finden, ist gering. Dennoch ist es im Vorjahr 104.000 Mal gelungen.

Roman Valent ist 56 und seit sechs Jahren arbeitslos. "In meinem Alter sind die Chancen auf einen neuen Job sehr gering", sagt er ohne Illusionen. Seine alte Stelle als Einkaufsleiter eines Konzerns hat er verloren, als das viel zu schwache Wirtschaftswachstum seinen Arbeitgeber zwang, auf die mittlere Managementebene zu verzichten. Und somit eben auch auf ihn.

Zwei Jahre Arbeitslosigkeit und zahlreiche erfolglose Bewerbungen später hat er den Verein "Fundament - Generation 45 plus" für Arbeitslose ab 45 gegründet. Inzwischen haben sich 200 Betroffene der Initiative angeschlossen, rund ein Viertel davon hat wieder einen Job gefunden. Ziel des Vereins ist neben Jobvermittlung, Bewerbungstrainings und dem Austausch mit Gleichgesinnten auch, in der Öffentlichkeit für die Qualifikationen und Qualitäten der Über-45-Jährigen zu werben. "Wir haben hohe soziale Fähigkeiten und einen reichen Schatz an Erfahrungswissen", betont Valent. "Aber natürlich ist Weiterbildung vor allem hinsichtlich Fremdsprachen und EDV-Kenntnissen ein ganz wichtiger Teil der Jobsuche."

Vom Ehrenamt zum Beruf

Auf der Homepage des Vereins gibt es eine eigene Datenbank für Stellengesuche und-angebote. Valent hat sich dort ebenfalls eingetragen. Aber er verlässt sich längst nicht mehr darauf, eine fixe Anstellung zu finden. Er hat ein Buch geschrieben, hält Vorträge auf Honorarbasis, hat einen Job mit geringfügigem Einkommen und plant, sich demnächst als Berater selbstständig zu machen. Beraten hat er Arbeitslose auch bisher schon. Gratis. "Man darf seine Kompetenzen auch als Arbeitsloser nicht brachliegen lassen", sagt er. "Und wenn man sie nur ehrenamtlich nutzen kann, dann sollte man das eben tun."

"Es ist immer wieder die Rede vom alten Eisen, wenn es um Über-45-jährige Arbeitslose ging", erzählt er. "Dabei sind wir so viele - wir sind kein altes Eisen wir sind ein heißes Eisen." Die Zahlen geben ihm recht: Fast 76.000 Über-45-Jährige waren im Vorjahr durchschnittlich beim Arbeitsmarktservice (ams) vorgemerkt. Im selben Zeitraum fanden mehr als 104.000 beim ams vorgemerkte Personen dieser Altersgruppe wieder einen Job - "So viele wie noch nie", betont ams-Vorstand Herbert Böhm.

Dennoch: Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte beim Institut für Höhere Studien (ihs) in Wien, relativiert die Freude: "Es ist immer noch so, dass Ältere zwar ein geringeres Risiko haben als Junge, arbeitslos zu werden. Aber ein höheres, es zu bleiben, wenn sie einmal arbeitslos sind." Die eu hat es sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2010 die Hälfte aller 55-bis 64-Jährigen in Beschäftigung ist. Österreich kommt derzeit gerade einmal auf 28,8 Prozent. "Das 50-Prozent-Ziel ist absolut unerreichbar", stellt Hofer fest. Auch im Vergleich zu anderen eu-Ländern steht Österreich diesbezüglich schlecht da: In den eu-25 liegt die Beschäftigungsquote bei immerhin 41 Prozent, Schweden kommt gar auf 66,8 und Dänemark auf 65,8 Prozent. Der Grund für das schlechte Abschneiden Österreichs? Hofer verweist auf die Altlasten der früheren Exit-Strategie Frühpension. Dazu kämen die altbekannten, aber immer noch nicht ausgeräumten Vorurteile: Ältere Arbeitnehmer seien zu teuer, zu unflexibel und zu unmotiviert. Und so weit seien diese Vorurteile manchmal auch nicht hergeholt: "Bis vor kurzem war es schließlich Usus, ab einem gewissen Alter nur noch die Tage bis zur Frühpension zu zählen." Dazu komme die steile Einkommenskurve. "Die war früher gerechtfertigt, aber seit das Humankapital durch den technischen Wandel entwertet ist, ist das Verhältnis der Löhne zur Produktivität einfach nicht mehr gut genug."

Einige Maßnahmen, um älteren Arbeitslosen den Einstieg in einen neuen Job zu erleichtern, setzen eben dort an: Wiedereingliederungsbeihilfen, bei denen das ams für bis zu zwei Jahre rund 67 Prozent der Lohnkosten übernimmt; generelle Lohnnebenkostensenkung für ältere Arbeitnehmer; dazu kommt die spezielle Weiterbildungsförderung für ältere Arbeitnehmer. Seit Februar besteht auch die Möglichkeit des Kombilohns für Langzeitarbeitslose ab 45 (und unter 25) Jahren: Das niedrige Gehalt bei Billigjobs soll mit einer Förderung auf bis zu tausend Euro im Monat aufgestockt werden, zusätzlich bekommt auch der Arbeitgeber eine Förderung. Wirtschaftsforscher Hofer sieht darin einen "interessanten Ansatz", man müsse nun abwarten, ob er erfolgreich ist. Dazu rät auch AMS-Vorstand Böhm: "Es ist ja ein ganz neues Instrument, an das sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer erst einmal gewöhnen müssen." Die Arbeiterkammer dagegen spricht schon von einem Flop: In Vorarlberg zum Beispiel gebe es gerade einmal einen einzigen Kombilohn-Bezieher, in ganz Österreich seien es derzeit 35.

Hoffnung dank Kontakten

Kombilohn bekommt Peter G. keinen. Er hofft, bald wieder einen regulären Job zu haben. Derzeit ist der ehemalige lkw-Fahrer nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit in einem gemeinnützigen Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose in Wien beschäftigt. Der 46-Jährige macht Postversand, Garten-, Putz-und Reparaturarbeiten. In den sechs Jahren vorher habe er alles versucht, einen Job zu finden. Nichts habe geholfen. "Zu alt", habe es geheißen, wenn überhaupt eine Absage gekommen sei. Auch das ams konnte ihm nicht helfen. "Die haben mich nur in Bewerbungscoachings geschickt. Dabei habe ich sicher nicht das Problem, dass ich mich nicht gut präsentieren kann", erzählt er, sichtlich wütend. Er habe in seinem Leben schon oft den Job gewechselt, habe einige Bewerbungsgespräche erfolgreich hinter sich gebracht. (Zur Kritik an ams-Kursmaßnahmen siehe Interview)

Letztlich hat er von der Arbeitsstiftung erfahren, bei der er nun arbeitet und Kontakt zu den Firmen bekommt, die Aufträge an die Stiftung vergeben. G. hat wieder Hoffnung geschöpft. "Es gibt mir wieder Selbstbewusstsein, hier für mein Geld arbeiten zu können und nicht von Sozialhilfe leben zu müssen." Jetzt wünscht er sich, dass er mit den neuen Kontakten auch einen neuen Job findet.

Weitere Infos im Internet: www.generation45plus.at

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau