Digital In Arbeit
Gesellschaft

Nüchtern, pragmatisch

1945 1960 1980 2000 2020

Über den Arbeitsmarktmachen sich die Jungen keine Illusionen. Die Angst, keinen Job zu bekommen und von der Gesellschaft verlassen zu sein, ist groß und rangiert weit vorallen anderen Ängsten.

1945 1960 1980 2000 2020

Über den Arbeitsmarktmachen sich die Jungen keine Illusionen. Die Angst, keinen Job zu bekommen und von der Gesellschaft verlassen zu sein, ist groß und rangiert weit vorallen anderen Ängsten.

Nein, sie sind keine No-future-Generation, die sich wenig Gedanken macht über sich oder die Gesellschaft. Sie sind nicht gleichgültig und sie wollen auch nicht immer nur "fun & action" oder den materiellen Werten huldigen. "Die junge Generation nimmt das Leben sehr ernst" bestätigt Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier, "aber sie kann diesen Ernst eben auch sehr gut mixen mit Spaß, Fun und Freizeit". Dieser Mix aus Spaß und Ernsthaftigkeit, aus Unverkrampftheit und Selbstverliebtheit ist für die ältere Generation nicht einfach nachvollziehbar.

Noch vor 30, 40 Jahren quälte die damals junge Menschen die Furcht vor der Obrigkeit und den Autoritäten, vor strengen Eltern, Lehrern, Pfarrern, Behörden. Es war unüblich, den familiären oder lokalen Autoritäten zu widersprechen. Das Korsett der Konventionen war eng. Ja, man hatte gelernt, Rücksicht zu nehmen. Auf sich selbst Rücksicht zu nehmen, bekam man nicht beigebracht. Man musste sich viel sagen lassen.

Widerspruch ist heute angesagt- aber nicht so verbissen wie bei den Revoluzzern der Siebziger und den Öko-Kämpfern der Achtziger. Die Jungen von heute wollen studieren, arbeiten, Geld verdienen, Freunde haben, lieben - das Leben genießen. Aber so, wie sie wollen. Für politische Anliegen sind sie kaum zu haben, auch wenn die Demonstrationen gegen die Regierung und Temelin derzeit einen anderen Eindruck erzeugen.

Dennoch geht's den Jungen nicht so gut, wie gerne geglaubt wird. Sie haben massive Sorgen, hängen in einem regelrechten "Gestrüpp" von unterschiedlichen, diffusen Unsicherheiten und Ängsten.

* Arbeitsplatzängste: Untersuchungen bestätigen immer wieder die Angst davor, einmal keinen Job oder wenigstens ein stabiles Arbeitsverhältnis zu bekommen. Die jungen Leute wissen ganz genau, dass sie heute einer beinharten Leistungsgesellschaft gegenüberstehen, die keine Gnade kennt. Die Wirtschaft will zur Zeit hart arbeitende Leute - also müssen sie sich entscheiden. Einklinken oder rausfliegen. Eiskalt setzt die ältere Generation die Vorgaben: wie die Ausbildungswege aussehen und was sie kosten, für wen es Arbeit gibt und für wieviel Geld, wie die Konsumwelt aussieht, was im Fernsehen gesendet wird und wessen Interessen gepusht werden. Die Jungen machen, was sie wollen? Vielleicht möchten sie das. In Wirklichkeit müssen sie sich nüchtern, pragmatisch und "marktgerecht" in die Realitäten einleben.

* Kompetenzängste: Von der Ernährung bis zur Liebesbeziehung, vom Beruf bis zu den sozialen Verpflichtungen - die jungen Leute müssen aus der Fülle von einander widersprechenden Lebens- und Arbeitsmodellen das "richtige" zusammenzimmern. Damit kommen sie oft nicht so einfach zurande. Sie haben Angst, sich irgendwie festlegen zu müssen, weil sie gar nicht wissen, worauf. Das führt zu innerer Spannung und Zwiespalt.

* Anerkennungsängste: Die neue Unübersichtlichkeit des Lebens verwischt auch die soziale Anerkennung für bekannte Berufe, Lebenswege, Verhaltensweisen. "Anerkannt werden" gehört daher zu den ganz großen Wünschen der Jungen. Je weniger sie sich der Familie, Freunden oder einer "Szene" mit Gleichgesinnten zugehörig fühlen, desto mehr bekommen sie den Eindruck, als einzelne irgendwie bedeutungslos zu sein.\r Nächste Woche: "Fun": Das Leben in der "Spaßgesellschaft"