Soth - © Foto: Alec Soth / Magnum Photos
Ausstellung

Alec Soth: Von der Fragilität des Daseins

1945 1960 1980 2000 2020

Poetisch und berührend, manchmal intim, aber nie voyeuristisch ist das Œuvre des US-amerikanischen ­Fotografen Alec Soth, das noch bis Ende August im Kunst Haus Wien gezeigt wird.

1945 1960 1980 2000 2020

Poetisch und berührend, manchmal intim, aber nie voyeuristisch ist das Œuvre des US-amerikanischen ­Fotografen Alec Soth, das noch bis Ende August im Kunst Haus Wien gezeigt wird.

Die hinabstürzenden Fluten der Niagara-­Fälle – gegenüber ein poeti­sches, berührendes Porträt zweier zärtlich aneinander gekuschelter Liebender aus der Gegend. Ein Aussteiger, der sich in den Wäldern von South Alabama selbst versorgt. Eine Cheerleaderin, deren Haare im Sprung wild fliegen. Ein Hausboot mitten im Schnee, eine aus den Angeln gehobene Hoteltüre, zwei zu Schwänen geformte Handtücher, deren Hälse und Köpfe ein Herz bilden.

Der US-amerikanische Fotograf Alec Soth hat den Blick für charakteristische Details, ob es nun um Vertreter der Mittelschicht seines Landes oder um Gegenden abseits der Metropolen geht. 2004 mit der Fotoserie „Sleeping by the Mississippi“ einem großen Publikum bekannt geworden und seither in Museen und Fotoinstitutionen vertreten, hat er den Road­trip ins 21. Jahrhundert geholt. Seine Arbeiten, die oft auf Reisen entstanden, auf denen er sich treiben ließ, ­erlauben einen Blick hinter die Oberfläche der US-amerikanischen Kultur. Das Kunst Haus Wien zeigt in einer Personale die großen Serien seines Œuvres.

Für „Niagara“ hat er sich beispielsweise mit dem Nimbus der Gegend rund um die berühmten Wasserfälle beschäftigt, die für Honeymoon ebenso steht wie für spektakuläre Selbstmorde. Soth zeigt, wie sie in die ­Jahre gekommen ist. Bei den Arbeiten für „Songbook“ wollte er auf Reisen durch acht Bundesstaaten wie ein Lokalreporter arbeiten, er war – ob er nun Schaumpartys, Beauty Contests oder auffällige Typen fotografierte – stets auf der Suche nach dem Besonderen im Alltäglichen. Dabei schuf er teils absurd anmutende Porträts, die jedoch nie voyeuristisch wirken.

Seine Fotografien sind keine Schnappschüsse, er ist nicht mittendrin im Geschehen, sondern lichtet aus der Distanz ab – im doppelten Sinne des Wortes. „Er fotografierte anfangs mit einer ­Großformatkamera, hinter der der Fotograf fast verschwindet. Dadurch fühlt sich das Modell wiederum unbeobachtet“, sagt Kuratorin Verena Kaspar-Eisert.