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(Fast) Ohne Ruß und Rauch

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Kann es vom LKW-Sektor gute Nachrichten in Sachen Unnwelt geben? Ende 1988 bekam ein neu entwickelter österreichischer LKW-Motor den Umweltschutztechnikpreis.

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Kann es vom LKW-Sektor gute Nachrichten in Sachen Unnwelt geben? Ende 1988 bekam ein neu entwickelter österreichischer LKW-Motor den Umweltschutztechnikpreis.

Lastkraftwagen* (LKW) sind der Umweltschützer „Lieblingsfeinde“. Nicht nur im Inntal und auf der Brennerautobahn erregen sie den Ärger der Bevölkerung: Der Lärm und die Abgase, die sie produzieren, belasten Mensch und Natur. Umso erfreulicher ist es, wenn man erfährt, daß es technische Entwicklungen gibt, die hier eine deutliche Verbesserung der Situation versprechen. Besonders erfreulich, daß die Steyr-Daimler-Puch AG, ein österrei-

chisches Unternehmen, auf diesem Sektor mit besonderen Erfolgen aufzuwarten hat.

Sie sind nicht vom Himmel ge-, fallen, sondern wurden zweifellos dadurch veranlaßt, daß die Schweiz (und seit 1. Jänner 1989 auch Osterreich) verschärfte Abgasbestimmungen für Schwerfahrzeuge festgesetzt hat. Damit werden die Grenzwerte der gasförmigen Emissionen um 20 Prozent niedriger angesetzt, als dies der ECE-Regelung Nr. 49 entspricht, die in den übrigen europäischen Ländern als Richtsatz gilt, jedoch meist gesetzlich nicht exekutiert wird. Bei diesen Grenzwerten bleibt es jedoch nicht: Ab 1991 werden in der Schweiz die Stickoxid-(NOx-)Emissionen um 50 und die der übrigen Abgase um 65 Prozent herabgesetzt. Außerdem wird die Rußpartikel-Emission begrenzt: 0,7 Gramm je Kilowattstunde. Für Österreich rechnet man mit einer ähnlichen Regelung ebenfalls ab Oktober 1991.

„Die Schweiz ist ein wichtiger Markt für uns. Daher müssen wir uns darauf einrichten, daß wir diese Werte erfüllen können“, stellt Franz Moser, Leiter der Motorenentwicklung von Steyr, fest.

Das Erreichen dieser Werte ist durchaus nicht einfach, steht doch die Abgasverringerung in einem gewissen Spannungsverhältnis zum Kraftstoffverbrauch. Und auf diesen achten die Kunden nach wie vor primär. „Mehr Verbrauch schlägt sich ja unmittelbar in barer Münze nieder“, erklärt Moser das Verhalten der Kunden. „Manche von ihnen fahren 200.000 Kilometer im Jahr, manche mehr. Da spürt man einen Mehrverbrauch von zwei oder drei Litern auf 100 Kilometer.“

Daher richten sich die meisten LKW-Hersteller nach dem Verbrauch und optimieren ihre Motoren nach diesem Kriterium und geben einfach keine Abgaswerte bekannt.

Steyr hat einen anderen Weg beschritten: „Wir haben versucht, die NOx-Emissionen (die schwierigste Komponente) zu reduzieren, ohne den Verbrauch zu verschlechtern, daß es ins Gewicht fiele.“ Damit werden jetzt schon die strengen Werte erreicht, die in Aussicht genommen sind.

Die Konkurrenz war natürlich nicht erfreut, als Steyr mit diesem Konzept 1985 an die Öffentlichkeit trat. Allerdings, zeigen Marktbeobachtungen, daß der Anteil der Kunden, die Umweltfreundlichkeit des Motors als wichtigstes Kriterium ansehen, von 50 auf 70 Prozent gestiegen ist.

Langsam fürchten die LKW-Betreiber doch um ihr Image. Sie verlangen also häufiger als früher den abgasarmen Motor, besonders bestimmte Kunden, etwa Gemeinden, die in Sachen Umwelt leichter unter Druck geraten.

Steyr hat diesbezüglich einen Vorsprung, stellt Moser fest. „Wir haben Konkurrenzmotoren vermessen und dabei festgestellt, daß sie zum Teil erheblich schlechter sind. Einige können allerdings ähnliches wie wir - vielleicht mit einem etwas schlechteren Verbrauch.“

Solche abgasaÄnen Motoren sind natürlich weitaus komplexer und sind das Ergebnis einer drei-bis vierjährigen Entwicklungsarbeit. Diese Komplexität darf sie jedoch nicht verschleißanfälliger machen. Denn LKW-Motoren müssen problemlos 600.000 Kilometer Laufleistung bis zur ersten Überholung erbringen, dann weitere 600.000 bis zur zweiten, um dann noch einmal so lang in Dienst zu stehen.

Wie steht’s aber mit der Lärmentwicklung? Auch hier gab es beachtliche Fortschritte, die gezielt angepeilt worden sind und den heuer in Österreich an die Schweiz angepaßten strengen Sicherheitsvorschriften entsprechen. Die Lärmentwicklung wird mittels spezifischer Tests erfaßt, die beim Auto im Zeitpunkt der Beschleunigung im schwierigsten Gang messen. Die neuen Werte liegen um sechs beziehungsweise sieben Dezibel (dB[AJ) unter den bisherigen.

Um die Verringerung bewerten zu können, muß man in Betracht ziehen, daß eine Verringerung von drei dB (A) subjektiv als Halbierung des Lärms empfunden wird. Mit dem jetzigen Standard haben die LKW den Stand der PKW erreicht.

In den USA sind die Richtwerte für Emissionen aber noch strenger als in Europa. Dort ist für 1991 eine Partikel-Verringerung um 60 und für 1994 um weitere 40 Prozent in Aussicht genommen. Die längste Zeit waren die Hersteller der Meinung, diese 60prozentige Kürzung nur mit eigenen Rußfiltern erreichen zu können. „Die neuesten Entwicklungen zeigen allerdings, daß man es auch ohne Filter schaffen wird — auch bei uns“, resümiert Moser die neuesten Erfahrungen.

Diese Neuentwicklungen kosten allerdings etwas. „Die ganze Umweltproblematik und die damit verbundene Suche nach neuen Lösungen hat Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen“, stellt Moser fest.

Daß damit die Verkehrsproblematik nicht endgültig gelöst ist, versteht sich von selbst. Da Gütertransporte aber auf jeden Fall immer auch auf LKW angewiesen sein werden, ist ihre technische Verbesserung in Richtung größere Umweltverträglichkeit jedenfalls zu begrüßen.

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