Jüdisches Kind - © Foto: Getty Images / Popperfoto
Politik

Restitution: Willkommen, Enkel Tennenbaum!

1945 1960 1980 2000 2020

Seit voriger Woche können im Ausland lebende Kinder, Enkel, Urenkel von NS-Opfern mit einer Anzeige die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. Eine späte Wiedergutmachung zur richtigen Zeit.

1945 1960 1980 2000 2020

Seit voriger Woche können im Ausland lebende Kinder, Enkel, Urenkel von NS-Opfern mit einer Anzeige die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. Eine späte Wiedergutmachung zur richtigen Zeit.

In „Der Herr Karl“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz heißt der die NS-Zeit überlebende, 1945 aus dem Konzentrationslager oder erzwungenen Exil nach Österreich, nach Wien heimkommende Jude Tennenbaum. „Nochn Kriag is er zurückgekommen. Der Tennenbaum“, sagt der Herr Karl im Stück und erzählt völlig verständnislos: „Ich grüße ihn. Er schaut mich net an. Hab i ma denkt: na bitte, jetzt is er bös, der Tennenbaum.“ Er war nicht bös, der Tennenbaum, sie waren nicht bös, die jüdischen Österreicherinnen und Österreicher, die nach der Befreiung ihrer Heimat nach Hause zurückgekehrt sind.

Sie haben nur die Niedertracht, die Verfolgung, die „Hetz“, wie der Herr Karl sagt, die sich er und seinesgleichen nach dem März 1938 mit dem jüdischen Nachbarn geleistet haben, nicht vergessen. Und: „Sie wollten ein freies, ein demokratisches Öster reich aufbauen“, sagt Hannah Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, im Gespräch mit der FURCHE. „Aber sie waren nicht willkommen. Vielen ist es passiert, dass sie an ihrer alten Wohnungstür angeläutet haben, die neuen Besitzer haben aufgemacht und geschimpft: Was, dich hat der Hitler nicht erwischt!“ Und die Schikanen gingen weiter, und das Nicht-Willkommen ging weiter. Daraufhin haben diese jüdischen Mitbürger beschlossen, dass sie weggehen, das Land, ihre Heimat verlassen. Offiziell sind sie freiwillig gegangen, aber sie wussten es, und Österreich wusste es, dass das eine erzwungene Freiwilligkeit war.

Nachkriegszeit berücksichtigt

Mit der seit 1. September geltenden Neuregelung des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes wird auch diesen Menschen und ihren Nachkommen ihr Recht auf Österreicher-Sein zugesprochen. „Das ist keine große Gruppe“, sagt Lessing, „aber es ist symbolisch für mich ganz, ganz wichtig, dass diese Menschen und ihre Nachkommen jetzt spätes Recht erfahren und auch die schwierige Situation für die Opfer des NS-Regimes auch in der Nachkriegszeit bis 1955 berücksichtigt wird.“