Klimastreik - © Foto: P. Franz Helm SVD

Klimaschutz im Ordensgewand

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Sonnengesang und Enzyklika: „Laudato si’“ dient in der katholischen Kirche als Charta für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ein Auftrag, der Religionsgrenzen überwindet.

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Sonnengesang und Enzyklika: „Laudato si’“ dient in der katholischen Kirche als Charta für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Ein Auftrag, der Religionsgrenzen überwindet.

Gitarrenmusik zu geistlichen Liedern wie „Laudato si’“ oder „Hevenu Shalom Alechem“, Menschen versammeln sich in einem Halbkreis vor einem erst vor Kurzem gepflanzten Nussbaum, und ein katholischer Priester spricht über die Inhalte aus der Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Neben dem Priester sind auch Vertreter der evangelischen Kirche und der islamischen Glaubensgemeinschaft dabei. In einer interreligiösen Feier steht unter freiem Himmel mit jungen Menschen unterschiedlichster Glaubensauffassungen der Klimaschutz im Mittelpunkt. Symbolisch wird der junge Nussbaum auf den Namen „Hoffnung“ getauft. Es sind Szenen, die sich vor einem Jahr im Protestcamp „Lobau bleibt!“ in Wien Hirschstetten zugetragen haben. Der anwesende katholische Priester war der Steyler Missionar Pater Franz Helm. „Klimaschutz muss man religionsübergreifend denken“, zeigt er sich überzeugt. Der Rektor des Missionshauses St. Gabriel bei Mödling engagiert sich unter anderem bei der Bewegung „Religions for Future“, die im Zuge von „Fridays for Future“ entstand, hat sich für das Klimavolksbegehren starkgemacht und äußert sich öffentlich zu klimapolitischen Fragen.

Eine Generationenfrage

Sein Anliegen ist: „Verantwortung zu übernehmen“. Verantwortung für die selbst verschuldete Zerstörung des Lebenssystems, in dem sich die Menschen befinden. Was für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, wird innerhalb der katholischen Kirche und ihrer Gläubigen nicht überall geteilt. Vor allem ältere Generationen hätten Schwierigkeiten, sich dem aktiven Klimaschutz anzuschließen und Verständnis aufzubringen für die Aktivitäten von jungen Menschen wie jenen, die bis vor wenigen Wochen die Lobau-Baustelle besetzt hatten. Im Alter werde vieles beschwerlicher. „Sie spüren nicht mehr, dass es um ihre Zukunft geht“, analysiert Helm, der sich auch als Brücke zwischen den Generationen sieht. In der Pastoral hat er vielfach mit jungen Menschen zu tun, als Steyler Missionar ist er zudem Teil eines weltweiten Netzwerkes, das die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf Mensch und Umwelt täglich erlebt. Er setze sich für Nachhaltigkeit ein, „damit auch künftige Generationen ein gutes Leben haben“.

Im katholisch-christlichen Verständnis ist Nachhaltigkeit ein zentraler Begriff für die untrennbare Verbindung von Umwelt und gesellschaftlichem Fortschritt, wenn das Überleben der Menschheit gesichert werden soll. Eine nachhaltige Entwicklung ist nach dieser Auffassung das Zusammenspiel von ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Interessen. Die Umwelt stellt die Schöpfung und somit das „Spiegelbild Gottes“ dar. Zurückzuführen ist diese Auffassung auf Franz von Assisi, der in seinem Sonnengesang die Umwelt als Mitwelt betrachtete, die mit all ihren Geschöpfen um ihrer selbst willen, aber nicht als Gebrauchswert für den Menschen existiert. Der Kirchenheilige wurde am 29. November 1979 von Papst Johannes Paul II. zum Patron des Umweltschutzes erhoben, sein Sonnengesang gilt innerhalb der Kirche als Urtext einer Charta für Ökologie und Nachhaltigkeit.

Der mittelalterliche Text hat auch in der Gegenwart Wirkkraft. Die Charta lautet heute wie damals „Laudato si’“. Gegenwärtig handelt es sich um die 2015 veröffentlichte Umweltenzyklika von Papst Franziskus, die nicht zuletzt Basis für das Aktivwerden von Franz Helm ist.

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