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Ökumenischer Dialog so...

So lautete das Thema der diesjährigen Gemeindevertretertage in der Diözese Burgenland. Einige Referate, gehalten von Pfarrern und Laien, bildeten die Grundlage sehr eingehender und unter lebhafter Beteiligung abgewickelter Diskussionen.

Daß die Frage, ob wir Evangelischen mit der römischen Kirche in ein Gespräch eintreten sollten und wie ein derartiger Dialog aussehen könnte, ein zeitgemäßes Problem darstellt, bedarf keiner Begründung. Brennend aber wird diese Frage angesichts der Unsicherheit und Verwirrung — hervorgerufen durch das Konzil betreffende Zeitungsmeldungen, Artikel, Rundfunksendungen usw. —, die bei Katholiken wie auch bei Evangelischen festzustellen ist.

Besonders zerstörend wirken die heute umlaufenden ökumenischen Slogans. Daß wir heute „im Zeitalter des ökumenismus“ leben, bedeutet keine Verpflichtung, uns der römischen Kirche zu nähern; den evangelischen Kirchen ist selbstverständlich — vom Neuen Testament her — der Dialog mit allen anderen christlichen Konfessionen, also auch mit der katholischen Kirche, geboten, genauso wie alle anderen Kirchen miteinander im Gespräch zu stehen haben. Zu dieser Erkenntnis bedarf es aber keines Konzils und keiner ökumenischen Stimmungsmache. Eine solche Bereitschaft zum Gespräch mit allen Kirchen, die Jesus Christus als den Herrn bekennen, beinhaltet folgendes: das lebendige Interesse für den anderen, die Offenheit zu persönlichem Kontakt, das Gebet füreinander und den guten Willen, alle auftretenden Probleme des Zusammenlebens auf friedliche Weise und in brüderlichem Geiste zu lösen. Nicht aber Abrücken von der eigenen Position, Verkleinerung der Unterschiede und Forderung organisierter Einheit.

Unverantwortliche Koketterie

Deshalb muß die Beantwortung der Frage nach der Möglichkeit einer „Wiedervereinigung“ verneinend ausfallen. Da es zu dem unaufgeb- baren Lehrgut der römischen Kirche gehört, daß nur sie allein den Gläubigen das Heil vermitteln könne, und da es ein, um nicht zu sagen, der Grundsatz der katholischen Glaubenslehre ist, daß eine einmal im Dogma formulierte Glaubens- Wahrheit nicht mehr zurückgenommen werden kann, diskutiert man als Evangelischer nicht nur mit seinem jeweiligen katholischen Gesprächspartner, sondern mit Jahrhunderten katholischer Glaubensund Lehrentwicklung. Die freundliche Haltung mancher katholischer Laien, Priester oder gar höherer Würdenträger ändert nichts an der Tatsache, daß die katholische Kirche sich Einheit der Christenheit nur in der Form der Rückkehr aller christlichen Glaubensgemeinschaften in den Schoß der römischen Kirche vorstellen kann. Trotz mancher scheinbar auflockernder Formulierungen — natürlich durch die Presse sensationell herausgestellt — hat das Konzil keinen Zweifel darüber gelassen, daß es an dieser Lehre festhält. Aus diesem Grund ist die

Koketterie mancher evangelischer Kreise mit der durch das Konzil angeblich so modern gewordenen römischen Kirche unbegreiflich und unverantwortlich.

Das billigste, aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb publikumswirksamste . der ökumenischen Schlagworte ist die Ansicht, daß es in einigen Jahrzehnten sowieso nur mehr eine Kirche geben werde, da i die Wiedervereinigung angesichts der Bedrohung aller Kirchen durch den militanten Atheismus das Gebot der Stunde sei. Wie der Katholik sich die Wiedervereinigung vorstellt und daß er sie sich nur so vorstellen kann, wurde schon gesagt. Daß gerade die evangelische Kirche in Österreich durch dieses Schlagwort erhebliche Verluste erleiden kann, müßte allen klar sein.

Schließlich spricht man davon, daß die römische Kirche sich reformiert, erstaunlich modernisiert und die Position der Gegenreformation endgültig überwunden und verlassen habe. Die katholische Kirche ist ent sprechend ihrer Lehre von der absoluten Richtigkeit ihrer Dogmen jeder echten und tiefgreifenden Reformation unfähig. Modernisiert hat die katholische Kirche ihr Gewand, nicht aber ihr Wesen. Was das Überwinden der Gegenreformation betrifft, so muß man sich, da ja doch Gegenreformation die Ablehnung der an der Bibel orientierten grundlegenden Erkenntnisse der Reformation des 16. Jahrhunderts und das Beharren auf dem eigenen Absolutheitsanspruch bedeutet, sehr fragen, ob sich nicht nur einfach die Taktik der römischen Kirche geändert hat und die Ziele der Gegenreformation jetzt zwar weniger lautstark, aber deshalb nicht weniger bewußt verfolgt werden. Deshalb ergab sich als Antwort auf unsere Frage: Dialog mit der katholischen Kirche und dem einzelnen Katholiken selbstverständlich, aber keine Gespräche über Glaubensfragen. Vielleicht dient man der Saohe Christi und der Ökumene weit besser durch Verfestigung und Klärung der eigenen Position, als durch unbedachte ökumenische Abenteuer, die man auf eigene Faust wohl unternehmen, aber nicht verantworten kann. Dies gilt ganz besonders für unsere evangelische Kirche in Österreich.

Dr. Peter Altmann, in „Die Saat“, Evangelisch-lutherischer Kirchenbote für Österreich, Folge 14/1966.

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