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Wissen Sie, was Sie wollen?

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Selbstverantwortung fordern immer mehr Firmenchefs von ihren Mitarbeitern. Diese Einstellung wird in allen Lebensbereichen wichtig.

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Selbstverantwortung fordern immer mehr Firmenchefs von ihren Mitarbeitern. Diese Einstellung wird in allen Lebensbereichen wichtig.

Die Orakel unserer modernen Zeit sind die Trendforscher. Gerd Gerken, Frederic Vester, Erwin Laszlo und Peter Drucker verkünden, daß die Selbstorganisation von Mitarbeitern in Unternehmen aller Branchen eine der wichtigsten Qualifikationsanforderungen auf der Schwelle zum nächsten Jahrtausend ist. Der Autor beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit diesem Phänomen und hat in der FURCHE- Ausgabe 21/1994 „Wohin mit der Freiheit?“ einen Überblick über den Selbstbau einer zwölfstufigen Leiter zu einer erfolgreichen Selbstorganisation gegeben. In dieser Ausgabe liefert er Ihnen Vorbereitung, Grundlagen, Anregungen und Tips für die Herstellung der ersten drei Stufen: mein Leben, meine Werte, meine Ziele.

Wer glaubt, Selbstorganisation bezieht sich ausschließlich auf das Berufsleben, hat die Tragweite dieser Lebenseinstellung noch nicht erfaßt. Auch der Begriff „Time-Mana- gement“ vermag nicht auszudrücken, daß Selbstorganisation eigenverantwortliche Lebensgestaltung bedeutet. Denn die Zeit ist lediglich nur ein Steinchen in unserem Lebenspuzzle. Außerdem ist die Zeit am schwersten beeinflußbar, denn sie läuft mit einer „Geschwindigkeit“ von 60 Sekunden pro Minute ab, ob wir wollen oder nicht. Zeit sparen funktioniert auch nicht, denn wenn wir ein Stückchen Zeit in unsere Schreibtischschublade legen könnten, um sie morgen zu verwenden, hätte dann der neue Tag vielleicht 26, 30 oder mehr Stunden?

Viel zu sehr schauen wir Wohlstandsmenschen nach außen, wenn wir etwas beeinflussen wollen, auf Zeit, Lebenspartner, Nachbarn, Politiker und so weiter. So passiert es vielen, daß sie dabei unweigerlich in die Fremdbestimmungsfalle tappen. Wer immer nur schaut, ob er es anderen recht machen kann, wer nur für die Ziele anderer arbeitet, weil er sich keine eigenen Ziele gesetzt hat, wer sich oft „nicht o.k.“ fühlt, weil sein Verhalten beim anderen nicht angekommen ist, befindet sich auf dem Weg des Opfers. Selbstmitleid, Neid und Dauerfrust sind nur wenige der unglücklichen Folgen, die sich einstellen.

Opfer finden auch bald ihre Verfolger und umgekehrt. Verfolger bestätigen ihren Opfern, daß sie „flicht o.k.“ sind. Verfolger leben unter anderem nach dem Lebenskonzept „Angriff ist die beste Verteidigung“, damit sie selbst nicht zu Opfern werden. „Du bist schuld; Du hast versagt!“ sind typische Redewendungen von Verfolgern. „Immer ich; ich habe versagt“ sind typische Redewendungen von Opfern.

Daneben gibt es noch die Retter, die dem Opfer helfen wollen. Sie signalisieren dem Opfer ebenfalls, daß es „nicht o.k. ist11, weil es sich ja ohne Hilfe der Retter nicht aus seinem Schlamassel herausziehen kann. „Ich mache das schon für dich; ich bin für dich da“ sind typische Redewendungen von Rettern. So läßt sich der Teufelskreis des alltäglichen Lebens beschreiben. Gerät er in Bewegung, so wird diese frustrierende Angelegenheit noch delikater. Hier kann zum Beispiel der Retter zum Verfolger werden, wenn er so stark auf Verfolger ein wirkt, daß sie plötzlich die Opfer sind.

WAS IST ERFOLG?

Viele Menschen glauben, Erfolg ist materieller Reichtum, berühmt sein oder irgend etwas Sensationelles getan zu haben. Doch zu über 90 Prozent ist Erfolg etwas Einfaches, was jeder von uns, wenn er will, haben kann.

Erfolg ist, wenn etwas eintritt, das man sich gewünscht und worauf man systematisch hingearbeitet hat. Wenn sich ein Mensch vornimmt, mit dem Rauchen aufzuhören und schafft es, dann ist das Erfolg. Erspart sich jemand eine „Traumreise“ und realisiert sie, dann ist das Erfolg. Erreicht ein Mitarbeiter sein geplantes Arbeitspensum am Ende eines Tages, erreicht ein Unternehmen seinen Jahresumsatz und Gewinn, dann ist das Erfolg.

Erfolg ist planbar und läßt sich wiederholen. Ein Lottogewinn ist Glück. Glück läßt sich schwer bis gar nicht beeinflussen. Im Begriff Erfolg steckt er-folgen, etwas Geplantes trifft ein. Dennoch — ein Quentchen Glück gehört auch zum Erfolg.

Erfolg läßt sich beeinflussen. Jeder, der wirklich von Herzen erfolgreich sein will, wird es auch schaffen. Auf die innere Bereitschaft kommt es an.

Der Verfolger-Opfer-Retter-Kreis- lauf ist ein Erfolgsblockierer, weil in einer derartigen Konstellation Ärger, Schuldgefühle, Sorgen und Minderwertigkeitskomplexe am laufenden Band produziert werden. Negative Dauerspannungen machen uns Menschen handlungsunfähig; sie lähmen. Aber wie kann man den Kreislauf verlassen, wenn man einmal darin steckt?

Die Lösung heißt, erwachsen werden. Zum Erwachsensein gehört aber mehr als die Volljährigkeit.

Zum Erwachsenwerden gehört die Bereitschaft, Selbstverantwortung zu übernehmen. Wer häufig andere für seine Lebenssituation verantwortlich macht, derjenige, der glaubt, daß sein Chef für seine Karriere zuständig ist und wer sein Glück in die Hand seines Lebenspartners legt, hat noch viel zu tun, um Selbstverantwortung zu lernen. Wer die volle Verantwortung dafür übernehmen kann, wo er steht und was er ist, befindet sich kurz vor dem Ziel, handlungsfähig zu sein. Bis auf relativ wenige Ausnahmen sind wir alle für unseren Gesichtsausdruck spätestens ab dem 25. Lebensjahr selbst verantwortlich.

Erwachsensein heißt auch, vergeben können. Die Vergangenheit läßt sich nicht ändern. Vergeben Sie zum Beispiel Ihrem Lehrer, der Sie als Versager bezeichnet hat. Solange Sie ihm nicht vergeben haben, schleppen Sie das ungute Gefühl, ein Versager zu sein, ein Leben lang mit sich herum. Das wiederum hindert Sie daran, erfolgreich zu sein. Argwohn und Haß sind lähmend. Ver geben Sie sich selbst. Gemachte Fehler lassen sich nicht rückgängig machen. Wer aus Fehlern lernt, um es in Zukunft besser zu machen, hat keinen Grund, Schuldgefühle zu pflegen. Jetzt ist die Bahn frei zum erfolgreichen Bau der Erfolgsleiter. Der Entwurf ist ganz einfach.

DIE LEBENSBÜHNEN

Stufe 1: Die Lebensbereiche Jeder von uns spielt seine Rollen im Leben als Darsteller auf verschiedenen „Bühnen“. Die Bühnen können heißen: Beziehung, Beruf, Gesundheit und Fitneß, Entwicklung und Entfaltung, Spiritualität, Sportverein und vieles mehr. Da jeder Mensch auf seinen individuellen Lebensbühnen täglich seine persönlichen Darstellungen liefert, ist es ratsam, sich seine eigenen „Bühnen“ zunächst einmal vor Augen zu führen.

Auf einem leeren Blatt Papier schreiben Sie zunächst in die obere linke Ecke die Frage: „Auf welchen Bühnen spielt sich mein Leben ab?“ Wenn es Ihnen Spaß macht, dann rahmen Sie die Frage mit einer Wolke oder Symbolen, die Ihnen gefallen, ein. Jetzt schreiben Sie alle Gedanken, die Ihnen dazu einfallen, ohne sie zu bewerten, nieder. Anschließend prüfen Sie, ob Sie eindeutige Begriffe, die Ihre Lebensbereiche benennen, gefunden haben. Die Begriffe sollten kurz, verständlich und prägnant sein. Nehmen Sie bei Bedarf Veränderungen vor. Wenn Sie das Gefühl haben, daß die Angaben vollständig und klar sind, dann ist Ihre erste Stufe entworfen.

Stufe 2: Werte klären

„Was ist mir wichtig?“ ist die Kernfrage, mit der man die zweite Stufe zum Erfolg entwirft. Jetzt betrachten Sie jeden Ihrer Lebensbereiche gesondert und notieren sich dazu, weis Ihnen dort wichtig, wertvoll und lebensbestimmend erscheint. Schalten Sie Ihr Herz- und Bauchgefühl dazu, um festzustellen, was Ihnen wirklich wichtig ist. Zum Beispiel könnten für die Lebensbühne „Beruf“ die Werte, Fähigkeiten auszuleben, persönliche Weiterentwicklung, stabiles Einkommen, Selbstverwirklichung anstreben, stehen. Für Fitneß und Gesundheit könnte gelten: Kraft, Kondition, Ausdauer, Ausgeglichenheit und vieles mehr. Die Bühne „Spiritualität“ könnte enthalten: Vertrauen in Gott, Glaube an Erfolg, Glaube an die eigene Kraft und eigene Fähigkeiten.

Lassen Sie keinen Lebensbereich aus; seien Sie ehrlich zu sich selbst. Überprüfen Sie, ob die Angaben lückenlos sind. Entwickeln Sie das Gefühl, eine hochwertige Erfolgsleiter bauen zu wollen.

Stufe 3: Ziele setzen

Jetzt stellt sich die Frage: „Was will ich erreichen?“ Es ist nie zu spät sich diese Frage zu stellen, ganz gleich, wie alt man ist. Wer keine eigenen Ziele hat, arbeitet für die Ziele anderer. Wo kein Ziel, da kein Weg. Ziele müssen keine starren Vorgaben sein; sie lassen Flexibilität zu, wenn man folgende Regeln beachtet: Halten Sie Ihre Ziele schriftlich fest. Suchen Sie einen Zeitraum zwischen drei und zehn Jahren für Ihre individuelle Zielprojektion aus. Die Ziele sollten Ihre Lebensbühnen betreffen, auf denen sich Ihr Leben wirklich abspielt. Planen Sie Ihre Ziele so, daß Sie in der Zukunft beginnen und dann auf die Gegenwart hin planen. Kurze und positive Formulierungen sind wichtig, denn sie sickern in Ihr Unterbewußtsein. Sagen Sie immer, was Sie erreichen wollen; sagen Sie nie, was Sie nicht erreichen wollen. Setzen Sie sich realistische Ziele, die Sie auch erreichen können. Wer sich die Wurst zu hoch hängt, erlebt eher Frustrationen als Erfolge. Formulieren Sie die Zielvorgaben so, als wären sie schon erreicht.

Jedes Ziel hat drei wesentliche Bezugspunkte:

1. Zielinhalt: Was will ich erreichen?

2. Zielumfang: Wieviel will ich erreichen?

3. Zielzeitraum: Wann soll das Ziel erreicht werden?

Wer seine Trägheit überwindet und diese ersten Schritte geht und dokumentiert, hat wichtige Voraussetzungen, um Erfolg zu haben, erfüllt.

In weiteren FURCHE-Ausgaben erfahren Sie mehr darüber, wie man Erfolg tatsächlich realisiert.

Der Autor ist

Geschäftsführer der Chairman Individual Training GmbH.

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