Agnes von Ungarn - © Foto: Wikipedia / Adrian Michael (gemeinfrei)
Geschichte

Agnes von Ungarn - eine Diplomatin mit Familiensinn

1945 1960 1980 2000 2020

Unter Agnes von Ungarn erlangte das zum Gedenken an ihren Vater gestiftete Kloster Königsfelden im schweizerischen Aargau große Bedeutung. Zu Ruf und Wirkung einer politisch regen Habsburgerin im 14. Jahrhundert.

1945 1960 1980 2000 2020

Unter Agnes von Ungarn erlangte das zum Gedenken an ihren Vater gestiftete Kloster Königsfelden im schweizerischen Aargau große Bedeutung. Zu Ruf und Wirkung einer politisch regen Habsburgerin im 14. Jahrhundert.

Wer sich der ehemaligen Klosteranlage Königsfelden im schweizerischen Aargau nähert, kann erkennen, wie hier die Straße zum Zentrum der Stadt Brugg einen weiten Bogen macht. Das ehemalige Doppelkloster ist längst aufgelassen, und die gotische Klosterkirche steht heute in dem weitläufigen Park einer psychiatrischen Klinik. Der hohe gotische Bau mit dem schlanken Dachreiter hat seinen Platz unweit der Stelle, wo König Albrecht I. am 1. Mai 1308 von seinem Neffen Herzog Johann Parricida und dessen Spießgesellen gestellt und ermordet wurde.

Für Albrecht, Sohn Rudolfs von Habsburg, war Krieg das einzige Handwerk, das er gelernt hatte. Österreich war verwüstet und unsicher, ein fremdes Land noch, das seine Familie erst seit Kurzem regierte. Im Umgang sei er schroff und, wie die Chroniken bemerken, „gepaurisch“ gewesen, dabei ein liebender Ehemann und Vater. Die Ehe mit Elisabeth von Görz­-Tirol galt als gut, elf ihrer Kinder haben das Erwachsenenalter erreicht. Elisabeth hat das Kloster Königsfelden nach der Ermordung ihres Ehemannes gegründet. Im Stifterbrief von 1311 geben ihre Söhne Friedrich, Leopold, Albrecht, Heinrich und Otto ihr Einverständnis dazu, das Dokument trägt aber nur ihr Königinnensiegel. Königsfelden war ihr Werk.

Königin von Ungarn

Hier, in den Stammlanden des Geschlechts, nur wenige Kilometer von der Habsburg entfernt, wird sich eine interessante Frauengestalt des 14. Jahrhunderts für viele Jahrzehnte einrichten. Wir wissen nicht, wann Agnes, die Tochter von Albrecht und Elisabeth, geboren wurde. Mit ungefähr sechzehn Jahren wurde sie 1296 mit dem ungarischen König Andreas III., dem letzten aus dem Geschlecht der Arpaden, verheiratet und kehrte nach wenigen Jahren als Witwe nach Wien zurück. Sie hat sich nicht wieder verheiratet. Vielleicht hat ihr Rang den Kandidatenkreis zu sehr eingeschränkt, vielleicht hat auch die Kinderlosigkeit ihrer Ehe eine Rolle gespielt. Sie war mit Anfang zwanzig weiland Königin von Ungarn und ist es bis zu ihrem Tod im hohen Alter von 84 Jahren geblieben. Ohne selbst in das Kloster einzutreten, hat sie ab ihrem dreißigsten Lebensjahr Königsfelden zu ihrem Aufenthaltsort gewählt.

Ihre erste politische Tat, von der wir wissen, war undurchsichtig. Ihr verstorbener Ehemann Andreas hatte aus erster Ehe mit einer polnischen Prinzessin eine Tochter, Elisabeth, die etwa acht Jahre alt war, als ihr Vater starb, und die als Erbin des Königreiches Ungarn naturgemäß ein starkes Interesse weckte. Ob sich Elisabeth aus freien Stücken ihrer Stiefmutter Agnes anschloss, ist unbekannt: Agnes hat ihre Stieftochter im Kloster der Dominikanerinnen in Töss bei Winterthur untergebracht, wo Elisabeth den Schleier nahm. Von der Erbin Ungarns ist danach nicht mehr viel zu hören; nach langer Krankheit ist Elisabeth dort 1336 im Ruch der Heiligkeit gestorben.

Agnes hat hier, so hat es den Anschein, eine Konkurrentin habsburgischer Interessen kaltblütig ins Abseits gedrängt. Auch auf diese Episode nahm Jacob Burckhardt Bezug, als er in dem Vortrag „Ueber den Charakter der Agnes von Ungarn“ (gehalten 1855) sein Porträt der Agnes mit der Sentenz beschloss: „Das Ende der Agnes selber, die 84-­jährig 1364 zu Königsfelden starb, wird als erbaulich geschildert. Charaktäre dieser Härte können aus der Welt gehen ohne je an ihrer Selbstgerechtigkeit irre geworden zu sein.“ Welchen Umständen nun verdankt Agnes dieses harte Urteil?