#Corona-Forschung

Ein Virus, das die Wissenschaft in Atem hält

Corona - © Foto: www.biorxiv.org
International

Corona: Auf der Spur des Virus

1945 1960 1980 2000 2020

Die Frage, woher das Coronavirus stammt, ist noch nicht beantwortet. Doch unbestritten sind US-chinesische Labor-Experimente bis 2015, deren Ergebnisse stark an Covid-19 erinnern.

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Die Frage, woher das Coronavirus stammt, ist noch nicht beantwortet. Doch unbestritten sind US-chinesische Labor-Experimente bis 2015, deren Ergebnisse stark an Covid-19 erinnern.

Wer die Corona-Zeit in ihrer tiefsten psychosozialen Struktur erforscht, wird es in mehrerlei Hinsicht mit der Angst zu tun bekommen. Angst als Motivation zur positiven Tat im Sinne der Selbsteinschränkung zum Schutz anderer. Angst aber auch als Grund, die Gefahr ins Paranoi­de zu übertreiben. Letzteres, die Paranoia, ist äußerst beliebt. Eine kleine Auswahl von Blüten, die sich derzeit im Netz der Verschwörungstheorien entfalten, kann einen kleinen Aufschluss darüber geben: Chemtrails – Covid-19 sei von Flugzeugen mittels Kondensstreifen verbreitet worden; Reptiloide – Mischwesen aus Mensch und Tier des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (u. a. Weltpolitiker wie Angela Merkel) hätten die Menschen angesteckt, um endlich die Macht an sich zu reißen. Darüber hinaus Staatskomplotte en masse, à la „China will die Welt entzünden“ oder „die USA wollen China entzünden“ und ähnliche spannende Erzählungen zum Thema „Tatort Machtpolitik“.

Nun sind nicht alle kritischen Thesen dieser Tage von vornherein verrückt, auch wenn sie gerne in die Nähe der Verschwörungstheorien gerückt werden. So verdient ein TV-Auftritt des Medizin-Nobelpreisträgers Luc Montagnier Aufmerksamkeit, bei dem der Mitentdecker des HI-Virus behauptet, das Covid-19-Virus könnte einem chinesischen Labor in Wuhan entsprungen sein, das einen HIV-Impfstoff herstellen wollte. Montagnier: „Es ist die Arbeit eines Profis, eines Molekularbiologen, wie die gute Arbeit eines Uhrmachers.“ Das überraschte und erboste viele ­Virologen, da bisher ein Großteil der Fachwelt behauptet hatte, das Covid-19-Virus weise keine menschlichen Manipulationen auf.

Montagnier bezog sich in seinen Schlussfolgerungen auf das „Kusuma-Institut für bio­logische Studien“ der Universität Neu-Delhi.­ Demnach weist Covid-19 in seiner Struktur eine entscheidende Veränderung gegenüber anderen Corona-Stämmen auf. Es sei mit Teilen des HI-Virus ergänzt worden, und das sei unmöglich auf natürlichem Wege geschehen.

Nun wurde diese Studie, die noch immer im Netz verfügbar ist und hunderte Male geteilt wurde, von den Autoren selbst zurückgezogen. Und zwar, weil sich her­ausstellte, ihre Schlussfolgerungen seien wissenschaftlich nicht haltbar. HIV-ähnliche Sequenzen seien sehr wohl auch in anderen Corona-Gruppen vertreten. Die Community schrie also Zeter und Mordio, was Luc Montagnier nicht daran hinderte, die Thesen aus Neu-Delhi einem Millionenpublikum als Tatsachen zu präsentieren und sich dafür vernichtende Kritik in Le Monde einzuheimsen.
Freilich ist die HIV-These nicht die einzige, die das Covid-19-Virus mit Labormanipulationen in Zusammenhang bringt. Auch der US-Seuchenexperte James Lyons-Weiler publiziert Gensequenzen von Covid-19, die in keinem natürlichen Coronavirus vorkommen und deshalb aus einem Labor stammen könnten. Auch zu seinen Thesen fehlt noch die Beurteilung der Fachkollegenschaft.

Die Einwände Montagniers wie auch jene Lyons-Weilers und anderer setzen allerdings auf bisher weitgehend unbeleuchteten und unbestrittenen Tatsachen auf. Seit der Sars-Epidemie 2003 (Severe Acute Respiratory Syndrome) haben vor allem in China und in den USA Forschungen mit und an Viren stattgefunden, die zum Teil von Fledermäusen und anderen Wildtieren stammen. Die Arbeit mit solchen Viren darf nur in Laboren unter höchsten Sicherheitsbestimmungen stattfinden. Weltweit gibt es derzeit nur 35 solcher Hochsicherheits-Forschungseinrichtungen. Darunter auch in Wuhan, von wo die aktuelle Pandemie ihren Ausgang nahm.

Wer die Corona-Zeit in ihrer tiefsten psychosozialen Struktur erforscht, wird es in mehrerlei Hinsicht mit der Angst zu tun bekommen. Angst als Motivation zur positiven Tat im Sinne der Selbsteinschränkung zum Schutz anderer. Angst aber auch als Grund, die Gefahr ins Paranoi­de zu übertreiben. Letzteres, die Paranoia, ist äußerst beliebt. Eine kleine Auswahl von Blüten, die sich derzeit im Netz der Verschwörungstheorien entfalten, kann einen kleinen Aufschluss darüber geben: Chemtrails – Covid-19 sei von Flugzeugen mittels Kondensstreifen verbreitet worden; Reptiloide – Mischwesen aus Mensch und Tier des Schweren Akuten Respiratorischen Syndroms (u. a. Weltpolitiker wie Angela Merkel) hätten die Menschen angesteckt, um endlich die Macht an sich zu reißen. Darüber hinaus Staatskomplotte en masse, à la „China will die Welt entzünden“ oder „die USA wollen China entzünden“ und ähnliche spannende Erzählungen zum Thema „Tatort Machtpolitik“.

Nun sind nicht alle kritischen Thesen dieser Tage von vornherein verrückt, auch wenn sie gerne in die Nähe der Verschwörungstheorien gerückt werden. So verdient ein TV-Auftritt des Medizin-Nobelpreisträgers Luc Montagnier Aufmerksamkeit, bei dem der Mitentdecker des HI-Virus behauptet, das Covid-19-Virus könnte einem chinesischen Labor in Wuhan entsprungen sein, das einen HIV-Impfstoff herstellen wollte. Montagnier: „Es ist die Arbeit eines Profis, eines Molekularbiologen, wie die gute Arbeit eines Uhrmachers.“ Das überraschte und erboste viele ­Virologen, da bisher ein Großteil der Fachwelt behauptet hatte, das Covid-19-Virus weise keine menschlichen Manipulationen auf.

Montagnier bezog sich in seinen Schlussfolgerungen auf das „Kusuma-Institut für bio­logische Studien“ der Universität Neu-Delhi.­ Demnach weist Covid-19 in seiner Struktur eine entscheidende Veränderung gegenüber anderen Corona-Stämmen auf. Es sei mit Teilen des HI-Virus ergänzt worden, und das sei unmöglich auf natürlichem Wege geschehen.

Nun wurde diese Studie, die noch immer im Netz verfügbar ist und hunderte Male geteilt wurde, von den Autoren selbst zurückgezogen. Und zwar, weil sich her­ausstellte, ihre Schlussfolgerungen seien wissenschaftlich nicht haltbar. HIV-ähnliche Sequenzen seien sehr wohl auch in anderen Corona-Gruppen vertreten. Die Community schrie also Zeter und Mordio, was Luc Montagnier nicht daran hinderte, die Thesen aus Neu-Delhi einem Millionenpublikum als Tatsachen zu präsentieren und sich dafür vernichtende Kritik in Le Monde einzuheimsen.
Freilich ist die HIV-These nicht die einzige, die das Covid-19-Virus mit Labormanipulationen in Zusammenhang bringt. Auch der US-Seuchenexperte James Lyons-Weiler publiziert Gensequenzen von Covid-19, die in keinem natürlichen Coronavirus vorkommen und deshalb aus einem Labor stammen könnten. Auch zu seinen Thesen fehlt noch die Beurteilung der Fachkollegenschaft.

Die Einwände Montagniers wie auch jene Lyons-Weilers und anderer setzen allerdings auf bisher weitgehend unbeleuchteten und unbestrittenen Tatsachen auf. Seit der Sars-Epidemie 2003 (Severe Acute Respiratory Syndrome) haben vor allem in China und in den USA Forschungen mit und an Viren stattgefunden, die zum Teil von Fledermäusen und anderen Wildtieren stammen. Die Arbeit mit solchen Viren darf nur in Laboren unter höchsten Sicherheitsbestimmungen stattfinden. Weltweit gibt es derzeit nur 35 solcher Hochsicherheits-Forschungseinrichtungen. Darunter auch in Wuhan, von wo die aktuelle Pandemie ihren Ausgang nahm.

Die Forscher haben ein neues Virus geschaffen, das sich in menschlichen Zellen bemerkenswert schnell vermehrt. Wenn dieses Virus entweicht, kann niemand den weiteren Verlauf abschätzen. (S. Wain-Hobson, Pasteur-Institut, 2015)

2013 publizierte ein US-finanziertes Konsortium US-amerikanischer und chinesischer Forscher Erkenntnisse, die sie unter anderem durch Experimente in Wuhan gewonnen hatten: Sie hatten ein Fledermausvirus isoliert, das alle notwendigen Bausteine besaß, sich auf den Menschen übertragen zu lassen. Allerdings: Ein Virologe der Unversität North Carolina, Ralph Baric, testete das Fledermausvirus in seiner natürlichen Form und stellte fest, dass es sich in menschlichen Gewebszellen kaum vermehrte und bei Mäusen keine Krankheit auslöste. Bei Versuchen, die zwischen 2013 und 2015 stattfanden, wurde aber dieses Originalvirus SHC014 verändert und seine Hülle mit einem Sars-Virusskelett „verschraubt“. Dieser Hybrid führte zu einer schnelleren Verbreitung und Vermehrung des Erregers in tierischen und menschlichen Zellkulturen.

Proteste gegen Manipulation

Es war dieser Eingriff, der noch im selben Jahr zu Protesten namhafter Forscher im Magazin Nature führte. Simon Wain-Hobson, ein Virologe des Pasteur-Instituts in Paris, sagte damals: „Die Forscher haben ein neues Virus geschaffen, das sich in menschlichen Zellen bemerkenswert schnell vermehrt. Wenn dieses Virus entweicht, kann niemand den weiteren Verlauf abschätzen.“

Die Redaktion von Nature fügte am 30. März dieses Jahres einen Verweis hinzu, in dem es heißt: „Es gibt keinen Beweis, dass das neue Coronavirus, das Covid-19 verursacht, künstlich hergestellt wurde (...) Wissenschaftler glauben, dass ein Tier die wahrscheinlichste Quelle des Coronavirus ist.“ Diese Versicherung der Zeitschrift beantwortet allerdings damit keine der Fragen, die sich aus dem Artikel ergeben. Erstens: Wie weit gingen diese Forschungen noch, nachdem die Kritik an ihnen die beteiligten Wissenschaftler in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit verstummen ließ? Zweitens: Stimmt es, dass bereits 2008 mit einer Koppelung von Coronaviren und HI-Pseudoviren gearbeitet wurde, wie eine Studie aus Wuhan angibt? Was wurde aus dem sogenannten „Chimären-­Virus“ (Nature) von 2015, nachdem die US-Regierung die Tests und ihre Finanzierung verbieten ließ? Oder mit anderen Worten: Was ist, wenn Montagnier mit seinen Behauptungen letztlich recht behält?