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Die „Post“ geht ab

Die Bemühungen der Redaktion der Grazer „Südost-Tagespost“, die mit 31. März drohende Einstellung dieser Zeitung (FURCHE 5/1987) doch noch abzuwenden, verdienen Anerkennung. Weniger Anerkennung verdient die Art, in der dieses ÖVP-Blatt (mit zuletzt großem Freiraum) zusammen mit der Grazer sozialistischen „Neuen Zeit“ in den letzten Jahren über Wasser gehalten wurde: mit insgesamt 335 Millionen an steirischer Landespresseförderung von 1983 bis 1986 (während „Kleine Zeitung“ und „Stei-rerkrone“ — freilich auch nicht darauf angewiesen — nur einen Bruchteil davon erhielten).

So sehr auch die 136 gekündigten „Tagesposf-Angestellten Anteilnahme verdienen, die Geschäftsführung muß sich schon die Frage gefallen lassen, ob mit den enormen Subventionen auch zweckmäßig gewirtschaftet wurde. Denn die „Neue Zeit“ — deren Chef Josef Riedler immer noch hofft, daß sein Blatt überleben kann — kommt mit 95 Angestellten aus. Und das Linzer „Volksblatt“ angeblich sogar mit nur 52 Bediensteten in Redaktion und Verwaltung.

„Kleine-Zeitung“-Chefredak-teur Fritz Csoklich bedauert einerseits die Krise der steirischen Parteizeitungen und meint, daß „eine Verarmung der Zeitungslandschaft über die Steiermark hinaus“ drohe, stellt aber angesichts „so horrender und außergewöhnlicher Beträge für Parteizeitungen“ das System der Presseförderung, das wettbewerbsverzerrend wirke, überhaupt in Frage: „Man sollte andere Wege suchen, um Medien zu unterstützen.“

Der Wegfall der außerordentlichen Presseförderung trifft auch die steirische SPÖ hart. Dazu kommt, daß nun der sozialistischen Leykam-Druckerei der

Druckauftrag der „Tagespost“ verlorengeht. Würde nun noch die ebenfalls bei Leykam druckende „Neue Zeit“ eingestellt, wäre für Leykam die Katastrophe perfekt.

Interesse an Leykam bekundet bereits d;e „Kronen-Zeitung“, die ein Drückzentrum südlich der Alpen anstrebt. Da ist es nur natürlich, daß auch schon Gespräche zwischen dem „Styria“-Verlag — der neue Druckereipläne wälzt und dafür auch schon ein Grundstück erworben hat — und den

Leykam-Eigentümern geführt wurden.

In der SPÖ werden angesichts der neuen Situation schon Pläne eines Zusammengehens der „Neuen AZ“ („Arbeiter-Zeitung“), der „Neuen Zeit“ und des „Oberösterreichischen Tagblattes“ geschmiedet. Wie Zentralsekretär Heinrich Keller kürzlich erklärte, besteht die Idee eines „AZ-Kopfblattes“ mit Lokalredaktionen in Graz und Linz. Also Fusion.

In der OVP fehlt für eine Fusion (noch) bestehender Parteiblätter die nötige Kapitalinfusion. Mediensprecher Heribert Steinbauer: „Wir haben kein Geld. Wir können nur hoffen, daß die noch bestehenden Zeitungen möglichst lange durchhalten.“

Mehr Konfusion als Fusion war ja in der ÖVP in Medienfragen (und nicht nur dort) oft die Regel. So scheiterten Konzepte, daß die ÖVP-Blätter enger kooperieren sollten — etwa durch eine gemeinsame Wiener Redaktion oder ein gemeinsames Auslandskorrespondentennetz —, am Wider stand aus einzelnen Bundesländern, nicht zuletzt aus der Steiermark.

„Volksblatt“-Chefredakteur

Peter Klar sieht für seine Zeitung, die übrigens nur 890.000 Schilling pro Jahr an Landespresseförderung bekommt, zuversichtlich in die Zukunft: „Wir verstehen uns auch nicht als Parteiorgan, sondern als Zeitung, hinter der eine bestimmte Gesinnung steht. Unsere mitunter kritische Linie hat uns bereits zwei Renner-Preise eingebracht.“

Die meisten Journalisten stimmen darin überein, daß die Gesinnungspresse keineswegs zum Sterben verurteilt ist, wohl aber von Zentralstellen gegängelte „Organe“. Diese Spezies ist unter den Tageszeitungen in Westeuropa selten geworden, vielleicht wird in Österreich die KPÖ-„Volksstimme“ bald ihr letzter Vertreter sein.

„Unabhängig, überparteilich und liberal“ stellt sich auch „pro-f il“-Gründer Oscar Bronner seine in Gründung befindliche Tageszeitung vor, um die es — wie um das Projekt des Industriellen Karl Kahane—f n letzter Zeit etwas still geworden ist. Dabei dürfte, wenn einer der beiden sein Projekt gestartet hat, für den anderen die Post abgegangen sein...

250 bis 300 Millionen Schilling hält Bronner für ausreichend, um einmal anzufangen. Uber beteiligte Personen oder einen Starttermin will er weiterhin nicht sprechen. Bronner selbst will als Herausgeber und Chefredakteur fungieren und hält das Projekt -Arbeitstitel: „Republik“ — für „zu 95 Prozent“ gesichert.

Daß eine Zeitungsneugründung ein großes Risiko ist, weiß Bronner. Und hartnäckig hält sich das Gerücht, daß er zunächst gar keine Zeitung gründen, sondern „Die Presse“ kaufen wollte. Aber die Zeitungen, die derzeit zu haben wären, sind nicht „im Raum Wien“, wo Bronner sein Projekt ansiedeln will, sondern etwas weiter südlich.

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