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Digital In Arbeit

Harte Lektionen für die Männer

Sie meinen den neuen Yeti?”, begegnet der deutsche Buchautor Dieter Schnack auf Wien-Besuch der Frage, wie er denn nun aussehe, der „neue Mann”, von dem in letzter Zeit die Zeitungen voll sind. Vom „Slob”, dem neuen Faulpelz mit Fernbedienung, ist da vielfach die Bede, von der männlichen Zicke, dem Maskulinisten, dem Buben-Baby... Die Wahrheit ist weniger photogen, hält keine knallige Antwort parat und ist vielmehr eine Feststellung: den Männern geht es heutzutage wirklich nicht gut.

Im Grunde geht es den Männern sogar ganz miserabel, meint das Autorenteam des neuen Buches „Hauptsache Arbeit. Männer zwischen Beruf und Familie”. Es sind die deutschen Journalisten Dieter 4Schnack und Thomas Gesterkamp.

Es beginnt schon beim Unbehagen in der Partnerschaft. Zwei Gründe sind ausschlaggebend dafür:

1. Die Männer müssen sich zunehmend der Kritik ihrer Frauen stellen.

2. Diepe laufen ihnen scharenweise davon beziehungsweise setzten ihre Männer einfach vor die Tür.

In 30 Jahren Frauenemanzipation wurden den Männern harte Lektionen erteilt. Das Problem sei aber heute, so die Autoren weiter, daß die Lehrstücke aus der Schule der Gleich -berechtigung nicht gelebt würden. „Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre”, zitieren sie den deutschen Soziologen Ulrich Beck.

Der Mann von heute ist immer noch der Ernährer. Er muß es sein, weil am Modell der Arbeitsgesellschaft nicht wesentlich gerüttelt wurde. So zieht er weiter tapfer hinaus in die unwirtliche Arbeitswelt, während seine Frau den Nachwuchs versorgt.

Die Idylle aus Friedrich Schillers Gedicht wird aber mittlerweile brüchig. Nichts stimmt mehr da draußen, und drinnen schon gar nicht. „Und überall Angst. Vor der Sonne, dem Wasser, der Luft. Vor uns selber und vor allen Dingen vor den anderen. Angst vor der Vergangenheit und Angst vor der Zukunft. Angst um die Arbeit und die Funktionstüchtigkeit der Herzen” (Schnack/Gesterkamp).

Irgendwie ist die Normalität gescheitert. Die vielen Formen des menschlichen Zusammenlebens beispielsweise sind keine Vielfalt, sondern Zeichen der Not. Viele alleinerziehende Mütter und - seltener -auch Väter gibt es. Dazu kommt diese schreckliche Wortschöpfung „Lebensabschnittspartner”, der signalisiert, daß zwischen Mann und Frau nichts mehr auf Dauer ist. Irgendwo dazwischen stehen die Kinder, die man nicht einfach „entlassen” kann wie überflüssige Arbeitnehmer, wenn die Zeiten schwierig werden.

Die traditionellen Väter aber werden um die Früchte ihrer Liebe betrogen. Sie stecken jeden Tag im Verkehrsstau oder in den Aktenbergen, und wenn sie Zeit haben, überlegen sie, warum so vieles falsch läuft in ihrem Leben. „Es nützt wenig,” klagen die Autoren, „die neue Väterlichkeit auszurufen, wenn wir Männer mit unserer Zeit, Kraft und Seele im Berufsleben feststecken. Das schönste Konzept über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt folgenlos, wenn witt” Männer nicht anders und vor allem weniger arbeiten wollen.”

Die Vereinbarkeit” ist eine alte Forderung der feministischen Bewegung. „Das Berufsleben ist aber in seiner ganzen Struktur auf den männlichen Alleinverdiener zugeschnitten, der keine Kinder oder eben eine Frau für diese hat.”

In Deutschland beansprucht nur ein Prozent der 30- bis 50jährigen Arbeitnehmer eine Teilzeitstelle für sich. Frauen konzipieren ihren Lebensentwurf schon frühzeitig in Hinblick auf die Mutterschaft. Die traditionelle Vaterrolle würde aber nicht von bösen Frauen gefährdet, die die Männerbastion Arbeit stürmen wollen. Vielmehr hätten die veränderten Lebensbedingungen dazu geführt, daß die Rolle des Vaters als Mittler zur äußeren Welt schwächer geworden sei. Die Außenwelt ist undurchschaubarer geworden. „Selbst über die Mechanismen der Arbeitswelt kann ein erwerbstätiger Vater heute seine Kinder schlechter unterrichten”. Ein Chemiefacharbeiter etwa, meinen die Autoren, wisse heute nicht einmal genau, wem der Konzern gehört, in dem er beschäftigt ist und wie lange es seine Abteilung noch geben wird. Da wirkt die Forderung nach einer neuen, weniger am gesellschaftlichen Erfolg orientierten Männlichkeit zwar zukunftsträchtig, „gleichzeitigaber haftet ihr doch etwas Anachronistisches an.” Väter, die nicht zu den Modernisierungsverlierern gehören wollen, müssen schneller sein als ihr Kollege. „Wach wie ein Wolf” müssen sie sein und verhindern, daß ihr Arbeitsplatz verlorengeht.

So hat die „neue”, etwas andere Männlichkeit nur dann eine Chance, wenn „sie sich als Gegenentwurf zur Logik unserer Gesellschaft” zeigt. Teilzeitarbeit klingt in Männerohren aber immer noch unattraktiv. Modelle einer neuen Arbeitsgesellschaft gibt es genug: Mobilzeit, kürzere Lebensarbeitszeit, gleitender Ruhestand sind einige Versuche innerhalb des geltenden Arbeitssystems Alternativen zu finden.

Aber es geht um viel mehr, meinen Schnack/Gesterkamp, als um Gleitzeit oder Zeitkontenmodelle. Es geht darum, das männliche Leitbild des Haupternährers undVollzeitarbeiters in Frage zu stellen zugunsten von neuen, partnerschaftlich orientierten Lebensentwürfen. „Wir wollen, daß sich die Väter mehr um ihre Kinder kümmern und Frauen selbstverständlich einer bezahlten Tätigkeit nachgehen können. Auch, wenn sie Mütter sind.” Die beiden deutschen Autoren - Dieter Schnack ”war kürzlich auf Einladung der Katholischen Mätinerbewegung in Wien - plädieren für ein, der Mutterschaft Vergleichbares, Vaterschaftsri -siko. Etwa durch einen obligatorischen „Geburts- und Erziehungsurlaub”, der verfällt, wenn Väter ihn nicht in Anspruch nehmen.

Nach einer Studie der Katholischen Männerbewegung der Diözese St. Pölten wollen jedoch nur fünf Prozent der österreichischen Väter einen solchen „Urlaub” - der theoretisch bereits möglich ist - antreten. Jeder Vierte von 50 befragten Unternehmern und Personalchefs fragt nämlich schon bei der Einstellung nach etwaigen Karenzwünschen der männlichen Arbeitnehmer. Und: 64 Prozent der Männer haben Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder Gehalt einzubüßen, wenn sie bei ihren Kindern daheim bleiben.

■ Arbeit, Arbeit, Arbeit - Der Beruf im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens

■ Ich kaufe, also bin ich - Arbeit und Konsum

■ Mann gönnt sich ja sonst nichts ■ Arbeit und männli- | che Identität j > Horror vacui - Arbeitslosigkeit als Verlust einer Heimat

■ Ernährer, Faulpelz, Plüchtling, Opfer - Ansichten auf einen jungen Bauingenieur

■ Papa kommt später heute - Vollerwerbstätigkeit und Vaterrolle

■ W7o die.wilden Kerle wohnen -Männerträume und Familienalltag

■ Schwindende Macht-Erotik - Der veröffentlichte Hausmann

■ Flickwerk nicht erwünscht - Die Rhetorik der Gleichstellung

■ Dienstmädchen, Steuern und Finanzen - Der sanfte Druck patriar-chaler Familien-politik

Was macht der • Herr am fünften Tag? - Der Streit um kürzere Arbeitszeiten

■ Der Verein der fleißigen Facharbeiter - Männerbund Gewerkschaft

■ Brief an einen jungen Vater - Das Experiment geteilter Elternschaft

■ Vom Arbeitsmann zum ganzen Menschen

Hauptsache Arbeit.

Männer zwischen Beruf und Familie. Von Dieter Schnack/Thomas Gesterkamp. Rowohlt Verlag, ■■■ 286Seiten, ös 250,wortanzeigen

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