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"... ein besonderer Boden"

Ein Gespräch mit Adam Fischer, der in Eisenstadt nicht nu Joseph Haydns letzte Oper "L'anima del filosofo" dirigiert.

Die Furche: Sie dirigieren in allen wichtigen Musikmetropolen der Welt. Vielbeschäftigt stehen Sie nach den Salzburger Festspielen ("Cosi fan tutte") und Zürich ("Figaro") gerade am Pult der Wiener Staatsoper ("Rosenkavalier") und nächsten Sommer wieder in Bayreuth ("Parsifal"). Welchen Stellenwert haben dabei die Internationalen Haydn-Tage in Eisenstadt, ein Festival, das Sie mitbegründet haben?

Adam Fischer: Wichtig ist für mich eigentlich nicht, wo ich dirigiere, sondern allein das künstlerische Ergebnis! Und da gelingen auch in kleineren Städten großartige Produktionen. Eisenstadt selbst ist für mich dabei ein ganz besonderer Boden. Es ist mein geistiges Kind. Hier kann ich Dinge verwirklichen, die ich woanders nicht durchführen kann. Und das Wunderbare ist, es schwebt immer der Geist von Joseph Haydn durch den herrlichen Saal des Schlosses Esterházy, der ja nach seinen Vorstellungen gebaut wurde. Er zählt nicht umsonst zu den schönsten und akustisch besten Sälen der Welt. Bedeutend ist auch der Festival-Gedanke, nämlich das Werk Haydns in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Furche: Sie haben 1987 auch die Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie gegründet. Welche Idee steckte damals dahinter? Haben Sie bei den damaligen politischen Verhältnissen schon einen Schritt in Richtung EU vorweggenommen?

Fischer: Die Gründung des Orchesters hatte eine immense politische Bedeutung, schließlich gab es damals noch den Eisernen Vorhang. Ich wollte damit auch beweisen, was unter den damaligen eingeschränkten "Freiheiten" möglich war. Künstlerisch gesehen hat Haydns Musik sowohl in Österreich als auch in Ungarn große Tradition. Zuerst waren auch nur Musiker aus diesen beiden Ländern dabei. Die Grundidee war, sein Werk zu pflegen und einen eigenen "Haydn-Stil" zu entwickeln, was uns im Laufe der Jahre auch gelungen ist. Dabei muss man den Sinn seiner Musik verstehen, sie lebendig spielen und förmlich explodieren lassen. Wir haben in 15 Jahren alle seiner 107 Symphonien auf Platte eingespielt. Teilweise sogar mehrfach, weil sich unsere späteren Interpretationsvorstellungen mit den früheren nicht gedeckt haben.

Die Furche: Neben Konzerten mit der Musik des Genius Loci dirigieren Sie mit "ihrem" Orchestra in residence in der burgenländischen Hauptstadt auch immer seine Musikdramen. Welchen Stellenwert räumen Sie dabei Haydn als Opernkomponist ein?

Fischer: Von den zehn Opern Haydns, die seit 1994 hier in Eisenstadt bei unserem Zyklus aufgeführt wurden, habe allein acht ich dirigiert, heuer seine letzte: "L'anima del filosofo". Alle beinhalten wunderbare Musik. Joseph Haydn hat alle komponiert, weil es sein Auftraggeber von ihm verlangt hat. Nach dem Tod des Fürsten Esterházy hatte er zwei Angebote, eines für Neapel, wo er wahrscheinlich weitere Musikdramen geschaffen hätte und ein gefeierter Opernkomponist geworden wäre. Er aber ging er nach London und wurde der Vater der Symphonie.

Die Furche: Wie stehen Sie persönlich zu den heutigen, teils heftigen und kontroversiell geführten Diskussionen um das Regietheater?

Fischer: Ich glaube, das sind in erster Linie Kommunikationsprobleme. Denn wenn man mit einer Idee überhaupt nicht einverstanden ist, muss man sich als Dirigent einbringen und dies dem Regisseur rechtzeitig sagen. Da kann man noch etwas ändern oder eine andere gemeinsame Lösung finden. Womit ich Probleme habe, ist, wenn der im Stück vorgesehene emotionale Inhalt einer Szene vom Regisseur völlig konträr auf die Bühne gestellt wird oder wenn ich mich von vorneherein mit einer Konzeption überhaupt nicht identifizieren kann.

Die Furche: Stimmt es, dass Sie so gerne kochen wie Rossini?

Fischer: (Lacht) Das wird völlig überbewertet. Es stimmt, dass ich gerne koche, aber es ist nur ein Hobby. Wichtiger als Kochen ist für mich jedenfalls die Musik, die ich über alles liebe.

Das Gespräch führte Helmut Christian Mayer.

1949 in Budapest geboren, dort und in Wien Dirigier- und Kompositionsstudium. Nach Stationen in Graz, Helsinki, Karlsruhe und München Generalmusikdirektor in Freiburg, Kassel, seit 2001 in Mannheim. Opern- und Konzertdirigate u.a. in Wien, Salzburg, Paris, Mailand, London, Zürich, Bayreuth, New York, Chicago, Boston, Tokio mit bedeutenden Orchestern wie den Wiener Philharmonikern und Symphonikern sowie Londoner Orchestern. 2002 Dirigent des Jahres (Opernwelt). Mitbegründer der Haydn-Festspiele in Eisenstadt.

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