Zurbrügg - © Theresa Steininger

Schrammel.Klang.Festival: Musik und Kultur im Liegestuhl

1945 1960 1980 2000 2020

Entspannt und ausgesprochen gemütlich präsentiert sich die 15. Ausgabe des Wienerlied-Festivals Schrammel.Klang in Litschau.

1945 1960 1980 2000 2020

Entspannt und ausgesprochen gemütlich präsentiert sich die 15. Ausgabe des Wienerlied-Festivals Schrammel.Klang in Litschau.

Der eine liegt unter Birkenbäumen im Gras und genießt mitreißende Musik im Klezmer-Stil. Die andere schippert im Elektroboot über den Herrensee und hört von hier großen Applaus, von dort den Klang der Kontragitarre herüberwehen. Der Nächste lässt sich im Hängesessel beim Strandbad baumeln und lauscht der voluminösen und an Zwischentönen so reichen Stimme von Tini Kainrath. Und abends kommen dann alle Besucher im Herrenseetheater zusammen und werden vom Balkan-Beat und den kreativen Klassik- oder EAV-Adaptionen des Acoustic-­Quartetts „Folksmilch“ förmlich von den Sesseln gerissen.

Das ­Schrammel.Klang.­Festival hat viele Gesichter. Im 15. Jahr hat Intendant Zeno Stanek es auf zwei Wochenenden ausgedehnt, auch um die Besucherströme besser zu regeln. Pro Tag wurden nicht mehr als 1.000 Karten aufgelegt – was für ein weit entspannteres Festival-Erlebnis sorgt als in den Vorjahren (2020 mit den „Schrammel.Klangerl“-Wochenenden, an denen man an 10 Tagen vor stark reduziertem Publikum spielte, natürlich ausgenommen).

Entspannung und Gemütlichkeit stehen überhaupt über dem ganzen Festival. Nicht nur, weil dies Attribute sind, die zum Wienerlied passen. Sondern auch, weil man auf dem Schrammel.Pfad untertags zu neun Naturbühnen rund um den Herrensee und von Konzert zu Konzert wandern kann – oder es sich einfach bei einer Bühne im Liegestuhl unter Sonnenschirmen gemütlich macht und wartet, welche Formationen für die rund 40 Minuten dauernden Auftritte als nächste „antanzen“.

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Natürlich gibt es Besucher, die mit einem ausgeklügelten Plan über das Festivalgelände gehen und sich ihre Lieblingsgruppen auf der Zetschenwiese mit Holzbühne samt Fenster in die Natur, am Seezulauf, auf der Kaspar Schrammel Bühne oder der Birkenbühne gezielt anhören. Der fast empfehlenswertere Weg, das Schrammel.Klang.Festival zu konsumieren, ist aber der andere. Nicht nur, weil er stressfreier ist, sondern auch, weil es bei dem guten Riecher des Intendanten Zeno Stanek immer wieder Formationen zu entdecken gibt, die man sich ansonsten vielleicht nicht angehört hätte.

Heuer beispielsweise „Vila Madalena“, ein aus Serbien und Tirol stammendes Duo mit Akkordeon und Klarinette, das mit seiner Energie an eine rauschende serbische Hochzeitsfeier erinnerte, auf der die beiden Musiker laut Programmbuch zusammenfanden. Mit Augenzwinkern anmoderiert und mit Elan serviert gab es hier Balkan-Swing, Klezmer, Tango, aber auch eine herrlich melancholische, technisch akkurate ­Interpretation des Wienerlieds „Nussdorfer Sternderl“. Jiddisch-schwungvoll dann das Finale mit einer mitreißenden „Hevenu Shalom Alechem“-Variation.

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