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Schön, intelligent und erfolgreich

Manche Eltern wollen sich über ihren Nachwuchs verwirklichen und profilieren.

Achtjährige haben heute ernsthafte Termin-Koordinierungs-Probleme - Fußball, Musikschule, Gruppenstunde, EDV-Kurs etc. Für eine junge Lehrerin einer Volksschule der Erzdiözese Wien ist das Alltag: "Bei uns im Halbinternatsbetrieb sollte man nur zwei, höchstens drei Kurse pro Woche buchen, viele haben aber bis zu zwei Kurse täglich - Schulexternes kommt noch dazu. Da bleibt keine Zeit, in den Park zu gehen, obwohl das Spiel wichtig für die Sozialkompetenz und die Verarbeitung des Tages ist. Mancher Tagesablauf ist durchgeplanter als bei Erwachsenen, dann kommen die Kinder fix und fertig heim und fallen todmüde ins Bett, was den Eltern natürlich recht ist, für die Erziehungsarbeit ist ohnehin die Schule da", spricht sie von ihren Erfahrungen.

Manche Eltern wollen sich über ihre Kinder profilieren: "Nicht nur bei Gymnasienwahl und Noten will man zu den Besten zählen, sogar in der Location für die Geburtstagsparty übertrumpfen die Eltern einander. Ebenso in der Urlaubs- und Wochenendplanung: Museumsbesuche und Kletterkurse, da bleibt keine Zeit für Erholung, die suchen sie dann Montag früh in der Schule." Darüber tauschen sich die Eltern vor dem Schultor aus, während sie auf ihre Kinder warten, erzählt die Lehrerin: "Sie betonen dann, was sie machen und was das Kind tut, da ist schon auch Angabe dabei, und es wird Druck ausgeübt."

Das kennt auch Tom Kloiber, Organisationsreferent des Katholischen Familienverbandes: "Die, Vergleichsstudien', die Eltern über ihre Kinder machen, relativieren sich mit den Jahren, da Eltern mitbekommen, dass auch andere Töchter und Söhne schön, intelligent und erfolgreich sind."

Manchmal geht das nach hinten los, weiß die Lehrerin: "Oft machen sich die Eltern selbst am meisten Druck und lernen für einen Test des Kindes, damit es null Fehler hat. Manche, die bei Schuleintritt ihres Kindes noch verheiratet waren, lassen sich aufgrund des Drucks und der verschiedenen Vorstellungen über Schulleistungen scheiden."

Lehrer aller Schultypen kennen die mühsamen Eltern kleiner "Genies", so auch die Volksschullehrerin: "Einige überschätzen ihre Kinder sehr und erklären mir, ich würde sie falsch motivieren. Eltern sehen oft im Kind, was sie selbst nicht geschafft haben." Eine Hauptschule oder ein öffentliches Gymnasium brauche sie den Eltern gar nicht erst vorzuschlagen. Kloiber erkennt da einen Mangel bei den Eltern: "Wer ein gutes Selbstwertgefühl hat, muss nicht eigene unerfüllte Träume oder Unzulänglichkeiten auf Kinder projizieren. Wenn man Kind ins Gymnasium steckt, nur weil das Nachbarkind auch dort ist, obwohl ihm das Lernen verhasst ist, es aber ausgezeichnete manuelle Fähigkeiten besitzt, versündigen sich die Eltern an diesem Kind."

Statt Leistungsdruck und Selbstprofilierung sei die Liebe zur Person zentral, betont er ebenso wie die Lehrerin: "Es zählen nur Aussehen und Leistung, das Wesen des Kindes wird gar nicht wahrgenommen, es muss von Geburt an funktionieren, da bleibt keine Zeit, eigene Persönlichkeit und Interessen zu entwickeln. Viele Eltern wollen, dass ihre Kinder Stars werden und schicken den Sohn ins Ballett, obwohl ihm das peinlich ist."

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