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Schwierige Diskussion um den Primat

Bei der 12. Vollversammlung der Gemischten Theologischen Kommission für den Dialog für Katholiken und Orthodoxe in Wien ging es um die Rolle des Bischofs von Rom im ersten christlichen Jahrtausend. Schon während der Tagung kam es zu Kritik, große Fortschritte wurden nicht erzielt. Dennoch bekunden beide Seiten, am Gespräch festhalten zu wollen.

Als guter Boden für einen steinig gewordenen Dialog erwies sich Wien bei der 12. Vollversammlung der Gemischten Theologischen Kommission für den Dialog von Katholiken und Orthodoxen vom 20. bis 27. September. Zwar hat das offizielle Glaubensgespräch zwischen den noch getrennten vorreformatorischen Christen abendländischer und östlicher Tradition nach der fast gescheiterten Session auf Zypern im Vorjahr auch jetzt keine spektakulären Fortschritte gemacht. Das hier freundlichere und ruhigere Gesprächsklima im Kardinal-König-Haus, und sicher auch der spiritus loci des Verewigten, trugen aber dazu bei, dass über das heiße Eisen päpstlicher Primat in zwei Jahren weiterdiskutiert und nicht der Dialog auf leichtere Themen umgeleitet oder gar abgebrochen wird.

Kapser und Fortino hinterließen Lücke

Dass das auch in Wien nicht einfach war, hing in erster Linie mit dem Vakuum zusammen, das die beiden großen Abwesenden dieser Dialogrunde hinterlassen haben: Archimandrit Eleuterio Fortino und Kardinal Walter Kaspar. Mit ihnen hat das katholisch-orthodoxe Glaubensgespräch seit letztem Jahr in Paphos zwei entscheidende Stimmen verloren: zunächst einmal den im September verstorbenen Sekretär der Dialogkommission, Eleuterio Fortino. Dieser #italogriechische# Grenzgänger und Brückenbauer zwischen dem christlichen Morgen- und Abendland hatte schon 2009 den Fortgang des Dialogs gerettet und damit das Schlimmste verhütet.

Als katholischer Ko-Vorsitzender dieser Session des Dialogs war weiter Kardinal Walter Kaspar vorgesehen. Obwohl dieser die Leitung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen schon im Juli an den Schweizer Erzbischof Kurt Koch abgegeben hat, sollte er diesem in Wien noch mit seinen reichen Erfahrungen und guten persönlichen Kontakten zu den Orthodoxen an der Seite stehen. Ihm selbst waren ja auch nach seiner Berufung von Deutschland nach Rom einige Jahre Zeit gewährt worden, sich im Einheitsrat einzuarbeiten.

Erzbischof Koch, der mit seiner Ernennung regelrecht ins zur Zeit eher kalte Wasser des Ökumenismus geworfen wurde, sollte wenigstens beim Dialog von Wien in seinem Vorgänger Rat und Stütze finden. Kaspers Erkrankung machte einen Strich durch die Rechnung und hinterließ eine Lücke, die Koch mit Herzlichkeit und gutem Willen auf Anhieb nicht ganz zu füllen vermochte. Immerhin nahm sich der Dialog- und Orthodoxie-erfahrene Wiener Erzbischof Christoph Schönborn seiner an. Sie beide werden in der Zukunft gewiss zusammen viel mehr als das erreichen, was diesmal wegen der unglücklichen personellen Ausfälle offen bleiben musste.

Zweitens war es die Komplexität und Schwierigkeit des gestellten Themas von der #Rolle des Bischofs und insbesondere des Bischofs von Rom im ersten christlichen Jahrtausend#, die den Dialog auch nach seiner Vertagung von Zypern nach Österreich auf der Stelle treten ließ. Das zeigte sich spätestens am dritten Tag. Den Teilnehmern war striktes Stillschweigen auferlegt, doch führende Delegierte hielten sich nicht daran. So beklagte sich der Jerusalemer Vertreter Erzbischof Thephanis von Garasa darüber, dass den Orthodoxen ein fast fertiges Dokument über die einstige Rolle des Bischofs von Rom #aufgedrängt# werden sollte.

Nebeneinander, nicht gegeneinander

Der Cheftheologe desselben Patriarchats, der noch in Innsbruck unter Hugo und Karl Rahner ausgebildete Prof. Georgios Galitis, bemängelte an diesem Text vor allem, dass er in das frühkirchliche Papsttum gesamtkirchliche Funktionen #hineinlese#, die es erst im zweiten Jahrtausend und oft erst gegen Ende desselben auf dem I. Vatikanum in Anspruch genommen habe. Der Hauptvertreter der Orthodoxen Kirche von Griechenland, Metropolit Chrysostomos von Kalamata, war auch dieser Meinung, bejahte aber die #therapeutische Rolle dieser Wiener Session, da der Dialog zwischen so lang getrennten Kirchen oft schmerzlich und schon gar nicht leicht zu führen sei#.

Der orthodoxe Ortsbischof, Metropolit Michail Staikos, konnte in seiner Abschluss-predigt darauf hinweisen, dass Orthodoxie und Katholizismus in Wien schon seit Jahrhunderten nicht gegeneinander, sondern wenigstens nebeneinander Bestand hatten. In den letzten 50 Jahren ist daraus ein geschwisterliches Miteinander geworden. In einer Zeit, für die leider die Inflation aller Werte bestimmend geworden ist, sei das Zeugnis christlicher Eintracht, wenn auch noch nicht voller Einheit, eine wichtige Orientierungshilfe.

Als Delegationsleiter der Orthodoxen bezeichnete es Ioannis Zizioulas, Metropolit von Pergamon, als eine glückliche Fügung, dass der vorletzte Tag dieser 12. Vollversammlung, der 26. September, mit dem ostkirchlichen Fest des hl. Johannes Evangelista, des #Theologen# zusammenfiel. Er sprach den Wunsch aus, dass die #johanneische Dimension# des katholisch-orthodoxen Glaubensgesprächs zunehmen möge, um sich dieses #Theologen der Liebe# würdig zu erweisen.

Damit griff Zizioulas das Thema Kardinal Schönborns beim katholischen Abschlussgottesdienst im Stephansdom auf. Schönborn hatte die Einsicht verkündet, dass das Glaubensgespräch zwischen Ost- und Westchristen nur als #Dialog der Liebe# Bestand und Erfolg haben könne. Mit ihm konzelebrierten rund 40 Kardinäle und Bischöfe, so Roland Minnerath und Bruno Forte, zwei der bedeutendsten katholischen Theologen der Gegenwart, und der griechisch-katholische Bischof des siebenbürgischen Klausenburg, Florentin Crihalmeanu.

Die orthodoxen Teilnehmer waren im Wiener Dom genauso zu Gast wie ihre katholischen Partner in der griechisch-orthodoxen Kathedrale am Fleischmarkt. Dort haben alle gemeinsam das Vater Unser gebetet: Mag sich der Dialog auch wie die ganze Ökumene in einer schwierigen Phase befinden: Hoffnung auf Einheit und die Sehnsucht nach ihr bleiben und weisen den Weg!

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