Digital In Arbeit
Feuilleton

Stiller Mann in Basel

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Hans Urs von Balthasar - Katholische Weite in Tiefe und Fülle. Zum 100. Geburtstag.

Der 100. Geburtstag von Hans Urs von Balthasar ist vielerorts in Europa, aber auch in anderen Kontinenten, Anlass zu einer respektvollen und dankbaren Würdigung von Persönlichkeit und Werk dieses Schweizer Theologen. Er gilt als einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, und ein anderer Großer, nämlich Henri de Lubac, nannte ihn "den vielleicht gebildetsten Menschen unserer Zeit". In Luzern wurde er am 12. August 1905 als Spross einer alten, hochverdienten Patrizierfamilie geboren. In Basel, wo er seit dem Jahr 1940 gelebt hatte, ist er am Morgen des 26. Juni 1988 als gegen seinen demütigen Widerstand erwählter Kardinal zwei Tage vor der formellen Bekleidung mit dem Purpur völlig unerwartet gestorben.

"Dieser stille Mann in Basel" - so hatte ihn der österreichische Kulturphilosoph Friedrich Heer viele Jahre vorher charakterisiert - glich in manchem dem heiligen "Hieronymus im Gehäuse" auf dem meisterhaften Kupferstich Albrecht Dürers, über den Balthasar selbst so geschrieben hatte: "Er arbeitet in vollkommener Einsamkeit, aber für die Kirche, wie alles sozial Fruchtbare zuletzt aus der Einsamkeit der Person in Gott mit dem Weltanliegen Gottes hervorgeht."

Sein "Feigenbaum"

Die 35 Jahre vor der Zeit in Basel waren nach dem Besuch der Gymnasien in Engelberg und Feldkirch geprägt durch Studien der Germanistik und Philosophie in Wien, Berlin und Zürich und durch eine starke Zuwendung zu Musik und Theater. Über das jähe Erlebnis der Berufung Balthasars zum Priester und Ordensmann hat der damalige Kardinal Joseph Ratzinger am 1. Juli 1988 beim Requiem in der Luzerner Hofkirche wörtlich gesagt: "Er studierte Germanistik, seine Wahl schwankte zwischen Musik und Literatur, bis er seinen Feigenbaum' fand: Unter einem Baum in einem abgelegenen Waldstück nahe bei Basel überfiel ihn der Blitz der Gewissheit: du musst Priester werden, du musst ignatianisch werden."

1929 trat er in den Jesuitenorden ein. Besonders inspirierend waren die vier Studienjahre in Lyon, geprägt durch große Lehrer und hellwache, geniale junge Mitbrüder. Der hier immer neu unternommene Gang zurück zu den Quellen des Glaubens in der Bibel und im Werk der Kirchenväter und die gleichzeitige Befassung des jungen Jesuiten mit großer Philosophie von Kant bis Heidegger durchbrach die Krusten der Neuscholastik und wurde ungemein fruchtbar für sein ganzes späteres Schaffen. In den Jahren 1940 bis 1949 wirkte er als Studentenseelsorger in Basel. Der geistlichen Begleitung vor allem junger Menschen in der Schweiz und im Ausland hat er auch später und bis an sein Lebensende viel Zeit gewidmet. Die von ihm mitbegründete Studentische Schulungsgemeinschaft und die Akademische Arbeitsgemeinschaft wurden zu einem bis heute tragenden Netz. Besonders die katholische Kirche in der Schweiz hat oder hätte daher dem priesterlichen Seelsorger Hans Urs von Balthasar viel zu danken. Einer breiten Öffentlichkeit in diesem Land war diese Tatsache aber nicht bekannt und ist wohl bis heute verborgen geblieben. Dies gilt auch für Balthasars Beitrag zum II. Vatikanischen Konzil, zu welchem er nicht als theologischer Berater berufen wurde.

Warner vor dem Zeitgeist

Alois Haas, Professor für Germanistik in Zürich, hat 1988 angemerkt: "Da der stille Mann in Basel' nach dem Konzil vielfach als Kirchen-Kritiker, als Warner vor geländegängigen Anpassungen an den Zeitgeist auftrat", ist weitgehend vergessen worden, dass er "gemeinsam mit so verschiedenen Geistern wie Romano Guardini, Karl Rahner und Henri de Lubac geholfen hat, das Klima vorzubereiten, in dem das Konzil vonstatten ging. Schon früh hatte er eine offene, eine missionarische Kirche gefordert: Schleifung der Bastionen' hieß eine berühmte Programmschrift aus den fünfziger Jahren."

Der Basler Studentenpfarrer war auch überaus fruchtbar als Übersetzer, Herausgeber und Verleger tätig, bezogen auf die Schriften von Kirchenvätern, Kirchenlehrern und besonders auch auf die damals noch zeitgenössische Literatur des "Renouveau Catholique" mit Werken von Claudel, Bernanos und Péguy. Ein herausragendes Beispiel dafür ist seine Übersetzung von Claudels "Der seidene Schuh". Er wurde so, wie ebenfalls Professor Alois Haas angemerkt hat, "zum vielleicht wichtigsten Vermittler französischer Spiritualität nach Deutschland".

Adrienne von Speyr

1947 gründete er den glücklicherweise bis heute bestehenden Johannes Verlag Einsiedeln. 1940 konvertierte die Ärztin Adrienne von Speyr bei Balthasar zur katholischen Kirche. Die Begegnung mit ihr war profund entscheidend für den weiteren Lebensweg beider. Sie führte auch zur Gründung des Säkularinstitutes Johannesgemeinschaft und 1950 zum von ihm nicht gewollten Austritt Balthasars aus dem Jesuitenorden. Diese Trennung blieb für ihn bis zuletzt eine offene Wunde, denn er empfand sich weiterhin als ein treuer Sohn des heiligen Ignatius von Loyola, dem er später - im Jahr 1975 - das kleine Buch "Katholisch", eine Sammlung "unzeitgemäßer Fragmente", gewidmet hat. Das Wissen um die mystischen Erfahrungen Adriennes von Speyr wurde für ihn so wesentlich, dass er ihr Werk in 60 Bänden herausgab und es zusammen mit seinem eigenen riesigen Werk als gemeinsamen Auftrag ansah. Bis zuletzt bedrängte ihn die Sorge, es könnte nach seinem Tod erfolgreiche Versuche geben, beides voneinander zu trennen. Das Zusammenwirken beider hat wohl auch zu Balthasars oft wiederholtem Postulat geführt, die Theologie müsse sich immer wieder von einer sitzenden in eine kniende Theologie verwandeln. Diesem Postulat hat er selbst gewiss getreu entsprochen, obwohl sein theologisch-literarisches Werk nur durch größte Disziplin im Verharren am Schreibtisch möglich war, wo mehr als 80 eigene Bücher, an die hundert Übersetzungen und mehrere hundert Aufsätze entstanden sind und wo die täglich in großer Zahl andrängende Post meist am selben Tag und dazu noch handschriftlich erledigt wurde. Die Zeit im Haus in der Boecklinstraße in Basel wurde auch immer wieder unterbrochen durch Verpflichtungen im In- und Ausland zu Vorträgen, Exerzitien und Teilnahme an Kommissionen, Konferenzen und anderem mehr.

Eine selten anzutreffende Begabung zum Hören und Schauen war ihm eigen: zum Hören auf Gottes Wort und auf kostbare Worte von Menschen, zum Hören besonders auch auf Musik. Er liebte - ebenso wie der ihm schließlich besonders verbundene Karl Barth - vor allem die Musik Mozarts und er war auch ein begabter Pianist, der zum Klavierspiel in den späten Jahren freilich kaum noch Zeit fand. Seine Fähigkeit zu einem einfühlenden Schauen mit offenen Augen führte zu einer immer ausgeprägteren "Schau der Gestalt" im Blick auf Heilige und auf große Künstler und Denker. Die Kraft zu synthetischer Zusammenschau vieler Themen und zu symphonischer Zusammenführung vieler Stimmen war ihm ebenso eigen wie die Fähigkeit zur Kritik: zu einer Kritik im Dienst einer Prüfung und Unterscheidung der Geister, die manchmal freilich unnötig schroff ausfiel.

Kritik im Dienst der Prüfung

Seit 1960 arbeitete Balthasar an einer Trilogie, die er in 15 Bänden auch vollenden und 1987 mit einem Epilog versehen konnte. Die drei Teile dieses riesigen Werkes tragen die Titel "Herrlichkeit", "Theodramatik" und "Theologik" und handeln vom Sich-Zeigen, Sich-Geben und Sich-Sagen des Wahren, Guten und Schönen im Ineinander von menschlichem und göttlichem Sein.

Was Balthasar über das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit, über Sünde, Kreuz und Erlösung, über Wahrheit und Liebe gesagt hat, zählt zum Profundesten in der Theologie des 20. Jahrhunderts und vorausgehender Epochen. In all dem wollte er - wie er selbst sagte - nur ein Johannesfinger sein, ein Finger des Täufers Johannes, der am Karfreitagsbild des Isenheimer Altars auf Christus hinzeigt. Und dazu ein Finger des Jüngers Johannes, dem Christus - sterbend am Kreuz - seine Mutter Maria auch als Inbild der Kirche anvertraut hat. Das Werk Balthasars ist in seiner katholischen Weite, Tiefe und Fülle ein Schatz, um dessen Hebung sich heute gerade junge Theologen zukunftsweisend bemühen. Es weist einen Weg, der aus einer weit verbreiteten Verflachung von Leben und Glauben herausführen kann.

Der Autor ist Bischof von Graz-Seckau und stellv. Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz.

BUCHTIPP:

KLEINE HINFÜHRUNG ZU HANS URS VON BALTHASAR

Von Werner Löser SJ

Verlag Herder, Freiburg 2005

184 Seiten, TB, e 11,90

Hans Urs von Balthasar - Katholische Weite in Tiefe und Fülle. Zum 100. Geburtstag.

Der 100. Geburtstag von Hans Urs von Balthasar ist vielerorts in Europa, aber auch in anderen Kontinenten, Anlass zu einer respektvollen und dankbaren Würdigung von Persönlichkeit und Werk dieses Schweizer Theologen. Er gilt als einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts, und ein anderer Großer, nämlich Henri de Lubac, nannte ihn "den vielleicht gebildetsten Menschen unserer Zeit". In Luzern wurde er am 12. August 1905 als Spross einer alten, hochverdienten Patrizierfamilie geboren. In Basel, wo er seit dem Jahr 1940 gelebt hatte, ist er am Morgen des 26. Juni 1988 als gegen seinen demütigen Widerstand erwählter Kardinal zwei Tage vor der formellen Bekleidung mit dem Purpur völlig unerwartet gestorben.

"Dieser stille Mann in Basel" - so hatte ihn der österreichische Kulturphilosoph Friedrich Heer viele Jahre vorher charakterisiert - glich in manchem dem heiligen "Hieronymus im Gehäuse" auf dem meisterhaften Kupferstich Albrecht Dürers, über den Balthasar selbst so geschrieben hatte: "Er arbeitet in vollkommener Einsamkeit, aber für die Kirche, wie alles sozial Fruchtbare zuletzt aus der Einsamkeit der Person in Gott mit dem Weltanliegen Gottes hervorgeht."

Sein "Feigenbaum"

Die 35 Jahre vor der Zeit in Basel waren nach dem Besuch der Gymnasien in Engelberg und Feldkirch geprägt durch Studien der Germanistik und Philosophie in Wien, Berlin und Zürich und durch eine starke Zuwendung zu Musik und Theater. Über das jähe Erlebnis der Berufung Balthasars zum Priester und Ordensmann hat der damalige Kardinal Joseph Ratzinger am 1. Juli 1988 beim Requiem in der Luzerner Hofkirche wörtlich gesagt: "Er studierte Germanistik, seine Wahl schwankte zwischen Musik und Literatur, bis er seinen Feigenbaum' fand: Unter einem Baum in einem abgelegenen Waldstück nahe bei Basel überfiel ihn der Blitz der Gewissheit: du musst Priester werden, du musst ignatianisch werden."

1929 trat er in den Jesuitenorden ein. Besonders inspirierend waren die vier Studienjahre in Lyon, geprägt durch große Lehrer und hellwache, geniale junge Mitbrüder. Der hier immer neu unternommene Gang zurück zu den Quellen des Glaubens in der Bibel und im Werk der Kirchenväter und die gleichzeitige Befassung des jungen Jesuiten mit großer Philosophie von Kant bis Heidegger durchbrach die Krusten der Neuscholastik und wurde ungemein fruchtbar für sein ganzes späteres Schaffen. In den Jahren 1940 bis 1949 wirkte er als Studentenseelsorger in Basel. Der geistlichen Begleitung vor allem junger Menschen in der Schweiz und im Ausland hat er auch später und bis an sein Lebensende viel Zeit gewidmet. Die von ihm mitbegründete Studentische Schulungsgemeinschaft und die Akademische Arbeitsgemeinschaft wurden zu einem bis heute tragenden Netz. Besonders die katholische Kirche in der Schweiz hat oder hätte daher dem priesterlichen Seelsorger Hans Urs von Balthasar viel zu danken. Einer breiten Öffentlichkeit in diesem Land war diese Tatsache aber nicht bekannt und ist wohl bis heute verborgen geblieben. Dies gilt auch für Balthasars Beitrag zum II. Vatikanischen Konzil, zu welchem er nicht als theologischer Berater berufen wurde.

Warner vor dem Zeitgeist

Alois Haas, Professor für Germanistik in Zürich, hat 1988 angemerkt: "Da der stille Mann in Basel' nach dem Konzil vielfach als Kirchen-Kritiker, als Warner vor geländegängigen Anpassungen an den Zeitgeist auftrat", ist weitgehend vergessen worden, dass er "gemeinsam mit so verschiedenen Geistern wie Romano Guardini, Karl Rahner und Henri de Lubac geholfen hat, das Klima vorzubereiten, in dem das Konzil vonstatten ging. Schon früh hatte er eine offene, eine missionarische Kirche gefordert: Schleifung der Bastionen' hieß eine berühmte Programmschrift aus den fünfziger Jahren."

Der Basler Studentenpfarrer war auch überaus fruchtbar als Übersetzer, Herausgeber und Verleger tätig, bezogen auf die Schriften von Kirchenvätern, Kirchenlehrern und besonders auch auf die damals noch zeitgenössische Literatur des "Renouveau Catholique" mit Werken von Claudel, Bernanos und Péguy. Ein herausragendes Beispiel dafür ist seine Übersetzung von Claudels "Der seidene Schuh". Er wurde so, wie ebenfalls Professor Alois Haas angemerkt hat, "zum vielleicht wichtigsten Vermittler französischer Spiritualität nach Deutschland".

Adrienne von Speyr

1947 gründete er den glücklicherweise bis heute bestehenden Johannes Verlag Einsiedeln. 1940 konvertierte die Ärztin Adrienne von Speyr bei Balthasar zur katholischen Kirche. Die Begegnung mit ihr war profund entscheidend für den weiteren Lebensweg beider. Sie führte auch zur Gründung des Säkularinstitutes Johannesgemeinschaft und 1950 zum von ihm nicht gewollten Austritt Balthasars aus dem Jesuitenorden. Diese Trennung blieb für ihn bis zuletzt eine offene Wunde, denn er empfand sich weiterhin als ein treuer Sohn des heiligen Ignatius von Loyola, dem er später - im Jahr 1975 - das kleine Buch "Katholisch", eine Sammlung "unzeitgemäßer Fragmente", gewidmet hat. Das Wissen um die mystischen Erfahrungen Adriennes von Speyr wurde für ihn so wesentlich, dass er ihr Werk in 60 Bänden herausgab und es zusammen mit seinem eigenen riesigen Werk als gemeinsamen Auftrag ansah. Bis zuletzt bedrängte ihn die Sorge, es könnte nach seinem Tod erfolgreiche Versuche geben, beides voneinander zu trennen. Das Zusammenwirken beider hat wohl auch zu Balthasars oft wiederholtem Postulat geführt, die Theologie müsse sich immer wieder von einer sitzenden in eine kniende Theologie verwandeln. Diesem Postulat hat er selbst gewiss getreu entsprochen, obwohl sein theologisch-literarisches Werk nur durch größte Disziplin im Verharren am Schreibtisch möglich war, wo mehr als 80 eigene Bücher, an die hundert Übersetzungen und mehrere hundert Aufsätze entstanden sind und wo die täglich in großer Zahl andrängende Post meist am selben Tag und dazu noch handschriftlich erledigt wurde. Die Zeit im Haus in der Boecklinstraße in Basel wurde auch immer wieder unterbrochen durch Verpflichtungen im In- und Ausland zu Vorträgen, Exerzitien und Teilnahme an Kommissionen, Konferenzen und anderem mehr.

Eine selten anzutreffende Begabung zum Hören und Schauen war ihm eigen: zum Hören auf Gottes Wort und auf kostbare Worte von Menschen, zum Hören besonders auch auf Musik. Er liebte - ebenso wie der ihm schließlich besonders verbundene Karl Barth - vor allem die Musik Mozarts und er war auch ein begabter Pianist, der zum Klavierspiel in den späten Jahren freilich kaum noch Zeit fand. Seine Fähigkeit zu einem einfühlenden Schauen mit offenen Augen führte zu einer immer ausgeprägteren "Schau der Gestalt" im Blick auf Heilige und auf große Künstler und Denker. Die Kraft zu synthetischer Zusammenschau vieler Themen und zu symphonischer Zusammenführung vieler Stimmen war ihm ebenso eigen wie die Fähigkeit zur Kritik: zu einer Kritik im Dienst einer Prüfung und Unterscheidung der Geister, die manchmal freilich unnötig schroff ausfiel.

Kritik im Dienst der Prüfung

Seit 1960 arbeitete Balthasar an einer Trilogie, die er in 15 Bänden auch vollenden und 1987 mit einem Epilog versehen konnte. Die drei Teile dieses riesigen Werkes tragen die Titel "Herrlichkeit", "Theodramatik" und "Theologik" und handeln vom Sich-Zeigen, Sich-Geben und Sich-Sagen des Wahren, Guten und Schönen im Ineinander von menschlichem und göttlichem Sein.

Was Balthasar über das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit, über Sünde, Kreuz und Erlösung, über Wahrheit und Liebe gesagt hat, zählt zum Profundesten in der Theologie des 20. Jahrhunderts und vorausgehender Epochen. In all dem wollte er - wie er selbst sagte - nur ein Johannesfinger sein, ein Finger des Täufers Johannes, der am Karfreitagsbild des Isenheimer Altars auf Christus hinzeigt. Und dazu ein Finger des Jüngers Johannes, dem Christus - sterbend am Kreuz - seine Mutter Maria auch als Inbild der Kirche anvertraut hat. Das Werk Balthasars ist in seiner katholischen Weite, Tiefe und Fülle ein Schatz, um dessen Hebung sich heute gerade junge Theologen zukunftsweisend bemühen. Es weist einen Weg, der aus einer weit verbreiteten Verflachung von Leben und Glauben herausführen kann.

Der Autor ist Bischof von Graz-Seckau und stellv. Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz.

BUCHTIPP:

KLEINE HINFÜHRUNG ZU HANS URS VON BALTHASAR

Von Werner Löser SJ

Verlag Herder, Freiburg 2005

184 Seiten, TB, e 11,90