Beuys - © Foto: Pixelstorm, Wien / Bildrecht, Wien 2021

Joseph Beuys: Tote Hasen und Honigbienen

1945 1960 1980 2000 2020

Sobald das Belvedere 21 wieder öffnet, sollte man die Gelegenheit nutzen, um dort in die Gedankenwelt von Joseph Beuys einzutauchen.

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Sobald das Belvedere 21 wieder öffnet, sollte man die Gelegenheit nutzen, um dort in die Gedankenwelt von Joseph Beuys einzutauchen.

Einst waren sie ein bissiger Kommentar eines berühmten Künstlers zu dem Plan, das Museum Moderner Kunst im Palais Liechtenstein unterzubringen: drei Regenrinnen, ein Tisch, ein Sessel, eine Glühbirne, ein Kübel voller Seifenreste. Was Joseph Beuys als „Basisraum Nasse Wäsche“ bezeichnete und mit der Aussage garnierte, man möge doch im Palais vorzugsweise eben nasse Wäsche aufhängen, deren Tropfen über die Jahrzehnte das feudale Ambiente zersetzen, ist heute als stumme, beredte Zeugen seines Kunstverständnisses im Belvedere 21 zu sehen. Da sich Joseph Beuys’ Geburtstag heuer zum 100. Mal jährt, wollte man dem Künstler und Horizonterweiterer eine von rund 30 Ausstellungen weltweit widmen, im Belvedere 21 konzentriert man sich vor allem auf die Beziehung Beuys’ zu Wien.

Wien als Inspiration

Zwar seien die Aufenthalte in dieser Stadt abzählbar, „aber es hat sich gefügt, dass er gerade in Wien einige seiner wichtigsten Arbeiten realisiert hat“, beschreibt Belvedere-Direktorin Stella Rollig. Just die geopolitisch exponierte Lage zur Zeit des Kalten Krieges habe es ihm angetan: „Er wollte immer an Spannungsmomenten teilnehmen, diese waren der Motor für seine Aktionen“, erklärt Kurator Harald Krejci. Besonders offensichtlich wurde dies Ende der 60er Jahre in der Aktion „Eurasien stab 82 min fluxorum organum op. 39“, die er in der Galerie nächst St. Stephan ausführte. Mit einem Hirtenstab-ähnlichen Ding, das die spirituelle Kraft weiterleiten sollte, glitt er vier Filzwinkel entlang bis zu einer „Fettecke“, um das Zusammenführen zwischen Ost und West anzuzeigen.

Via Videos und Fotos werden mehrere wichtige Aktionen eines Künstlers präsent gemacht, der Kunst als Arbeit (an) der Gesellschaft betrachtete und auch neue Maßstäbe in der Vermittlung setzte – so steht am Beginn der Ausstellung ein Film einer Aktion, in der er einem toten Hasen Kunst erklärt. Für ihn waren einerseits Tiere ein wichtiges Thema – wie auch in der ebenfalls in Wien zu sehenden, dystopisch anmutenden Installation „Hirschdenkmäler“ offensichtlich wird –, andererseits ging es ihm um ein besonderes Kunstverständnis, das er vielen vermitteln wollte.

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