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Bildung

In die Offensive mit Verordnung und USB-Stick

1945 1960 1980 2000 2020
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Bildungsministerin Claudia Schmied bekam für ihr Projekt, die Zentralmatura, bisher schlechte Noten. Jetzt soll eine Verordnung regulieren und eine Informationskampagne beruhigen.

Ovid findet seine Geliebte wunderschön (A). Ovid glaubt, ohne seine Geliebte leben zu können (B). Ovid wünscht sich, seine Geliebte wäre weniger schön (C). Ovid hält sich trotz der Untreue seiner Geliebten für glücklich (D). - Welche der vier Antworten auf den Interpretationstext, Ovids Ars armatoria, zutrifft, darf weder das Publikum noch der Telefonjoker beantworten. Das müssen die Schüler alleine schaffen. Obwohl sie nicht wirklich alleine damit sind. Denn bald werden alle Lateinmaturanten in ganz Österreich zum selben Zeitpunkt über denselben Fragen brüten.

In zwei Jahren wird in den Gymnasien die Zentralmatura, korrekt: "standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung“, eingeführt. Ein Jahr später sind die Berufsbildenden Höheren Schulen dran. Rund 20.000 Gymnasiasten und 24.000 BHS-Schüler werden dann nicht mehr, wie Generationen vor ihnen, Prüfungen schreiben, die langjährigen Klassenlehrer vorbereitet haben. Ihre Aufgaben werden aus der Feder des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE) stammen. Fairer, vergleichbarer und qualitativ hochwertiger soll die Matura sein, wenn sie erst einheitlich ist. Zumindest versucht Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) das seit zwei Jahren zu kommunizieren. So richtig angekommen scheint es bei ihrem Klientel noch nicht zu sein.

Mehr Selbstverantwortung für Schüler

Lehrer-, Schüler- und Elternvertreter haben erst im November die Verschiebung der Zentralmatura in Deutsch und Mathematik verlangt. Als "Versuchskaninchen“ fühlte sich Bundesschulsprecherin Conny Kolmann von der VP-nahen Schülerunion missbraucht. Und selbst AHS-Gewerkschafter Eckhard Quin, der die Zentralmatura grundsätzlich befürwortet, sprach sich für eine Verschiebung um zwei bis drei Jahre aus. Die Vorarbeiten seien noch nicht abgeschlossen, eine seriöse Vorbereitung auf die Prüfung nicht möglich.

Schmied antwortet entschieden: "Am Zeitplan wird nicht gerüttelt“, entgegnet sie und kündigt eine Verordnung an. Noch vor Jahresende soll die in Begutachtung gehen, im Jänner beschlossen und den Schulen weitergeleitet werden. 2012 erklärt die Ministerin zum "Jahr der Umsetzung“, in dem sie sich darauf konzentriere, dass alle 41 Regierungsvorlagen, die sie eingeleitet habe, gut in den Klassenzimmern ankommen.

Der Informationsfluss zwischen Ministerium und Lehrerzimmer scheint bisher nämlich eine der größten Hürden bei der Maturareform zu sein. Im ersten Halbjahr 2012 wird die Ministerin deshalb auf Österreich-Tour gehen, um in den Schulen für die neue Matura zu werben. Mit Beginn des nächsten Schuljahres werden alle Lehrer einen USB-Stick mit gesammelten Informationen zu ihrem Maturafach bekommen. Und die Website des BIFIE wird laufend um neue Materialien ergänzt. "Schon jetzt gibt es in allen zentralen Prüfungsfächern Testbeispiele und Übungsmaterial“, meint Gabriele Friedl-Lucyshyn, Leiterin des Wiener BIFIE-Zentrums: "Niemand ist ein Versuchskaninchen: Jede einzelne Prüfungsfrage wird in jedem Jahrgang bei einer repräsentativen Feldtestung erprobt.“

Größer als für die Schüler, die die Matura im besten Fall nur ein Mal in ihrem Leben machen, wird die Umstellung sowieso für die Lehrer. "Die müssen sich in ihrer Haltung zunehmend als Begleiter der Schüler wahrnehmen. Das Prinzip der Selbstverantwortung wird im Schulsystem stärker verankert“, sagt Schmied. Statt Detailwissen sollen bei der neuen Matura Kompetenzen geprüft werden. Daher muss fallweise auch der Unterricht angepasst werden.

Nächste Schritte bei Volksbegehren

Etwa zeitgleich wie die Lehrer wird sich auch der Nationalrat mit Neuerungen im Bildungssystem beschäftigen. Voraussichtlich am 18. Jänner wird die erste Lesung des Bildungsvolksbegehrens im Parlament stattfinden. Dann wird der zuständige Ausschuss damit befasst - die Initiatoren wünschen sich dafür genau wie Parlamentspräsidentin Barbara Prammer einen "besonderen Ausschuss“ (siehe FURCHE 46/2011). Kommenden Montag findet das nächste Vernetzungstreffen der Initiatoren statt, wo weitere strategische Schritte besprochen werden. Vielleicht einigt man sich dort auch auf eine Position zur Zentralmatura. Die gibt es bislang nämlich nicht.

Bildungsministerin Claudia Schmied bekam für ihr Projekt, die Zentralmatura, bisher schlechte Noten. Jetzt soll eine Verordnung regulieren und eine Informationskampagne beruhigen.

Ovid findet seine Geliebte wunderschön (A). Ovid glaubt, ohne seine Geliebte leben zu können (B). Ovid wünscht sich, seine Geliebte wäre weniger schön (C). Ovid hält sich trotz der Untreue seiner Geliebten für glücklich (D). - Welche der vier Antworten auf den Interpretationstext, Ovids Ars armatoria, zutrifft, darf weder das Publikum noch der Telefonjoker beantworten. Das müssen die Schüler alleine schaffen. Obwohl sie nicht wirklich alleine damit sind. Denn bald werden alle Lateinmaturanten in ganz Österreich zum selben Zeitpunkt über denselben Fragen brüten.

In zwei Jahren wird in den Gymnasien die Zentralmatura, korrekt: "standardisierte kompetenzorientierte Reifeprüfung“, eingeführt. Ein Jahr später sind die Berufsbildenden Höheren Schulen dran. Rund 20.000 Gymnasiasten und 24.000 BHS-Schüler werden dann nicht mehr, wie Generationen vor ihnen, Prüfungen schreiben, die langjährigen Klassenlehrer vorbereitet haben. Ihre Aufgaben werden aus der Feder des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE) stammen. Fairer, vergleichbarer und qualitativ hochwertiger soll die Matura sein, wenn sie erst einheitlich ist. Zumindest versucht Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) das seit zwei Jahren zu kommunizieren. So richtig angekommen scheint es bei ihrem Klientel noch nicht zu sein.

Mehr Selbstverantwortung für Schüler

Lehrer-, Schüler- und Elternvertreter haben erst im November die Verschiebung der Zentralmatura in Deutsch und Mathematik verlangt. Als "Versuchskaninchen“ fühlte sich Bundesschulsprecherin Conny Kolmann von der VP-nahen Schülerunion missbraucht. Und selbst AHS-Gewerkschafter Eckhard Quin, der die Zentralmatura grundsätzlich befürwortet, sprach sich für eine Verschiebung um zwei bis drei Jahre aus. Die Vorarbeiten seien noch nicht abgeschlossen, eine seriöse Vorbereitung auf die Prüfung nicht möglich.

Schmied antwortet entschieden: "Am Zeitplan wird nicht gerüttelt“, entgegnet sie und kündigt eine Verordnung an. Noch vor Jahresende soll die in Begutachtung gehen, im Jänner beschlossen und den Schulen weitergeleitet werden. 2012 erklärt die Ministerin zum "Jahr der Umsetzung“, in dem sie sich darauf konzentriere, dass alle 41 Regierungsvorlagen, die sie eingeleitet habe, gut in den Klassenzimmern ankommen.

Der Informationsfluss zwischen Ministerium und Lehrerzimmer scheint bisher nämlich eine der größten Hürden bei der Maturareform zu sein. Im ersten Halbjahr 2012 wird die Ministerin deshalb auf Österreich-Tour gehen, um in den Schulen für die neue Matura zu werben. Mit Beginn des nächsten Schuljahres werden alle Lehrer einen USB-Stick mit gesammelten Informationen zu ihrem Maturafach bekommen. Und die Website des BIFIE wird laufend um neue Materialien ergänzt. "Schon jetzt gibt es in allen zentralen Prüfungsfächern Testbeispiele und Übungsmaterial“, meint Gabriele Friedl-Lucyshyn, Leiterin des Wiener BIFIE-Zentrums: "Niemand ist ein Versuchskaninchen: Jede einzelne Prüfungsfrage wird in jedem Jahrgang bei einer repräsentativen Feldtestung erprobt.“

Größer als für die Schüler, die die Matura im besten Fall nur ein Mal in ihrem Leben machen, wird die Umstellung sowieso für die Lehrer. "Die müssen sich in ihrer Haltung zunehmend als Begleiter der Schüler wahrnehmen. Das Prinzip der Selbstverantwortung wird im Schulsystem stärker verankert“, sagt Schmied. Statt Detailwissen sollen bei der neuen Matura Kompetenzen geprüft werden. Daher muss fallweise auch der Unterricht angepasst werden.

Nächste Schritte bei Volksbegehren

Etwa zeitgleich wie die Lehrer wird sich auch der Nationalrat mit Neuerungen im Bildungssystem beschäftigen. Voraussichtlich am 18. Jänner wird die erste Lesung des Bildungsvolksbegehrens im Parlament stattfinden. Dann wird der zuständige Ausschuss damit befasst - die Initiatoren wünschen sich dafür genau wie Parlamentspräsidentin Barbara Prammer einen "besonderen Ausschuss“ (siehe FURCHE 46/2011). Kommenden Montag findet das nächste Vernetzungstreffen der Initiatoren statt, wo weitere strategische Schritte besprochen werden. Vielleicht einigt man sich dort auch auf eine Position zur Zentralmatura. Die gibt es bislang nämlich nicht.