#10 Ei sucht Becher

1945 1960 1980 2000 2020

Warum schenken als Kind einfacher war.

1945 1960 1980 2000 2020

Warum schenken als Kind einfacher war.

Der April ist in meiner Familie geschenktechnischer Super-GAU. Drei Geburtstage, zwischendurch Ostern und in den Wochen darauf Mutter- und Vatertag. Für schlechte Schenker wie mich keine gute Zeit. Zwar verschenke ich gerne, aber nur, wenn ich der Meinung bin, etwas Passendes gefunden zu haben. Und dafür müsste ich rechtzeitig auf die Suche gehen, was übersetzt bedeutet: ständig. Denn kaum ist ein Feiertag erledigt, kündigt sich schon der nächste Geburtstag im Freundes- und Verwandtenkreis an. Mittlerweile hat sich mein Umfeld daran gewöhnt, nicht immer oder nicht immer pünktlich etwas von mir zu bekommen.

Als Kind war das wesentlich einfacher. Zumindest für anstehende Festtage wurden in der Schule automatisch diverse Bastelmaterialien zu einem unbrauchbaren Staubfänger zusammengeklebt, den man stolz überreichen konnte. Und auch die Beschenkten fanden die in selbstständiger Arbeit geschaffenen, mehr oder weniger kreativen Schöpfungen großartig. Meine Mutter freute sich über den von mir getöpferten Eierbecher, auch wenn gar kein Ei hineinpasste. Mein Vater freute sich über die Obstschüssel, für die meine ältere Schwester Jahr für Jahr ein weiteres Stück häkelte. Der Stiftehalter aus leeren Actimel-Dosen und Toilettenpapierrollen, den mein Bruder einmal produzierte, steht heute noch am Schreibtisch meiner Eltern. Und ich hab die Halskette aus Wolle, für die meine kleine Schwester sogar einen Anhänger aus Karton gefertigt hatte, bestimmt zweimal getragen.

Als Erwachsener kommt man damit nicht mehr durch. Selbstgemachtes muss nun außerordentlich sein, um weitergegeben werden zu können. Etwas Durchschnittliches herschenken? Peinlich. Als ich nach Wien gezogen bin, hat mir meine Oma ein paar Topflappen gehäkelt – knall orange und wahnsinnig hässlich. Ich verwende sie trotzdem lieber, als die schicken aus dem Einrichtungshaus. Und dann denke ich immer kurz an meine Oma, wie sie für ihre zahlreichen Enkelkinder stapelweise Topflappen fabriziert. Einer farblich grenzwertiger als der andere. Vielleicht probiere ich es noch einmal mit dem Eierbecher. Dann wäre es immerhin ein Set.

Der April ist in meiner Familie geschenktechnischer Super-GAU. Drei Geburtstage, zwischendurch Ostern und in den Wochen darauf Mutter- und Vatertag. Für schlechte Schenker wie mich keine gute Zeit. Zwar verschenke ich gerne, aber nur, wenn ich der Meinung bin, etwas Passendes gefunden zu haben. Und dafür müsste ich rechtzeitig auf die Suche gehen, was übersetzt bedeutet: ständig. Denn kaum ist ein Feiertag erledigt, kündigt sich schon der nächste Geburtstag im Freundes- und Verwandtenkreis an. Mittlerweile hat sich mein Umfeld daran gewöhnt, nicht immer oder nicht immer pünktlich etwas von mir zu bekommen.

Als Kind war das wesentlich einfacher. Zumindest für anstehende Festtage wurden in der Schule automatisch diverse Bastelmaterialien zu einem unbrauchbaren Staubfänger zusammengeklebt, den man stolz überreichen konnte. Und auch die Beschenkten fanden die in selbstständiger Arbeit geschaffenen, mehr oder weniger kreativen Schöpfungen großartig. Meine Mutter freute sich über den von mir getöpferten Eierbecher, auch wenn gar kein Ei hineinpasste. Mein Vater freute sich über die Obstschüssel, für die meine ältere Schwester Jahr für Jahr ein weiteres Stück häkelte. Der Stiftehalter aus leeren Actimel-Dosen und Toilettenpapierrollen, den mein Bruder einmal produzierte, steht heute noch am Schreibtisch meiner Eltern. Und ich hab die Halskette aus Wolle, für die meine kleine Schwester sogar einen Anhänger aus Karton gefertigt hatte, bestimmt zweimal getragen.

Als Erwachsener kommt man damit nicht mehr durch. Selbstgemachtes muss nun außerordentlich sein, um weitergegeben werden zu können. Etwas Durchschnittliches herschenken? Peinlich. Als ich nach Wien gezogen bin, hat mir meine Oma ein paar Topflappen gehäkelt – knall orange und wahnsinnig hässlich. Ich verwende sie trotzdem lieber, als die schicken aus dem Einrichtungshaus. Und dann denke ich immer kurz an meine Oma, wie sie für ihre zahlreichen Enkelkinder stapelweise Topflappen fabriziert. Einer farblich grenzwertiger als der andere. Vielleicht probiere ich es noch einmal mit dem Eierbecher. Dann wäre es immerhin ein Set.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

Ihre wöchentliche Portion Digital Dirndl

Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau