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Unser Kulturinstitut in Rom

Es ist durchaus kein Zufall, daß der in seiner Form zeitlose Bau des österreichischen Kulturinstituts in Rom, den der Wiener Dombaumeister Prof. Holey in den Jahren 1935 bis 1937 errichtet hat, eingebettet in wucherndem Grün südlicher Gärten, inmitten eines stillen römischen Villenviertels liegt: Von der breiten Sonnenterrasse blickt man auf nahe Dächer von Bauten, die die Kunst- und wissenschaftlichen Akademien der verschiedenen Länder beherbergen, wie etwa die Belgiens, Hollands, Schwedens, Englands und der jetzt verwaisten Akademie Rumäniens; diese sinnvolle Nachbarschaft verdankt Österreich der Schenkungsurkunde des italienischen Staates, der den Baugrund im Jahre 1935 zur Verfügung stellte und darüber hinaus die Erbauung durch seine finanzielle Hilfe ermöglichte.

Es ist nicht uninteressant, daß das „österreichische Historische Institut“, wie es ursprünglich genannt wurde, neben der „Ecole Francaise“ als Zweitälteste Anstalt für historische Forschungen in Rom gegründet wurde. Als Papst Leo XIII. im Jahre 1881 die päpstlichen Archive einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte, erreichte Theodor von Sickel, der hochverdiente Leiter des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, in einer Privataudienz bei Kaiser Franz Joseph, daß der Herrscher aus seiner Privatschatulle die nötigen finanziellen Mittel zur Errichtung des Instituts gewährte. Dem In-

stitut, das inmitten der Stadt lag, fiel die Aufgabe zu, eine geistige Elite von Wissenschaftlern in Studien heranzubilden, zu denen die päpstlichen und sonstigen Archive Roms reichste Gelegenheit boten. Die Personenauswahl wurde aus den Werkstätten der Geisteswissenschaften getroffen, der Geschichte — hier vor allem wieder der Mittleren und Neueren Geschichte —, der Kunstgeschichte, der Archäologie, Romanistik und Rechtsgeschichte. Den Stipendisten wurde ermöglicht, ihren Studien auf Staatskosten in Rom nachzugehen und sich so ein Wissen anzueignen, das sie dann zu berufenen Lehrern an den österreichischen Hochschulen befähigte.

Dieser Aufgabe ist das Institut — mit einer kurzen Unterbrechung während des ersten Weltkrieges ■— bis zum Jahre 1938 in schönem Maße gerecht geworden. Fast alle österreichischen Gelehrten der genannten Fächer, die sich innerhalb dieser Epoche einen Namen machten, haben als Stipendisten dem österreichischen Historischen Institut in Rom angehört: so Franz Wickhoff, Moritz Dreger, Max Dworak, E. von Ottenthai, Oskar Pollak, Alois Riegl, Julius von Schlosser, Moritz Thausing und andere mehr. Als Leiter und Förderer standen dem Institut in dieser Zeit vor: sein Gründer Theodor von Sickel, auf ihn folgend Ludwig Pastor und endlich bis zum Jahre 1938 Ignaz Philipp Dengel. Die Studien und Arbeiten dieser Wissenschaftler waren nicht nur für den engen Rahmen des Instituts und

Österreich von weittragender Bedeutung, sondern für die gesamteuropäische Wissenschaft und Geschichtsforschung überhaupt. Arbeiten, wie die grundlegende Erforschung des päpstlichen Kurienwesens, der gesamten mittelalterlichen Papstgeschichte im engeren Sinne und der österreichischen, also mitteleuropäischen Reichsgeschichte im besonderen, sind hier als wichtige Bausteine der gesamten europäischen Geschichtsforschung zusammengetragen worden. So kann das österreichische Historische Institut in vollen, Ehren neben den anderen nationalen Akademien, unter denen das Preußisch-Historische Institut und die als Privatstiftung gegründete „Hertziana“ besonders hervorzuheben sind, bestehen.

1935 wurde dann auf Grund eines Gegenseitigkeitsvertrages zwischen Italien und Österreich der Aufgabenkreis des Instituts bedeutend erweitert und durch seine nunmehrige Bezeichnung als .österreichisches Kulturinstitut“ im allgemeinen festgelegt. Dem neuen Institut obliegt nicht mehr die Förderung der Geisteswissenschaften allein, sondern auch die Pflege aller Gebiete, die den kulturellen Schatz der österreichischen Nation darstellen. So wurden in dem jetzigen neuen Gebäude des Instituts helle, geräumige Ateliers für österreichische bildende Künstler und Maler geschaffen und in einem schöngestalteten kleinen Saal die Möglichkeit für Vorträge aller Art geboten. Selbstverständlicher Zweck eines solchen Instituts ist es ja, alles, was Österreichs Kultur schafft, mit anderen, vorzugsweise jedoch italienischen Kulturkreisen in enge Fühlungnahme zu bringen. Dazu dienen vor allem jene Veranstaltungen, die im Rahmen kleiner Feiern, Vorträge oder musikalische Darbietungen bringen, wobei den ausländischen Gästen in geselligem Zusammensein Gelegenheit geboten wird, die kulturelle Bindung zu Österreich zu pflegen und zu vertiefen.

Das Institut beherbergte in dem vergangenen Studienjahr wieder vier Stipendisten, einen Historiker für mittelalterliche und einen für neuzeitliche Geschichte, einen Prähistoriker, der sich vor allem mit der Etruskerforschung befaßt, sowie zwei Archäologen. Diesen jungen Wissenschaftern wurde während ihres mehrmonatigen Aufenthaltes ermöglicht, die Arbeiten ihrer berühmten Vorgänger zu ergänzen und fortzusetzen. Neben ihnen erfuhren auch andere Wissenschaftler, die zum Teil italienische Stipendien erhalten hatten, und auch Künstler, denen im Institut Wohnräume und Ateliers zur

Verfügung gestellt wurden, die Förderung des Instituts. Dadurch wurde vor allem den Künstlern — einem Maler und einem Bildhauer — erst eine systematische Arbeit ermöglicht, mit der diese ebenfalls nicht wenig dazu beitragen, dem Namen Österreichs wieder jene Weltgeltung zu verschaffen, die ihm gebührt.

Umfangreiche Vorarbeiten sind für eine noch in diesem Herbst geplante große Buchausstellung getroffen. Ein

Film, der auf Grund eines vom Bundesministerium für Unterricht zur Verfügung gestellten Fonds über Vorschlag des Instituts gedreht wurde, stellt einen filmischen Bericht über die etruskischen Baudenkmäler dar und schildert den Einfluß, den dieses Volk, das um die Wende des ersten Jahrtausends vor Christi den mittleren Westen Italiens besiedelte, auf die gesamte kulturelle Entwicklung Europas ausübte. Der Film, der in monatelanger sorgsamer Arbeit von den Stipendisten des Instituts ausgearbeitet wurde, bringt bedeutsame und interessante Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit näher. Die Leitung des Museums im Valle Giulia lieh der Arbeit eine außerordentlich freundliche Unterstützung. Der Film, dessen künstlerische Gestaltung unter der Leitung von Dr. Max Zehenthofer steht, soll anläßlich der Salzburger Kulturfilmwoche im kommenden Herbst uraufgeführt werden.

Das Arbeitsjahr 1950/51 hat. somit das Institut seinem weitgesteckten Arbeitsziel ein gutes Stück nähergebracht. Mögen sich der Verwirklichung seiner Pläne, zu denen eine Erweiterung der Stipendien auch für Künstler, der Austausch von Gastprofessoren und Studenten, Ferienlager sowie Gastspielreisen bedeutender österreichischer Künstler und noch vieles rriehr gehören, auch noch Schwierigkeiten, vor allem finanzieller Natur, in den Weg stellen, so darf doch schon heute gesagt werden, daß diese wichtige Außenstation österreidiischer Forschung und Kulturarbeit unter ihrem Leiter DDr. Ernst H e f e 1 ihre Sendung in einer Weise erfüllt, auf die jeder Österreicher mit Genugtuung blicken kann.

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