Elvis - © R Getty Images / olls Press / Popperfoto
Literatur

Damals, mit Elvis im Schwimmbad

1945 1960 1980 2000 2020

Schauspieler als Schriftsteller: Nun debütiert auch Willy Brandts Sohn Matthias als Romanautor.

1945 1960 1980 2000 2020

Schauspieler als Schriftsteller: Nun debütiert auch Willy Brandts Sohn Matthias als Romanautor.

Früher, als alles anders war, gaben sich Schauspieler wie Lilo Pulver, Curd Jürgens oder Lilli Palmer damit zufrieden, ihre Memoiren zu Papier zu bringen und sich so an ihre größten Erfolge zu erinnern. Heute scheint das nicht mehr zu reichen. Schauspieler – weibliche Vertreter des Metiers sind in diesem Punkt weitaus weniger verführbar – wollen mit einem Mal selbst den dichterischen Olymp besteigen und nicht mehr auf der Bühne in dienender Funktion verharren. Zudem: Schauspielerruhm verfliegt meist schnell, denn was bleibt, stiften bekanntlich die Dichter. Angespornt durch den – verdienten – Erfolg ihres Kollegen Joachim Meyerhoff und durch Verleger, die hoffen, dass mit einem großen
Namen der schwergängigen Belletristik vielleicht aufzuhelfen ist, wechselte in den letzten Jahren ein ganzes Bataillon der Bühnen- und Leinwandprominenz die Fronten. Ulrich Tukur, Christian Berkel, Andrea Sawatzki, Axel Milberg ... und Matthias Brandt, der 2016 mit dem Band „Raumpatrouille“ debütierte. Gegen dessen Erzählungen war nicht viel einzuwenden, allerdings hätten nur wenige Hähne danach gekräht, wenn der Autor nicht der Sohn des Bundeskanzlers Willy Brandt wäre und die Texte nicht im Bonner Politmilieu der 1970er Jahre gespielt hätten. Mit „Blackbird“, seinem ersten Roman, bleibt der 1961 geborene Brandt in der Epoche seiner Jugend und legt eine klassische Coming-of-Age-Geschichte vor. 1977 ist Morten Schumacher, den alle „Motte“ nennen, fünfzehn und macht durch, was man in diesem Alter als Kleinstadtjugendlicher so durchmacht. Man leidet unter seinen meist peinlichen Eltern (die in Mottes Fall überdies im Begriff sind, sich zu trennen), hört einschlägige Popsongs, spielt Fußball, trinkt jugoslawischen Amselfelder, der nicht bekömmlicher wird, wenn man ihn sich als „Blackbirdfielder“ schönredet, kämpft mit allerlei pubertären Erscheinungen und verliebt sich, unglücklich selbstverständlich.