Reichert - © Foto: Getty Images /ullstein bild / Manfred Roth

Klaus Reichert: Über die Kunst des Übersetzens

1945 1960 1980 2000 2020

Persönliche Erinnerungen, Facetten einer Literaturgeschichte und Reflexionen über die Kunst der Übersetzung: Der Autor, Anglist und Übersetzer Klaus Reichert erzählt vom Scheitern am Schreiben und der Faszination an Sprache und Literatur.

1945 1960 1980 2000 2020

Persönliche Erinnerungen, Facetten einer Literaturgeschichte und Reflexionen über die Kunst der Übersetzung: Der Autor, Anglist und Übersetzer Klaus Reichert erzählt vom Scheitern am Schreiben und der Faszination an Sprache und Literatur.

„Es gibt keinen besseren Autor, um lesen zu lernen,“ schreibt Klaus Reichert über James Joyce. Und: Paul Celans späte Gedichte würde er heute nicht mehr zu interpretieren wagen. Beide Aussagen charakterisieren den Übersetzer, Autor, Wissenschaftler und Lektor Klaus Reichert. Das Inkommensurable reizt ihn, dem Schwierigen, Überkomplexen gilt seine Neugier. Diese ging einher mit Respekt vor der Sprache und vor Kunstwerken, die sich dem Verstehen letztendlich entziehen. Offene Fragen werden ausgehalten, ja, gerade sie sind es, die das Übersetzen und literarische Texte so reizvoll machen.

Es ist diese Haltung, die in Klaus Reicherts Buch „Die Leichtigkeit des Schweren“ spürbar wird, entstanden aus den „Grazer Vorlesungen zur Kunst des Schreibens“, die aufgrund der Pandemie allerdings gar nicht gehalten wurden. Die Texte erzählen einerseits die Verschränkung von Leben und Literatur, die in diesem Fall des Lektors und Professors für Anglistik besonders wirksam war; sie öffnen andererseits anhand einiger Beispiele Fenster zur wundersamen Welt der Literaturübersetzung.

Die Kindheit des 1938 Geborenen war geprägt von Krieg und Nächten im Luftschutzkeller. Aus dem Paradies der Sprache, die ihm unter anderem in den Grimmʼschen Märchen und in den Liedern Paul Gerhardts begegnete, konnte ihn aber niemand vertreiben. Die im Lauf der Jahre folgenden Lektüren und Begegnungen lesen sich wie Facetten einer Literaturgeschichte – und diese wird durch die persönliche Erinnerung besonders gefärbt. So beschreibt Reichert, wie Theodor W. Adorno Zuhörende bei seinen Vorträgen „an der allmählichen Verfertigung der Gedanken“ teilhaben ließ. Und man erfährt, was Ernst Jandl bei einem Treffen mit dem Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld geschah. Dieser sagte zu Jandl, seine Texte seien keine Gedichte, er, Unseld, „wäre aber erbötig, ihm zu zeigen, wie man Gedichte schreibe. Das wars dann.“

Sichtbar wird beim Lesen dieser Erinnerungen aber auch, wie männlich geprägt die hier erzählte Literaturgeschichte ist. All die Klassiker, von denen berichtet wird, sind Männer, angefangen bei Robert Curtius und Erich Auerbach über James Joyce und Walter Benjamin bis zu Samuel Beckett. Nur Virginia Woolf schafft es, einige Male erwähnt zu werden, unter anderem als großartige Essayistin. Am Ende gibt es noch kurze Auftritte von Gertrude Stein und Djuna Barnes.

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