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LITERATUR AUSSTELLEN

1945 1960 1980 2000 2020

LITERATUR KANN MAN LESEN, ABER AUCH AUSSTELLEN. FRÜHER WURDE EINE FÜLLE VON DOKUMENTEN IN ÜBERVOLLEN VITRINEN PRÄSENTIERT. HEUTE DURCHBRECHEN INSZENIERUNGEN IM RAUM GEWOHNTE LESARTEN UND ZEIGEN DIE AKTUALITÄT DER LITERATUR.

1945 1960 1980 2000 2020

LITERATUR KANN MAN LESEN, ABER AUCH AUSSTELLEN. FRÜHER WURDE EINE FÜLLE VON DOKUMENTEN IN ÜBERVOLLEN VITRINEN PRÄSENTIERT. HEUTE DURCHBRECHEN INSZENIERUNGEN IM RAUM GEWOHNTE LESARTEN UND ZEIGEN DIE AKTUALITÄT DER LITERATUR.

Bis vor gar nicht so langer Zeit richteten sich Literaturausstellungen primär bis ausschließlich an ein Fachpublikum. Kundige Archivare und Wissenschafter stellten mit positivistischem Eifer Vitrinen- und Tafelschauen zu ihren speziellen, meist biografisch zentrierten Forschungsgebieten zusammen. Die kleine Forschercommunity erfreute sich an neu aufgefundenem Dokumenten-oder Fotomaterial, und das hatte natürlich jede Berechtigung.

Mitunter erschwerten die Auswirkungen des Horror vacui das Betrachten der überfüllten Vitrinen und die Dichte der Bestückung führte tendenziell den Vitrinencharakter ad absurdum. Denn der gibt eigentlich ein Arrangieren des Materials im abgeschlossenen Raum vor, nicht eine flächendeckende Abdeckung des Vitrinenbodens, als handle es sich dabei um zu beklebende Packpapierbögen. Schließlich vermag auch der notorische Flachwaren-Mix aus Autografen, Typoskripten, Verträgen und Notizzetteln durch entsprechende Präsentation eine ganz eigene dritte "Raumdimension" zu gewinnen, und es ist gerade dieses Auratische der Objekte, das durch eine Überfüllung leicht verdeckt wird.

Unbehagen

Zunehmend begann sich ein Unbehagen zu regen an der positivistischen Orientierung, an der begrenzten Reichweite und an dem immer gleichen Umgang mit der nun einmal überwiegend homogenen Materialität der Exponate: Bücher, Zettel, Fotos, mit allfälligen Devotionalien als Highlights. Natürlich gab es immer wieder absolut bemerkenswerte Ausstellungen, aber auch dann blieb die Öffentlichkeitswirkung in der Regel beschränkt. Vorsichtig begannen auch im Umfeld der vielen neu eingerichteten Gedenkstätten und Dichtermuseen Überlegungen, wie man die Vitrinen-und Tafelorientierung überwinden könnte, etwa mit dem Einsatz medialer Elemente, zunächst waren das meist Tonschleifen.

Die technische Ausstattung war in den Anfängen vor allem eine Kostenfrage. Die Miete von Videorekordern und Bildschirmen - an einen Kauf der Geräte war bis in die 1990er Jahre aus Kostengründen selten zu denken - verschluckte rasch überdimensionierte Teile der Ausstellungsbudgets, auch etwas elaboriertere Beschriftungssysteme waren unverhältnismäßig teuer.

Drucktechnische Dienstleistungen haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten extrem verbilligt und fallen heute in der Budgetierung viel weniger ins Gewicht, vor allem sind den Möglichkeiten der Bedruckstoffe kaum mehr Grenzen gesetzt. Dafür verrechneten Institutionen, Archive und Bibliotheken damals untereinander kaum Leihund Bearbeitungsgebühren: Das hat sich mittlerweile gründlich geändert und ist zum Teil ins Absurd-Unverschämte umgeschlagen.

Als man verstärkt daran ging, Ausstellungen kulturwissenschaftlich und als Form der Literaturvermittlung zu denken, stand auch der vorgebliche Verzicht auf eine Stellungnahme durch eine "neutrale" Präsentation zur Disposition, er war einfach nicht mehr glaubwürdig. Versteht sich die Literaturausstellung als Instrument der Vermittlung, ist sie gut beraten, eine offen dargelegte (Neu) Interpretation des Gezeigten als Basis der Auseinandersetzung anzubieten.

Inzwischen waren im musealen Umfeld die ersten großen Blockbuster-Ausstellungen zu sehen, hierzulande begann der Reigen mit den groß inszenierten kulturhistorischen Schauen des Historischen Museums der Stadt Wien im Künstlerhaus am Karlsplatz. Den Auftakt machte 1983 die 82. Sonderausstellung des Museums "Die Türken vor Wien", die mit dem theatral inszenierten Klamaukspektakel der Entsatzschlacht vom 12. September 1683 auch gleich die Bedenklichkeiten allzu publikumsfreundlicher Inszenierungen vor Augen führte. 1985 folgte "Traum und Wirklichkeit. Wien 1870-1930" und 1989 "Wunderblock. Eine Geschichte der modernen Seele".

Literatur wird Event

Gleichzeitig begann der gesamtgesellschaftliche Trend zur Eventisierung auch den Literaturbetrieb zu entern. Das kann man als tendenzielle Verflachung beklagen oder als Möglichkeit sehen, Inhalte auf anderen Wegen zu transportieren. Und hier setzten neue Konzepte an, die Potenziale von Literaturausstellungen neu zu definieren und vorsichtig den veränderten Rezeptionsgewohnheiten anzunähern.

Eine Möglichkeit, Literaturausstellungen lebendig zu machen, ist die Suche nach Zugängen, die das Werk, den Autor oder die Epoche schräg anschneiden und nach Anknüpfungspunkten im Heute abklopfen. Dass die Perspektiven neu sind, kann ein Fachpublikum ansprechen, dass es Aha-Erlebnisse und Verbindungen zum Hier und Heute gibt, ist im Idealfall auch für ein breiteres Publikum interessant. Entscheidend für diese fragile Balance ist die Einschätzung des Vorwissens, von dem man ausgehen kann, und der Umgang mit dem konkreten Ausstellungsumfeld. In Messearchitekturmanier Räume zuzubauen, ist selten angeraten, mit den räumlichen Vorgaben offensiv zu arbeiten, verleiht dem Ausstellungsgesamt meist eine größere Wirkkraft, auch wenn das mitunter ein Problem für die an sich sinnvolle Präsentation großer, also auch teurer Ausstellungen an verschiedenen Orten darstellt.

Eine enge Kooperation zwischen Kuratoren und Gestaltern ist unabdingbar und sollte zu einem möglichst frühen Zeitpunkt beginnen. Auch in diesem Punkt hat sich das Verständnis geändert. Ein inhaltlich fertiges Konzept einem "Architekten" zu übergeben und auf sein Raumkonzept zu warten, ist heute zumindest nicht mehr die Regel.

Atmosphärische Kulisse

Eher an konventionelle Herangehensweisen schließen jene Ausstellungskonzepte an, die Bildwerte wie das Wohn- oder Arbeitsambiente eines Autors, besonders beliebt bei Wien-Themen natürlich das Kaffeehaus, in der Tradition einer atmosphärischen Theaterkulisse aufbauen, also gewissermaßen Fotos aus der klassischen Vitrinenausstellung in den Raum ausfalten. Nimmt die Literaturausstellung solcherart beim Theater zu große Anleihen, verfehlt sie leicht, eigene Konzepte zu entwickeln. Ein wenig hat das aktuell vielleicht auch damit zu tun, dass die Buchkultur sich prinzipiell in die Enge getrieben fühlt und darauf gerne mit Anleihen bei erfolgreicheren Branchen reagiert. Das Theater wurde medial immer schon stärker wahrgenommen, deshalb heißt heute gern "Buchpremiere" was eine "Buchpräsentation" ist. Die Professionalisierung von Marketing-und Presseabteilung ist in der Buchbranche eine vergleichsweise junge Erfindung, und es ist vielleicht nur eine Überreaktion, dass aktuell mitunter das Marketingwissen das Buchwissen überlagert. Fast ein Wunder, dass die beworbenen Buchkäufer noch Leser heißen, und nicht Endverbraucher.

Freilich bringt auch primär atmosphärische (Theater)-Kulissenarbeit der Literaturausstellung durchaus Publikum, wer Denkanstöße sucht, wird davon mitunter enttäuscht. Aktionistische, performanceartige Konzepte wiederum sind kaum wiederholbar, da sie sich rasch abnutzen. Auch technologische Entwicklungen können innovative Ansätze überraschend schnell entwerten. Die radikale Verbilligung des EDV-Equipments und deren vereinfachte Nutzung führten zu einer Explosion der Computerbildschirme in den Ausstellungsräumen. Es gab mittlerweile Ausstellungen, die fast nur mehr aus Computerterminals bestanden; überraschenderweise zeigt sich dabei, dass das Element plötzlich nicht mehr der Anschaulichkeit und Verlebendigung dient, sondern rasch etwas Ermüdendes bekommt.

Optimal ist sicher nicht eine maximale Anhäufung der Objekte, und davor sind Ausstellungsgestalter nie gefeit. Schließlich haben sie in der langen Vorbereitungszeit eine Unmenge an Objekten, Detailinformationen und möglichen Themenaspekten angehäuft; diese Recherchearbeiten sind lustvoll und oft, weil von vornherein interdisziplinärer angelegt als literaturwissenschaftliche Forschung, überraschend ergiebig, der Entdeckerstolz ist schwer zu unterdrücken. Doch eine der wichtigsten und schwierigsten Arbeiten ist das Weglassen: von Aspekten, Objekten und (Seiten-)Themen. Es ist oft sogar sinnvoll, bei den auratischen Objekten die größten Schnitte zu setzen, um mit stärker assoziativ gesetzten Bildwerten einen distanzierteren Blick auf das Thema zu eröffnen.

Interpretierende Sicht

Je rigider und vor allem treffsicherer die Objektauswahl, umso eher gelingt eine für das Publikum nachvollziehbare Inszenierung eines Dialogs zwischen den "auratischen Objekten" und den freier gesetzten Schauwerten, in dem die einzelnen Objektgruppen eine jeweils eigene Geschichte erzählen.

Auch wenn der Streit ums Regietheater jüngst in kulturkampfartigen Stößen wieder aufgebrandet ist: Jede Theaterinszenierung und auch jede Ausstellungsgestaltung ist immer "Regietheater", also eine interpretierende Sicht auf das Stück bzw. Thema. Es kann eine besser oder schlechter geglückte Inszenierung sein, aber eine Inszenierung ist es immer. Tendenziell dem Verstauben ausgelieferte "klassische" Autoren oder Texte zeitlich in die Gegenwart zu öffnen und damit die Frage nach ihrer Aktualität in den Raum zu stellen, ist nicht nur ein legitimes, sondern ein absolut notwendiges Mittel.

Bis vor gar nicht so langer Zeit richteten sich Literaturausstellungen primär bis ausschließlich an ein Fachpublikum. Kundige Archivare und Wissenschafter stellten mit positivistischem Eifer Vitrinen- und Tafelschauen zu ihren speziellen, meist biografisch zentrierten Forschungsgebieten zusammen. Die kleine Forschercommunity erfreute sich an neu aufgefundenem Dokumenten-oder Fotomaterial, und das hatte natürlich jede Berechtigung.

Mitunter erschwerten die Auswirkungen des Horror vacui das Betrachten der überfüllten Vitrinen und die Dichte der Bestückung führte tendenziell den Vitrinencharakter ad absurdum. Denn der gibt eigentlich ein Arrangieren des Materials im abgeschlossenen Raum vor, nicht eine flächendeckende Abdeckung des Vitrinenbodens, als handle es sich dabei um zu beklebende Packpapierbögen. Schließlich vermag auch der notorische Flachwaren-Mix aus Autografen, Typoskripten, Verträgen und Notizzetteln durch entsprechende Präsentation eine ganz eigene dritte "Raumdimension" zu gewinnen, und es ist gerade dieses Auratische der Objekte, das durch eine Überfüllung leicht verdeckt wird.

Unbehagen

Zunehmend begann sich ein Unbehagen zu regen an der positivistischen Orientierung, an der begrenzten Reichweite und an dem immer gleichen Umgang mit der nun einmal überwiegend homogenen Materialität der Exponate: Bücher, Zettel, Fotos, mit allfälligen Devotionalien als Highlights. Natürlich gab es immer wieder absolut bemerkenswerte Ausstellungen, aber auch dann blieb die Öffentlichkeitswirkung in der Regel beschränkt. Vorsichtig begannen auch im Umfeld der vielen neu eingerichteten Gedenkstätten und Dichtermuseen Überlegungen, wie man die Vitrinen-und Tafelorientierung überwinden könnte, etwa mit dem Einsatz medialer Elemente, zunächst waren das meist Tonschleifen.

Die technische Ausstattung war in den Anfängen vor allem eine Kostenfrage. Die Miete von Videorekordern und Bildschirmen - an einen Kauf der Geräte war bis in die 1990er Jahre aus Kostengründen selten zu denken - verschluckte rasch überdimensionierte Teile der Ausstellungsbudgets, auch etwas elaboriertere Beschriftungssysteme waren unverhältnismäßig teuer.

Drucktechnische Dienstleistungen haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten extrem verbilligt und fallen heute in der Budgetierung viel weniger ins Gewicht, vor allem sind den Möglichkeiten der Bedruckstoffe kaum mehr Grenzen gesetzt. Dafür verrechneten Institutionen, Archive und Bibliotheken damals untereinander kaum Leihund Bearbeitungsgebühren: Das hat sich mittlerweile gründlich geändert und ist zum Teil ins Absurd-Unverschämte umgeschlagen.

Als man verstärkt daran ging, Ausstellungen kulturwissenschaftlich und als Form der Literaturvermittlung zu denken, stand auch der vorgebliche Verzicht auf eine Stellungnahme durch eine "neutrale" Präsentation zur Disposition, er war einfach nicht mehr glaubwürdig. Versteht sich die Literaturausstellung als Instrument der Vermittlung, ist sie gut beraten, eine offen dargelegte (Neu) Interpretation des Gezeigten als Basis der Auseinandersetzung anzubieten.

Inzwischen waren im musealen Umfeld die ersten großen Blockbuster-Ausstellungen zu sehen, hierzulande begann der Reigen mit den groß inszenierten kulturhistorischen Schauen des Historischen Museums der Stadt Wien im Künstlerhaus am Karlsplatz. Den Auftakt machte 1983 die 82. Sonderausstellung des Museums "Die Türken vor Wien", die mit dem theatral inszenierten Klamaukspektakel der Entsatzschlacht vom 12. September 1683 auch gleich die Bedenklichkeiten allzu publikumsfreundlicher Inszenierungen vor Augen führte. 1985 folgte "Traum und Wirklichkeit. Wien 1870-1930" und 1989 "Wunderblock. Eine Geschichte der modernen Seele".

Literatur wird Event

Gleichzeitig begann der gesamtgesellschaftliche Trend zur Eventisierung auch den Literaturbetrieb zu entern. Das kann man als tendenzielle Verflachung beklagen oder als Möglichkeit sehen, Inhalte auf anderen Wegen zu transportieren. Und hier setzten neue Konzepte an, die Potenziale von Literaturausstellungen neu zu definieren und vorsichtig den veränderten Rezeptionsgewohnheiten anzunähern.

Eine Möglichkeit, Literaturausstellungen lebendig zu machen, ist die Suche nach Zugängen, die das Werk, den Autor oder die Epoche schräg anschneiden und nach Anknüpfungspunkten im Heute abklopfen. Dass die Perspektiven neu sind, kann ein Fachpublikum ansprechen, dass es Aha-Erlebnisse und Verbindungen zum Hier und Heute gibt, ist im Idealfall auch für ein breiteres Publikum interessant. Entscheidend für diese fragile Balance ist die Einschätzung des Vorwissens, von dem man ausgehen kann, und der Umgang mit dem konkreten Ausstellungsumfeld. In Messearchitekturmanier Räume zuzubauen, ist selten angeraten, mit den räumlichen Vorgaben offensiv zu arbeiten, verleiht dem Ausstellungsgesamt meist eine größere Wirkkraft, auch wenn das mitunter ein Problem für die an sich sinnvolle Präsentation großer, also auch teurer Ausstellungen an verschiedenen Orten darstellt.

Eine enge Kooperation zwischen Kuratoren und Gestaltern ist unabdingbar und sollte zu einem möglichst frühen Zeitpunkt beginnen. Auch in diesem Punkt hat sich das Verständnis geändert. Ein inhaltlich fertiges Konzept einem "Architekten" zu übergeben und auf sein Raumkonzept zu warten, ist heute zumindest nicht mehr die Regel.

Atmosphärische Kulisse

Eher an konventionelle Herangehensweisen schließen jene Ausstellungskonzepte an, die Bildwerte wie das Wohn- oder Arbeitsambiente eines Autors, besonders beliebt bei Wien-Themen natürlich das Kaffeehaus, in der Tradition einer atmosphärischen Theaterkulisse aufbauen, also gewissermaßen Fotos aus der klassischen Vitrinenausstellung in den Raum ausfalten. Nimmt die Literaturausstellung solcherart beim Theater zu große Anleihen, verfehlt sie leicht, eigene Konzepte zu entwickeln. Ein wenig hat das aktuell vielleicht auch damit zu tun, dass die Buchkultur sich prinzipiell in die Enge getrieben fühlt und darauf gerne mit Anleihen bei erfolgreicheren Branchen reagiert. Das Theater wurde medial immer schon stärker wahrgenommen, deshalb heißt heute gern "Buchpremiere" was eine "Buchpräsentation" ist. Die Professionalisierung von Marketing-und Presseabteilung ist in der Buchbranche eine vergleichsweise junge Erfindung, und es ist vielleicht nur eine Überreaktion, dass aktuell mitunter das Marketingwissen das Buchwissen überlagert. Fast ein Wunder, dass die beworbenen Buchkäufer noch Leser heißen, und nicht Endverbraucher.

Freilich bringt auch primär atmosphärische (Theater)-Kulissenarbeit der Literaturausstellung durchaus Publikum, wer Denkanstöße sucht, wird davon mitunter enttäuscht. Aktionistische, performanceartige Konzepte wiederum sind kaum wiederholbar, da sie sich rasch abnutzen. Auch technologische Entwicklungen können innovative Ansätze überraschend schnell entwerten. Die radikale Verbilligung des EDV-Equipments und deren vereinfachte Nutzung führten zu einer Explosion der Computerbildschirme in den Ausstellungsräumen. Es gab mittlerweile Ausstellungen, die fast nur mehr aus Computerterminals bestanden; überraschenderweise zeigt sich dabei, dass das Element plötzlich nicht mehr der Anschaulichkeit und Verlebendigung dient, sondern rasch etwas Ermüdendes bekommt.

Optimal ist sicher nicht eine maximale Anhäufung der Objekte, und davor sind Ausstellungsgestalter nie gefeit. Schließlich haben sie in der langen Vorbereitungszeit eine Unmenge an Objekten, Detailinformationen und möglichen Themenaspekten angehäuft; diese Recherchearbeiten sind lustvoll und oft, weil von vornherein interdisziplinärer angelegt als literaturwissenschaftliche Forschung, überraschend ergiebig, der Entdeckerstolz ist schwer zu unterdrücken. Doch eine der wichtigsten und schwierigsten Arbeiten ist das Weglassen: von Aspekten, Objekten und (Seiten-)Themen. Es ist oft sogar sinnvoll, bei den auratischen Objekten die größten Schnitte zu setzen, um mit stärker assoziativ gesetzten Bildwerten einen distanzierteren Blick auf das Thema zu eröffnen.

Interpretierende Sicht

Je rigider und vor allem treffsicherer die Objektauswahl, umso eher gelingt eine für das Publikum nachvollziehbare Inszenierung eines Dialogs zwischen den "auratischen Objekten" und den freier gesetzten Schauwerten, in dem die einzelnen Objektgruppen eine jeweils eigene Geschichte erzählen.

Auch wenn der Streit ums Regietheater jüngst in kulturkampfartigen Stößen wieder aufgebrandet ist: Jede Theaterinszenierung und auch jede Ausstellungsgestaltung ist immer "Regietheater", also eine interpretierende Sicht auf das Stück bzw. Thema. Es kann eine besser oder schlechter geglückte Inszenierung sein, aber eine Inszenierung ist es immer. Tendenziell dem Verstauben ausgelieferte "klassische" Autoren oder Texte zeitlich in die Gegenwart zu öffnen und damit die Frage nach ihrer Aktualität in den Raum zu stellen, ist nicht nur ein legitimes, sondern ein absolut notwendiges Mittel.