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St. Peter rüstet zum Jubiläum

St. Peter in Salzburg rüstet zum 1400-Jahr-Jubiläum seiner Gründung, das 1982 gefeiert werden soll. Und wenn auch das Datum historischen Oberprüfungen nicht standhält, wenn auch der Gründer dieses Benediktinerklosters, der heilige Rupert, entgegen der Legende nicht in der im 17. Jahrhundert barockisierten und mit einer Kuppel ausgestatteten Kirche zu Füßen des Mönchsberges begraben ist: St. Peter hat allemal Grund, seiner Vergangenheit festlich zu gedenken. Denn Kirche und Kloster, die bis zum Jubeljahr archäologisch untersucht werden, sind eine der traditionsreichsten Stätten des Christentums und der Kultur in Österreich. Mehr noch: Dank der Grabungen durch das österreichische Archäologische Institut unter der Leitung von Stefan Karwiese wird noch deutlicher, welche Bedeutung dieser Ort bereits in der Antike gehabt hat.

Schon nach Abschluß der ersten Kampagne vom Jänner bis März zeigte sich nämlich, daß hier nicht erst unter dem Patron von Oberbayern und Salzburg, der stets mit einem Salzfaß dargestellt wird, weil er den Salzbergbau gefördert hat, das Christentum eine Heimstatt besaß. (Bekanntlich hat im römischen Juvavum, dem heutigen Salzburg, bereits im 5. Jahrhundert der heilige Severin gepredigt und dort laut „Vita Severini” des Eugippius, Kapitel 11-13, in einer Gemeindekirche Wunder vollbracht.) Es gab hier schon eine christliche Gemeinde, als 696 dieser Heilige aus königlich-französischem und irischem Geblüt in Juvavum eintraf.

Bei den Grabungen im Kircheninneren stellte Karwiese außer Fundamenten aus der Zeit um 700, außer Mauern von der Chorkirche aus dem 9. Jahrhundert sowie Um- und Anbauten aus dem 12., 13. und 17. Jahrhundert auch Bauperioden aus römischer Zeit fest.

Zwar handelt es sich bei den bislang freigelegten römischen Resten um Profanbauten aus dem ersten Jahrhundert und einen bunten geometrischen Mosaikfußboden aus der Zeit um 200, die während der Völkerwanderung um 400 zerstört worden sind. Merkwürdigerweise aber orientieren sich spätere Gebäude genau im Zentrum der Kirche nach den römischen Fluchten.

Welchen Grund gab es für die Bewohner Juvavums, das zu tun? Gab es Erinnerungen an ein frühchristliches Zentrum, etwa eine Saalkirche, die mitunter auch Fortsetzung eines ursprünglich profanen Gebäudes sein konnte? Um 700 jedenfalls errichteten sie genau vor den römischen Ruinen ein repräsentatives viereckiges Gebäude, von dem Karwiese die Fundamente mit den Ausmaßen zehn mal sechs Meter gefunden hat, die zwei Kammern umfaßten.

Ob diese Fundamente die steinernen Zeugen einer Kirche oder eines Mausoleums oder irgendeines anderen bedeutenden Bauwerkes darstellen, kann noch nicht beantwortet werden. Eine der Arbeitshypothesen ist immerhin: Dieser Bau könnte den Bischofssitz beherbergt haben, den der missionierende Mönch Rupert über den Ruinen von Juvavum errichtete.

Als Rupert in der Abtei starb, von jeher unter dem Patrozinium der frühchristlichen Schutzheiligen Petrus und Paulus (auch die älteste Kirche Wiens ist eine Peterskirche), war die Christianisierung des Salzburger Raumes abgeschlossen. Ruperts Gebeine jedoch - so wird berichtet - wurden unter dem heiligen Virgil, der auf Empfehlung des Frankenkönigs Pippin Bischof von Salzburg geworden war, am 24. November 774 in den neuen Dom übertragen.

Nicht lange danach - und zwar unter Bischof Arno (785-821) - entstand im Südosten der rätselhaften Fundamente aus der Zeit um 700 eine rund 20 Meter lange und zehn Meter breite Chorkirche mit Krypta, die sich ebenfalls nach den römischen Mauern im vorderen Bereich der jetzigen Kirche orientiert und somit, im Widerspruch zu jeder Konvention, nicht nach Osten, sondern nach Südosten geortet ist. Noch im 9. Jahrhundert wurde dann je eine Apside angebaut. Spätestens damals, meint Karwiese auf Grund der Grabungsergebnisse, habe man im Nordwesten den noch heute stehenden Turm aufgestellt, der im 17. Jahrhundert einen Helm aufgesetzt bekam.

1127 brannten die Kirche und das Kloster mit seiner berühmten Schreibschule ab. Beide wurden im hochromanischen Stil ohne Verwendung der alten Krypta, die man zugeschüttet hatte, wieder erbaut. Die Kirche wurde mit zwei Seitenschiffen und drei Absiden versehen und 1143 von Abt Balderich neu geweiht.

Dieser Abt Balderich (1125-1147) war es dann, dem' eines Nachts' St. Rupert mit den Worten „Wenn mein Licht erlöscht, wird diese Stadt verwüstet”, erschienen sein soll, und der demzufolge darauf schwor, der Gründer der Erzabtei sei hier bestattet.

Doch die Forschungsergebnisse sehen anders aus: Der römische Sarkophag, aus dem 5. Jahrhundert, der als das von einem ewigen Licht umgebene Grab des Heiligen gilt, kann nicht dessen letzte Ruhestätte sein. Denn das sogenannte Rupertgrab befindet sich im rechten Seitenschiff der hochromanischen Kirche und ist, entsprechend der Baugeschichte des Kircheninneren, wahrscheinlich nicht vor dem 15. Jahrhundert an diesen Platz gekommen.

Dafür hat Karwiese im Zentrum der Abteikirche möglicherweise den Leichnam des Abtes Balderich in einem Steinkistengrab gefunden und dieses Grab mit einer modernen Grabplatte versehen lassen. Unmittelbar davor stieß er auf die Begräbnisstätte des kaiserlichen Rates und Feldobristen Johann Werner von Raitenau, des Vaters von Fürsterzbischof Wolf Dietrich (1587-1612), der, in Rom aufgewachsen und von neuen Vorstellungen der Repräsentation und Hofhaltung erfüllt, aus dem mittelalterlichen Salzburg eine der schönsten Barockstädte schuf.

Bislang hatte man angenommen, das Grab des am 4. April 1593 nordöstlich von Agram gefallenen Feldobristen von Raitenau liege in einer der südlichen Kapellen. Tatsächlich befindet sich aber dort nur sein Epitaph, während der in einen Kupfersarg eingebettete Fichtensarg mit dem stark vermoderten Skelett nach wie vor dort steht, wo man ihn mit viel Prunk und großer Anteilnahme der Bevölkerung am 5. Mai 1593 beigesetzt hat.

Als der Archäologe jetzt den Sarg öffnete, sah er das oft beschriebene rote Barthaar des Feldobristen, das ebenso komplett erhalten ist wie das schlichte Gewand mit der Kniehose.

Im November wird Karwiese die Untersuchungen in St. Peter wieder aufnehmen. Freigelegt werden sollen vor allem der Vorraum des Turms und Teile der zugeschütteten Krypta. Wichtig erscheint dem Wissenschafter auch eine Grabung innerhalb des jetzigen Klostergartens, wo sowohl Ruperts Kloster als auch römische Mauern zutage kommen könnten.

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