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Vatikanische Rückbesinnung

Mit großen Feierlichkeiten in St. Peter und in Santa Maria Maggiore wurden zu Pfingsten in Rom zwei Konzilsjubiläen begangen. Man gedachte des vor 1600 Jahren abgehaltenen I. Konzils von Konstantinopel. Auf ihm wurde die Gottheit des Hl. Geistes definiert, womit die Lehre vom einen und dreifaltigen Gott ihren Ausdruck fand.

Vor 1550 Jahren wurde auf dem Konzil zu Ephesus Maria der Titel der „Gottesmutter" zuerkannt, womit in erster Linie eine Aussage über die göttliche und menschliche Natur in Jesus Christus beabsichtigt war. Erst in zweiter Linie hatte dieses Konzil beabsichtigt, Maria einen besonderen Ehrentitel zuzusprechen, der bekanntlich Papst Sixtus III. im 5. Jahrhundert veran-laßte, in Rom zu Ehren der Gottesmutter die Basilika Santa Maria Maggiore zu erbauen.

53 Kardinäle und nicht ganz 300 Bischöfe waren der Einladung des Papstes zu diesen Feierlichkeiten gefolgt. Zu ihnen kamen Gesandtschaften der orthodoxen Kirchen, der Kopten, Armenier, Anglikaner, des Lutherischen Weltbundes, der Weltallianz der reformierten Kirchen, des ökumenischen Rates der Kirchen, Vertreter der Pfingstkirchen und der Methodisten.

Namentlich begrüßte der Papst während seiner Ansprache in St. Peter den Leiter der Delegation des ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel, den Metropoliten Damaskinos, Leiter des orthodoxen Zentrums in Chambesy bei Genf. Ihm wurde die Ehre zuteil, in St. Peter am Vorabend des Pfingstfestes eine Predigt zu halten.

Vom Altar über dem Petrusgrab aus drückte Damaskinos die Hoffnung auf volle Kommuniongemeinschaft zwischen Katholiken und Orthodoxen aus und wiederholte, was ihm der große französische Konzilstheologe Yves Congar einmal gesagt hatte: „Brüder, ich liebe euch. Ich liebe euch so, wie ihr seid und um das, was ihr seid. Ich möchte eines Tages mit euch voll Freude des heiligen Geistes aus demselben Kelch des Blutes Jesu Kommunion halten."

Was beabsichtigte der I^apst mit den groß angelegten Gedächtnisfeiern? Ihm lag ohne Zweifel viel an diesen Feiern. Daß er trotz seiner, infolge des Atten-, tats geschwächten Gesundheit eine 30 Minuten dauernde Ansprache zum Gedächtnis an das Konzil von Konstantinopel verfaßt hatte, die zunächst auf Tonband registriert und dann in St. Peter mittels Lautsprecher übertragen wurde, und daß er am Nachmittag eine 20minütige Ansprache zum Anlaß des Konzilsjubiläums von Ephesus in derselben Weise übertragen ließ, stellt sein außergewöhnliches persönliches Anliegen unter Beweis.

Es ist eine pastoral-politische Grundlinie dieses Pontifikates, die katholische Kirche durch Hinfiihrung auf die wesentlichen Lehrinhalte in ihrer inneren Einheit zu kräftigen. Daß in dieser pastoral-politischen Grundlinie eine Rückbesinnung auf die wesentlichen Lehren vergangener Konzilien eine besondere Bedeutung einnimmt, leuchtet ein.

Auf dieser pastoral-politischen Grundlinie liegt auch die Aufforderung

des Papstes am Pfingstsonntag in Rom, „den Glauben der Apostel und der Väter, den das erste Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 feierlich verkündet und zu bekennen gelehrt hat", auch heute zu bekennen. Auf dieser Linie liegt auch das Bekenntnis des Papstes, er wolle im Lichte dieses alten Konzils „die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils, des Konzils unserer Zeit, verwirklichen".

Hinzu kommt, daß „der Papst aus dem Osten" vielleicht ein stärkeres Empfinden für die Anliegen der Ostkirchen hat als manche seiner Vorgänger. Nun spielt in den Ostkirchen die Wertschätzung des Heiligen Geistes eine größere Rolle als in der westlichen Kirche, die sich stärker auf die Person Jesus Christus konzentriert. Daraus ergibt sich nicht nur die Chance einer Bereicherung der westlichen Kirche, sondern auch ein ökumenischer Aspekt, der durch die starke Präsenz von Vertretungen so vieler getrennter Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften zum Ausdruck kam.

Nich zuletzt wollte der Papst durch die starke Betonung der Lehre des Heiligen Geistes auch eine Korrektur gegenüber säkularisierenden Tendenzen in der katholischen Kirche anbringen. Überdies ruft das Konzil von Ephesus von neuem den Glauben an die Gottheit Jesu Christi in Erinnerung, was wiederum korrigierend auf moderne Strömungen in der Theologie einwirkt, welche di’e Menschlichkeit Jesu Christi so stark in den Vordergrund stellen, daß sie Gefahr laufen, seine Göttlichkeit zu verkennen.

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