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Hinter der Hymne

FOKUS
Fischer - © Foto: APA/HBF/TATIC/HBF/TATIC

Heinz Fischer: „Unser stiller Patriotismus tut gut“

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Rot-weiß-rote Fahnen bei Corona-Demonstrationen sind für Altbundespräsident Heinz Fischer irritierend, aber er findet auch Positives daran.

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Rot-weiß-rote Fahnen bei Corona-Demonstrationen sind für Altbundespräsident Heinz Fischer irritierend, aber er findet auch Positives daran.

Von Berufs wegen war Altbundespräsident Heinz Fischer überdurchschnittlich viel mit Österreichs Staatssymbolen in Kontakt. Ein Gespräch über seine Assoziationen zu „Land der Berge“ und „Rot-Weiß-Rot“, zu Denkmalschutz und Denkmalsturm.

DIE FURCHE: Herr Doktor Fischer, aufgrund Ihrer langen politischen Karriere haben Sie wohl öfter als die meisten anderen Österreicher die Bundeshymne gehört oder gesungen. Welche Gefühle verbinden Sie mit dem Lied?
Heinz Fischer:
Ich habe unsere Bundeshymne sehr oft gesungen und gehört und bin sehr glücklich damit. Sie hat eine wunderschöne Melodie und einen Text, der gut auf Österreich Bezug nimmt. Gleichzeitig bin ich mir über das tragische Schicksal der österreichischen Hymnen im 20. Jahrhundert bewusst. Zuerst hat es die Kaiserhymne gegeben, dann ist die Republik gekommen; 1934 wurden die Symbole des Staates wieder verändert. An Deutschland angeschlossen, haben wir „Deutschland, Deutschland über alles“ als Hymne bekommen. Als 1944 meine Schulzeit begann, musste ich mit Hitlergruß den Unterricht beginnen.

DIE FURCHE: Nach 1945 haben wir zunächst keine Hymne gehabt …
Fischer:
Als Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich mir die Protokolle der Ministerratssitzungen unter Vorsitz von Leopold Figl durchgelesen, bei denen man über die Bundeshymne beratschlagt hat. Nach einer Ausschreibung wurde der Text von Paula von Preradović als Hymne gewählt, wobei Änderungen vorgenommen wurden, die den Text noch verbessert haben. Dann kam die Diskussion über die Benachteiligung der Frauen in der Hymne – das war ein holpriger Weg, aber er ist geglückt, die Stimmen gegen die Töchter in der Hymne sind verstummt. Heute ist klar, dass wir eine schöne Bundeshymne haben und auch sonst in der Frage nach der Repräsentation eines selbstständigen Österreich mit einem eigenen Nationalfeiertag und einem gewissen stillen Patriotismus, wie das Bruno Kreisky nannte, keine Schwierigkeiten haben. Es sollte uns überall so gut gehen wie in der Frage der Bundeshymne.

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