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Keine Angst vor dem Alter

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Wer seine Zukunft nicht nur von den Politikern abhängig machen will, muß selbst Verantwortung übernehmen.

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Wer seine Zukunft nicht nur von den Politikern abhängig machen will, muß selbst Verantwortung übernehmen.

Die Sozialausgaben betragen in Österreich rund 600 Milliarden Schilling pro Jahr (über 28 Prozent des BIP). Ein großer Teil davon fließt in die Alterssicherung. Finanziert werden die Pensionen aus Beiträgen und über den Staatszuschuß aus Steuern.

Staatsverschuldung und Budgetdefizit sind schon jetzt höher, als wirtschaftlich guten Gewissens vertretbar. Natürlich fällt der Blick des Finanzministers auf diesen 600-Mil- liarden-Brocken, wenn es darum geht, nach Einsparungsmöglichkei-’ ten Ausschau zu halten. So sind schon heute verschiedene Leistungen nur sehr schwer finanzierbar beziehungsweise vertretbar. Die großen Probleme stehen aber noch bevor: Müssen heute 1.000 im erwerbsfähigen Alter befindliche Österreicher rund 330 Pensionen finanzieren, so werden es 2030 rund 580 sein.

Die gerechte und vernünftige Lösung dieser Fragen ist eine der größten Herausforderungen für die Politiker. Ein Problem dabei ist nur, daß Politiker vor allem an die nächste Wahl denken, weniger an langfristige Veränderungen, noch dazu wenn es darum geht, bestehende Leistungen zu kürzen, Beiträge zu erhöhen oder zum Beispiel das Pensionsalter hinaufzusetzen. Wer also seine Zukunft nicht davon abhängig machen will, was künftige Politiker entscheiden werden, muß wohl auch selber Verantwortung übernehmen.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten sind heute doch viele Österreicher in der Lage, auch selber vorzusorgen.

Aufgrund der weiter oben geschilderten Entwicklungen und Aussichten ist dieser Vorsorgegedanke heute mindestens genauso aktuell wie damals. Besonders wichtig ist die Vorsorge heute aber für jene, die mehr verdienen, weil hier die Einkommenseinbußen sowohl im Alter als auch bei Berufsunfähigkeit oder Tod (für mögliche Hinterbliebene) besonders groß sind.

Das hängt damit zusammen, daß es eine Höchstbeitragsgrundlage (für die Beiträge) gibt. Diese ist 1994 36.000 Schilling monatlich. Das hat wiederum zur Folge, daß es auch eine Höchstbemessungsgrundlage gibt. 1994 beträgt 32.018 Schilling. Von dieser wird je nach leistungs- wirksamen Versicherungsjahren die Pension errechnet, im Höchstfall wird das 1994 brutto 25.614 Schilling, netto 19.796 Schilling sein.

Zum besseren Verständnis nun ein konkretes Beispiel:

Die Familie Weber ist jetzt mit der Rückzahlung für die Wohnung fertig und möchte Vorsorgen - für die Ausbildung/Aussteuer der Kinder, für die Pension.

Herr Weber ist 40 Jahre alt. Er verdient als leitender Angestellter 45.000 Schilling brutto, netto 27.980 Schilling (ohne Familienbeihilfe). Er hat maturiert und bis jetzt 20 ASVG-Versicherungsjahre plus zwei nicht leistungswirksame für die Mittelschule.

Frau Weber ist 35 Jahre alt. Sie hat bis vor kurzem 15.000 Schilling verdient, nun 20.000 Schilling brutto, netto 14.237, weil sie wieder einige Stunden mehr arbeitet. Sie hat nach der Matura bis zum ersten Kind fünf Jahre gearbeitet, war dann zu Hause bis zum zweiten Kind fünf Jahre später und noch drei Jahre, bis das zweite Kind in den Kindergarten ging. Seither arbeitet sie wieder als Teilzeitkraft.

ZUERST RECHNEN

Diese relativ genaue Beschreibung ist notwendig. Denn bevor man privat vorsorgt, sollte man wissen, mit welchen gesetzlichen Leistungen man rechnen kann.

1. Herr Weber kann (auf Basis 1994) mit einer Bruttopension von 23.053, netto 18.115 Schilling rechnen, mit 60.

2. Frau Weber kann (auf Basis 1994) mit einer Bruttopension von 10.546, netto 9.767 Schilling rechnen,- mit 55.

Zusammen haben die beiden in der Pension (auf heutiger Basis und ohne mögliche Verschlechterungen) um rund 14.000 Schilling monatlich weniger. Die Pension kann in bei den Fällen durch den Kauf der Mittelschulzeiten noch erhöht werden.

3. Frau und Herr Weber wollen möglichst beide eine Zusatzpension, er rund 7.000, sie rund 3.000 Schilling monatlich erreichen.

4. Für die Kinder sollte für Ausbildung und Aussteuer etwa ein Kapital von je rund 300.000 Schilling vorhanden sein, einfachheitshalber in zehn Jahren.

5. Für verschiedene geplante, aber auch nicht vorhersehbare Ausgaben (zum Beispiel auch in Zusammenhang mit Krankheit/Gesundheit) soll eine Reserve von zirka 300.000 Schilling vorhanden sein.

6. Die Sparziele sollen auch im Fall des Todes eines der beiden im notwendigen Ausmaß abgesichert sein.

7. Wenn Frau und Herr Weber auch glücklich verheiratet sind, so sorgen sie zunächst so vor, daß jeder einzeln versorgt ist. Das erleichtert vieles, zum Beispiel im Falle einer Scheidung; wenn sie zusammen bleiben, ist das auch kein Nachteil.

8. Bisher ist folgendes Vermögen vorhanden: 20.000 Schilling auf vier Bausparer, bespart mit je 767 Schilling, fällig 1998; 50.000 Schilling Genußscheine, fällig ebenfalls 1998;

110.000 Schilling Rentenfonds (Investmentfonds), Wiederveranlagung der Erträgnisse; 120.000 Schilling Sparbücher, DA monatlich. 1.000 Schilling.

9. Weiters besteht eine Ab- und Erlebensversicherung mit einer Versicherungssumme von 480.000 Schilling (versichert Herr Weber). Die monatliche Prämie beträgt 1.500 Schilling, Laufzeitende ist 2014 (Herr Weber = 60).

Nach einem ausführlichen Gespräch ergibt sich folgendes:

1. Das Geld der vier Bausparer und die sich aus der anschließenden Veranlagung ergebenden Beträge sowie die vier Folgeverträge stellen eine sehr gute Vorsorge für die Kinder dar. In zehn Jahren ist das Kapital rund 624.000 Schilling, sicher eine dann willkommmene Unterstützung für die Kinder.

2. Die anderen derzeit vorhandenen Vermögenswerte bilden die Reserve, Wert derzeit 280.000 Schilling.

3. Zwei neue Lebensversicherungen (LV) werden gemacht, und zwar Versicherungssumme 250.000 Schilling, versichert Frau Weber, Auszahlung in 20 Jahren (55), ungefähr

424.000 Schilling, Einzahlung monatlich 1.000 Schilling, Versicherungssumme 191.000 Schilling, versichert Herr Weber, Auszahlung in 20 Jahren (60) ungefähr 324.000 Schilling, Einzahlung monatlich 800 Schilling.

4. Das neue WP-Aktiv (Wertpa- pier-Ansparplan) wird mit monatlich 2.000 Schilling bespart.

5. Das Gesamtkapital der zwei neuen LV, der bestehenden LV und des neuen WP-Aktiv beträgt in 20 Jahren rund 2,513.000 Schilling.

6. Bei fünf Prozent Zinsen netto reichen diese für die gewünschte Zusatzpension von rund 3.000 und rund

7.000 Schilling. Das Kapital bleibt erhalten.

Bei einer angenommenen Inflation von drei Prozent p. a. wären die

2.513.000 Schilling in 20 Jahren rund 1,384.000 Schilling. Ein Ausgleich kann zum Beispiel durch die Abfertigung (Teile davon) oder einen teilweisen Zugriff auf das Kapital erfolgen, selbstverständlich auch durch steigende Einzahlungen.

7. Eine Witwenpension wäre derzeit rund 11.500 Schilling, eine Witwerpension 2.900 Schilling. Dabei ist zu beachten, daß es ab 1995 zu einer Neuregelung der Hinterbliebenenversorgung kommen soll.

Im Ablebensfall von Herrn Weber wären momentan (nach Abschluß der neuen LV) 800.000 Schilling abgesichert, im Ablebensfall von Frau Weber 250.000 Schilling.

8. Wenn für den Ablebensfall eine höhere Absicherung gewünscht ist, dann würde sich dafür eine Risikoversicherung mit fallendem Versicherungsschutz und einer Laufzeit von zehn Jahren (wegen Alter der Kinder) anbieten. Eine Versicherungssumme von zum Beispiel

300.000 Schilling (linear fallend) mit einer Laufzeit von zehn Jahren kostet derzeit rund 1.300 Schilling jährlich, zahlbar sechs Jahre lang (für Herrn Weber).

Zu den obigen Vorschlägen/Er- gebnissen ist noch zu bemerken:

Im Falle von (vorübergehenden) finanziellen Schwierigkeiten gibt es enügend Spielraum für eine Re- uktion der monatlichen Sparbeträge. Theoretisch wäre es nicht notwendig, bis zur Pension weitere Besprechungen zu machen. Praktisch empfehle ich aber unbedingt, alle paar Jahre oder bei (gesetzlichen) Änderungen den „Plan“ daraufhin zu überprüfen, ob er den neuen Gegebenheiten noch entspricht.

Hier kann es zum Beispiel auch um eine spätere Änderung insoferne gehen, daß ab einem bestimmten Vermögen nicht mehr so konservativ, sondern auch etwas dynamischer veranlagt/umgeschichtet wird. Was bleibt, ist noch eine genaue Auswahl der entsprechenden Anspar-/Anlage- produkte.

Wie Sie dem bisherigen Inhalt entnehmen konnten, ist hier die konkrete Produktentscheidung eher im Hintergrund. Diese ist wohl in jedem Einzelfall mit einem Berater, zu dem man wirklich Vertrauen hat, nach den persönlichen Gegebenheiten, Wünschen und Erfordernissen zu treffen.

Der Autor ist Produktmanager für Pensionsvorsorge in der ERSTEN österreichischen Spar-Casse Bank AG, Wien.

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