Schlechtes Zeugnis ausgestellt

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Österreichs Schulabsolventen haben mangelnde Fremdsprachenkenntnisse und sind wenig mobil, kritisiert die Wirtschaft.

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Österreichs Schulabsolventen haben mangelnde Fremdsprachenkenntnisse und sind wenig mobil, kritisiert die Wirtschaft.

Die österreichische Bundesregierung startete eine Exportoffensive. Den Aktivitäten im Bildungsbereich soll dabei nun ein hoher Stellenwert eingeräumt werden: "Die Erfolge der Wirtschaft, der Unternehmen auf nationalen und internationalen Märkten hängen zu einem guten Teil vom Wissen, den Fähigkeiten und Kenntnissen der Absolventen des Bildungswesens und der Mitarbeiter ab. Die Bereitschaft zur Mobilität, in anderen Ländern zu lernen oder zu arbeiten, Fremdsprachen zu beherrschen, ja über interkulturelle Kompetenz zu verfügen, spielen dabei eine immer größere Rolle," heißt es in der Broschüre "Exportoffensive Bildung", die jetzt gemeinsam mit der Industriellenvereinigung herausgegeben wurde.

Tenor des Heftes: Bildungsanstrengungen in den Schulen, Universitäten und in der Weiterbildung müssen wesentlich verstärkt werden, denn "die Bildungspolitik legt die Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftlichen Erfolge von morgen".

Die konkreten Ziele der Wirtschaft für die nächsten Jahre sind dabei: n eine Informationsaktion zum Thema "Exportoffensive", insbesondere für Schulen, Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Akademien; * die Erweiterung des Fremdsprachenangebotes im Bildungswesen, etwa an Berufsschulen und an allgemein- und berufsbildenden Schulen; * Anregungen zur Erweiterung des Bildungsangebotes für die internationale Wirtschaft und * der Ausbau der länderübergreifenden Praktikavermittlung und eine Verbesserung des Informationsstandes über das Angebot an Praktika und deren Abwicklung.

Lobend hebt die Industriellenvereinigung hervor, daß es in Österreich neben den Berufsschulen und Handelsakademien ein wachsendes Angebot an speziellen Studienrichtungen gibt: fünf Universitätsstudien, sieben Fachhochschulstudien - etwa die Fachhochschule für Wirtschaftsbeziehungen in Eisenstadt -, sieben MBA-Studienangebote und zahlreiche Speziallehrgänge.

Kritik übt die Broschüre "Exportoffensive Bildung" der Industriellenvereinigung aber an der Fremdsprachenkompetenz der Absolventen des österreichischen Bildungswesens: "Eine Reihe wichtiger Reformen haben dazu beigetragen, die Fremdsprachenkompetenz der Absolventen zu verbessern. Dennoch entspricht die Situation im österreichischen Bildungswesen noch bei weitem nicht den steigenden Anforderungen, die von einer internationalen Wirtschaft und Gesellschaft gestellt werden."

So bewerten etwa 90 Prozent der Unternehmen in Oberösterreich die Englischkenntnisse der Absolventen von Haupt- und Berufsschulen als unzureichend. Besser ist die Situation bei Absolventen der AHS, BHS und von Universitäten: hier sind 88 Prozent der Unternehmer mit den Kenntnissen zufrieden.

Der Fremdsprachenunterricht an österreichischen Schulen sei aber weniger umfangreich als in anderen europäischen Ländern: "Während in Österreichs Schulen in der Regel eine und maximal zwei lebende Fremdsprachen vorgesehen sind, werden in anderen europäischen Ländern in allen Schulen des Sekundarbereiches zwei lebende Fremdsprachen unterrichtet, in vielen Schulen dieser Länder sind es sogar drei."

Vergleicht man den Anteil des Fremdsprachenunterrichts in allgemeinbildenden Schulen für 13jährige, so liegt Österreich mit 90 Stunden pro Jahr (das entspricht neun Prozent der Gesamtstundenanzahl) im unteren Mittelfeld. Deutschland hat etwa 210 Stunden (24 Prozent) pro Jahr Fremdsprachenunterricht.

Um die derzeitige Situation zu verbessern, fordert die österreichische Wirtschaft eine Neuorientierung der Fremdsprachenpolitik. "Ziel muß es sein, daß Englisch von immer mehr Menschen in Österreich als Zweit- denn als Fremdsprache gesehen wird." So sollte etwa die Zahl der Unterrichtsstunden für Fremdsprachen erhöht werden, und es sollte in allen Studienrichtungen eine Fremdsprache verpflichtend vorgesehen sein.

Ein weiterer Kritikpunkt der Wirtschaft ist die mangelnde Bereitschaft zu Auslandsaufenthalten. 80 Prozent der vom Fessel-Institut befragten Personen haben Österreich berufs- oder studienbedingt noch nie verlassen. Nur ein Prozent der Studenten lernen auch im Ausland - im Länderschnitt sehr wenig. Hier könnten etwa länderübergreifende Partnerschaften von Schulen und Universitäten und das verstärkte Mitwirken an europäischen Mobilitäts- und Bildungsprogrammen Abhilfe schaffen, hofft die Wirtschaft.

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